Zeiningen
Der süsse Hanf-Duft weht bis ins Dorf – die Anwohner beschweren sich

Weil die Blütezeit ansteht, duften die Pflanzen von der Hanfplantage stärker. Das sorgt im Dorf für Ärger.

Nadine Böni
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CBD-Hanfproduktion in Zeiningen

CBD-Hanfproduktion in Zeiningen

Keystone

Manch ein Zeininger dürfte in den letzen Tagen mal in die Luft geschnüffelt haben. Da lag, gut wahrnehmbar, ein süsslicher Geruch über dem Dorf. Dieser stammt von der Hanfplantage der Pure Production AG. Zehntausende Hanfpflanzen wachsen in der Anlage des Unternehmens auf dem ehemaligen Gärtnerei-Areal ausgangs Dorf in Richtung Möhlin. Sie weisen einen so tiefen THC-Gehalt auf, dass sie nicht unter das Betäubungsmittelgesetz fallen und somit legal sind.

Anwohner beschweren sich

An der Anlage aber scheinen nicht alle Freude zu haben: Bei der Gemeinde seien einzelne Reklamationen wegen des Geruchs eingegangen, bestätigt Gemeindeschreiberin Sheena Heinz. Die Reklamationen kamen aus den Quartieren, die am nächsten bei der Plantage liegen. Dort ist der Geruch am stärksten. «Uns ist bekannt, dass, wenn man am Erlebnishof vorbeifährt, oft ein starker Hanfgeruch wahrgenommen wird», so Heinz. Sie betont aber gleichzeitig: «Reklamationen von Benützern des nahen Blockhauses haben wir noch nie erhalten.»

Der verstärkte Geruch ist auch darauf zurückzuführen, dass die Hanfpflanzen in diesen Wochen ein entscheidendes Stadium erreichen: die Blütezeit. «Das heisst, dass die Trichome – also die Harzdrüsen der Pflanzen – voll ausgebildet sind. Entsprechend ist der Geruch derzeit intensiver», sagt Stevens Senn, Geschäftsführer bei der Pure Production AG. Die Gemeinde nehme die Beschwerden entgegen und versuche zwischen der Pure Production AG und den Beschwerdeführern zu vermitteln, sagt Heinz. «Da bisher nur einzelne Reklamationen eingegangen sind, wurde noch nichts unternommen. Sollte sich jedoch zeigen, dass die Geruchsimmissionen übermässig sind, müsste abgeklärt werden, ob und welche Massnahmen getroffen werden können.»

Stevens Senn hat vom leichten Unmut in Teilen der Bevölkerung gehört, sagt aber: «Direkt auf uns zugekommen ist niemand.» Vor einigen Wochen habe ihn allerdings Gemeindepräsidentin Sabin Nussbaum darauf aufmerksam gemacht, so Senn. Das Unternehmen gab der Gemeinde daraufhin ein Statement ab und zeigte auf, weshalb der Geruch derzeit intensiver ist. «Seither haben wir nichts mehr gehört», sagt Senn.

Viel machen könne das Unternehmen gegen den Geruch nicht. Die Indoor-Anlage ist mit Luftfiltern ausgerüstet. So lassen sich hier Geruchsimmissionen komplett verhindern. Bei der Outdoor-Anlage mit ebenfalls Tausenden Hanfpflanzen sei dies jedoch nicht möglich, so Senn.

Der Geschäftsführer betont allerdings, dass der verstärkte Geruch nur über einen beschränkten Zeitraum auftrete. «Sobald die Ernte vorbei ist, ist auch der Geruch wieder weg.» Das dürfte bald sein. Der genaue Zeitpunkt der Ernte ist zwar noch nicht definitiv festgelegt. «Das hängt vom Wetter in den kommenden Tagen und Wochen ab», sagt Senn. «Der Plan sieht derzeit aber einen Erntebeginn irgendwann Mitte Oktober vor.» Die Pflanzen werden dann zu Tabak-Ersatz oder zu Hanfprodukten wie Würsten, Bier oder Kosmetika verarbeitet. Ein Grossteil der Ernte geht an Pharmaunternehmen.

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