Laufenburg
Der Therapiehund, der verlässlicher Freund und Seelentröster ist

Therapiehund Chemmhuk begleitet seine Besitzerin stets zur Arbeit ins Alterszentrum Klostermatte. Die beiden verstehen ohne viele Worte – und Laute.

Susanne Hörth
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Peter Bärchthold hat schon auf den Vierbeiner gewartet. Die Begrüssung zwischen Mensch und Hund ist unaufgeregt und liebevoll.

Peter Bärchthold hat schon auf den Vierbeiner gewartet. Die Begrüssung zwischen Mensch und Hund ist unaufgeregt und liebevoll.

Susanne Hörth

Eine stolze Einheit. Das fällt einem spontan ein, wenn man Miriam Baumgartner in Begleitung ihres Hundes Chemmhuk sieht. Der siebenjährige Beauceron-Rüde ist ausgebildeter Therapiehund und begleitet seine Besitzerin fast überall hin. So auch ins Alterszentrum Klostermatte in Laufenburg. Hier arbeitet die Kaisterin in einem 80-Prozent-Pensum. Gegenseitiges Vertrauen und Respekt spürt die Journalistin, als sie Miriam Baumgartner und Chemmhuk auf dem Weg von Kaisten nach Laufenburg zur Arbeitsstelle begleitet.

Der grosse, fast 50 Kilogramm schwere Rüde ist nicht angeleint. Braucht er nicht, die Bande, die ihn und seine Besitzerin zusammenhält, ist auch so spür-, sicht- und hörbar. Wobei Letzteres nur teilweise zutrifft. Die Kommunikation im Mensch-Hund-Team funktioniert mehrheitlich ohne viele Worte. Ein «Strasse», «rechts», «links» reicht. Chemmhuk weiss, was zu tun ist. Ein Velofahrer naht. Miriam Baumgartner macht eine kaum wahrnehmbare Handbewegung. Chemmhuk – der Name bedeutet schwarzer Freund – weicht auf die Wiese aus und wartet, bis der Velofahrer vorbei ist.

Auf dem Weg durchs Städtchen nimmt Miriam Baumgartner ihren Hund dann aber doch an die Leine. Mehr als Zeichen für die Leute; nötig wäre es nicht. Chemmhuk lässt sich weder von Menschen noch von anderen Hunden ablenken. Er ist immer in direktem Kontakt mit seinem Frauchen.

Im Altersheim angekommen, darf er ab der Leine. Hier ein freudiges «Hallo Chemmhuk», dort ein schnelles Streicheln und Tätscheln. Der so kraftvolle, gleichwohl sanfte Hund mit den aufmerksamen, freundlichen Augen ist willkommen. Überall im Haus. «Er bringt Ruhe und Freude für uns alle mit, für Personal und Bewohner», sagt Altenpfleger Dirk Kerst.

Sensible Wahrnehmung

«Wand», fordert Miriam Baumgartner auf. Chemmhuk drückt sich in einem etwas schmaleren Gang an die Wand und lässt zwei Heimbewohner an sich vorbeigehen. Als die Hundebesitzerin «Pause» sagt – sie wird nie laut, ruft nicht, hat stets klare Formulierungen – legt sich der Rüde nicht auf irgendeine, sondern auf seine Liege. «Nicht immer ist er bei mir, wenn ich arbeite. Er hat hier im Altersheim seine Plätze, auf denen er wartet, bis ich ihm zeige, dass er zu mir kommen kann», erklärt Miriam Baumgartner. Später beim Rundgang durch die Altersheimräume zeigt der Vierbeiner, warum er zu Recht die Bezeichnung Schweizerischer Therapiehund trägt. Unaufgeregt geht er zu den Bewohnern. Lässt sich streicheln oder nimmt die Aufforderung zu einem kleinen Ballspiel an. «Er ist ein so grosser und ein so lieber Hund», sagt eine ältere Dame im Rollstuhl – und vergisst, den Stoffball loszulassen. Chemmhuk wartet geduldig, nimmt den Ball erst auf, als die Frau sich wieder an den Ball in ihrer Hand erinnert und ihn wirft.

«Schau, dort ist Herr Müller.» Der ältere Mann im Rollstuhl ist sichtlich erfreut über die warme Hundeschnauze, die ihn anstubst. In seinem Zimmer hat er für den Vierbeiner noch ein feines Leckerli parat. Trotz einseitiger Lähmung lässt es sich der Mann nicht nehmen, das Leckerli vom Tisch zu nehmen und es Chemmhuk hinzuhalten. Dieser nimmt es behutsam.

«Wir hatten früher immer Hunde. Deshalb habe ich keine Angst vor ihnen», so eine Alterszentrumbewohnerin. «Wir nicht. Ich kann Mimis Hund aber trotzdem streicheln. Er macht mir nichts», so ihre Tischnachbarin. Die beiden schauen den Rüden an und kommen ins Erzählen. «Chemmhuk fördert Bewegung und Kommunikation», so eine stolze Miriam Baumgartner. Sie weiss und sie sieht, wie ihr schwarzer Freund Abwechslung in den Heimalltag bringt, er aufmuntert, er Seelentröster ist und er durch seine sanfte Art Energie mitbringt. Das zeigt sich auch im Zimmer von Peter Bärchthold. Hier wird Chemmhuk schon sehnlichst erwartet. «Ist so schön, dass es ihn gibt. Ich freue mich immer sehr, wenn er zu mir kommt. Er tut mir gut.»

Miriam Baumgartner hat Chemmhuk schon, seit er ein Welpe war. Dass sie mit dieser herausfordernden Rasse – Beauceron sind unermüdliche Kraftpakete, die gefordert werden wollen – viel Zeit investieren muss, das wusste sie. «Ich habe von Anfang an mit ihm gearbeitet, ihn mit zur Arbeit genommen.» Als Chemmhuk zwei Jahre alt war, hat sie mit ihm beim Verein Therapiehund Schweiz (VTHS) die Ausbildung absolviert. Chemmhuk ist nebst seiner sensiblen Aufgabe als Therapiehund ebenfalls zum Schutz für Menschen und Objekte im Einsatz. Miriam Baumgartner ist auch für einen Sicherheitsdienst tätig. «Je nach dem, was ich anziehe und welches Halsband er umbekommt, weiss er, welche Aufgabe wir als Nächstes gemeinsam wahrnehmen.»

«Konsequenz, Struktur, Ruhe, gute Auslastung und Wertschätzung», nennt die Kaisterin das Erfolgsrezept für ihren so gut erzogenen Vierbeiner. Und dieses Rezept wendet sie täglich an und bietet es seit einiger Zeit auch in der eigenen Hundeschule an. «Eine gute Hundeausbildung darf nicht einfach nebenher geschehen. Es muss immer sehr bewusst passieren.» Und was ist mit Kuscheln zwischen dem Beauceron und seinem Frauchen? «Das hat jeden Tag Platz. Dann, wenn wir nicht arbeiten und daheim sind.»

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