Mettauertal
Der Tod hinterlässt immer eine Lücke

Für Gemeinderätin und Pfarreisekretärin Elisabeth Keller ist es wichtig, über den Tod reden zu können. Oft ist sie bei einem Todesfall die erste Ansprechperson von Angehörigen.

Susanne Hörth
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Elisabeth Keller vor dem Friedhof im Mettauertaler Ortsteil Mettau. sh

Elisabeth Keller vor dem Friedhof im Mettauertaler Ortsteil Mettau. sh

Idee eines Waldfriedhofs

Die neuen Formen der Bestattungsmöglichkeiten haben bei der Mettauertaler Gemeinderätin Elisabeth Keller auch schon die Idee eines Waldfriedhofs im Ort entstehen lassen.

Die Mettauertalerin weiss um die Scheu oder gar das Unbehagen, wenn es um das sehr sensible Thema geht. Als Pfarreisekretärin der römisch-katholischen Kirchgemeinden Mettau und Gansingen ist sie sehr oft die Erste, die von einem Todesfall erfährt. Den Angehörigen das Beileid ausspricht, ihnen aber insbesondere bei den vielen zu erledigen Aufgaben weiterhilft.

«So individuell das Leben ist, so individuell ist das Sterben und ebenso individuell ist das Beerdigen», so Elisabeth Keller und führt weiter aus: «Dem Tod kommt es nicht darauf an, ob der Verstorbene katholisch, reformiert, Muslime oder keiner Religion angehört. Fast immer hinterlässt der Tod aber eine grosse Lücke.»

Ob in ihrer Arbeit als Pfarreisekretärin, als Gemeinderätin «selbstverständlich mit dem Ressort Friedhof» oder auch einfach als Privatperson, für Elisabeth Keller ist im Umgang mit Trauerenden deshalb eines ganz wichtig: «Zeit haben und da sein.» Bei der Planung des neuen Kirchgemeindehauses im Mettauertaler Ortsteil Mettau äusserte sie als Wunsch viel Licht – Tageslicht – und eine Kaffeemaschine. Die Zeit, die sie gerne ihren Mitmenschen zur Verfügung stellt, verbindet sie ebenso gerne mit einer guten Tasse des dunklen Getränkes.

Immer mehr Feuerbestattungen

Vom Tod bis zur Beerdigung muss ein trauernder Hinterbliebener sehr viel erledigen. Unter anderem entscheiden, welche Art der Bestattung die richtige ist. Richtig für den Verstorbenen wie auch für die Angehörigen. In den 14 Jahren seit Elisabeth Keller als Pfarreisekretärin arbeitet, hat sich viel verändert. «Vor 15, 20 Jahren war beispielsweise die Feuerbestattung kaum ein Thema. Es sei nicht christlich.» Und heute? «Immer mehr entscheiden sich für das Feuer.»

Auch Gemeinschaftsgräber galten einst als Bestattung nur für jene, die sehr arm waren oder Leute, die keine Angehörigen mehr hatten. «Wir hatten seit dem Bestehen des Gemeinschaftsgrabes ein Jahr, in welchem wir nur je eine Erd- sowie eine Urnenbestattung hatten, alle anderen Verstorbenen wurden im Gemeinschaftsgrab beigesetzt», verdeutlicht Elisabeth Keller das veränderte Denken und Handeln. Im Sinne von: «Ich gehe dahin, wo auch die meinen sind»

Rede über Sterben und Tod

Mit Elisabeth Keller über Sterben und Tod zu reden, passiert mit dem nötigen Respekt, aber keineswegs in getrübter Stimmung. Es wird auch deutlich, dass solche Gespräche sehr bewusst ihren Platz im äusserst lebendigen Alltag der Gemeinderätin und Pfarreisekretärin
haben.

Nur von Berufswegen? Nein, sagt sie. Auch im Privatleben werde das Thema nicht ausgeklammert. In der Familie selbst, nach dem Tod des Vaters vor über 25 Jahren, hat Elisabeth Keller lernen müssen, mit der Trauer und dem Akzeptieren des Unwiederbringlichen umgehen zu können. Als ein naher Freund der Familie starb, setzte sie sich zudem intensiv mit der Frage auseinander, wie sie es ihrer damals viereinhalbjährigen Tochter sagen sollte. Entschied sich für das direkte wie ebenso behutsame Gespräch mit dem Kind. «Ein Kind versteht sehr früh und ebenso auf sehr unkomplizierte Art und Weise, um was es geht.»

Elisabeth Keller hat durch das Leben, ihren Beruf und ganz besonders den nahen Kontakt zu vielen Menschen auf einfühlsame Art und Weise gelernt, offen über das Sterben und den Tod zu sprechen. «Du kannst Dich nur mit dem Sterben auseinandersetzen, wenn du versuchst, das Leben zu verstehen und es bewusst zu erleben.»