Augen auf bei der Tschättermusik, denn jetzt gibt es einen neuen Vortänzer. Der tanzende Narro Charly Oberle hat den Stock nach 27 Jahren in jüngere Hände weitergegeben. Trotzdem denkt Oberle nicht daran, künftig auf die Tschättermusik zu verzichten. «Jetzt wartet wieder die Pauke oder das Eisen auf mich, denn ich habe den Eid abgelegt, das Brauchtum zu hegen und pflegen bis an mein selig Ende.»

Charly Oberle ist ein Narr durch und durch. Bereits sein Vater und Grossvater waren Mitglieder in der historischen Narro-Altfischerzunft von Laufenburg und er führt diese Tradition jetzt weiter. Viele Jahre war er Vorsitzender der Narronen der minderen Stadt. Doch damit noch nicht genug: «Als ich vom Zunftrat gefragt wurde, ob ich die Figur vom tanzenden Narro übernehmen würde, war dies eine besondere Ehre für mich», erinnert er sich.

Der tanzende Narro ist der Mann, der auf badischer Seite in der Altstadt der grossen Tschättermusik vorausgeht und mit seinen Tanzschritten den Takt angibt. Oberle nahm das Amt gerne an, auch wenn wenn es für ihn bedeutet, bei der Tschättermusik seine geliebte Pauke zu Hause zu lassen. «Es war ein toller Moment, als ich zum ersten Mal vor der Tschättermusik tanzen durfte», denkt Oberle gerne daran zurück.

So kannte man Charly Oberle in den letzten 27 Jahren.

So kannte man Charly Oberle in den letzten 27 Jahren.

Not macht erfinderisch

Ein Problem beim Tanzen war das eingeschränkte Gesichtsfeld unter der Maske. Das und das Kopfsteinpflaster, waren die Herausforderungen für ihn. Vor jedem Auftritt galt sein erster Blick morgens aus dem Fenster. Denn bei trockenem Wetter freute er sich besonders darüber, dass er zum Tschättern das «Gwändli» und die Larve seines Grossvaters Karl Albert Zürny tragen konnte, das damals noch von seinem Urgrossvater geschneidert worden ist. «Ja, das Wetter war manchmal nicht unbedingt der Freund des tanzenden Narros», musste er immer wieder feststellen. Regen, leicht überfrorene Pflastersteine oder Schneefall machten Charly Oberle erfinderisch.

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Einmal hat er sich drei Nägel bis auf einen halben Zentimeter in den Stock geschlagen. «Das waren dann meine Spikes und meine Unterstützung, sehr zum Leidwesen der anderen Zunftbrüder» lacht er. Denn die warteten darauf, ob er sich nicht irgendwann einmal auf seinen Allerwertesten setzte.

Nur zweimal in den vielen Jahren, musste Oberle auf seinen Auftritt verzichten. Einmal war er krank und im Jahr 2003 war es der Wunsch seiner Mutter, dass der Platz vom «Tanzenden» am erstem Faissen leer blieb, weil erst kurz davor der Vater von Charly Oberle verstorben war.

«Jetzt, nach 27 Jahren ist es Zeit zum Loslassen und den Bengel vertrauensvoll an meinen Nachfolger zu übergeben», blickt er doch ein wenig traurig zurück. Und hat dabei eine Bitte: «Diese Einzelfigur soll weiterleben, denn ein tanzender Narro zu sein, ist eine Ehre».

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