Fricktal
«Der Ständeratsentscheid ist ein Affront gegen die Frauen»

Die Zurückweisung der Vorlage zur Lohngleichheit stösst einigen Grossräten sauer auf. Sie sehen die Lohngleichheit als Verfassungsauftrag.

Dennis Kalt
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"Die Unternehmen hätten genügend Zeit, die Löhne auf freiwilliger Basis anzugleichen." SP-Grossrätin Elisabet Burgener ist verärgert.

"Die Unternehmen hätten genügend Zeit, die Löhne auf freiwilliger Basis anzugleichen." SP-Grossrätin Elisabet Burgener ist verärgert.

zvg

Laut Lohnstrukturanalyse des Bundes verdienen Frauen knapp ein Fünftel weniger als Männer – davon sind sieben bis acht Prozent nicht durch objektive Faktoren wie Teilzeitarbeit oder Ausbildung erklärbar. Um diese Lohndiskriminierung zu bekämpfen, hat der Bundesrat eine Vorlage auf den Weg gebracht. Diese sieht vor, dass Unternehmen mit 100 Mitarbeitern und mehr alle vier Jahre eine Lohngleichheitsanalyse durchführen und die Ergebnisse den Mitarbeitern mitteilen. Der Ständerat wies diese Vorlage jedoch mit 25 zu 19 Stimmen an die vorberatende Kommission zurück.

GLP-Grossrat Roland Agustoni findet für die Entscheidung des Ständerates klare Worte. Er bezeichnet sie als «Frechheit» und «Affront gegen die Frauen». Sauer stösst ihm auf, dass die Lohngleichheit seit 1981 durch die Gleichberechtigung von Mann und Frau in der schweizerischen Verfassung verankert ist, bis heute jedoch noch nicht umgesetzt wurde. Dies läge in erster Linie «an männlichen Politikern mit veralteten Vorstellungen». Agustoni geht davon aus, dass die Lohnungleichheit Konsequenzen für andere Politikbereiche haben wird. «Die Frauen werden sich gegen die Erhöhung des Rentenalters wehren.»

SP-Grossrätin Elisabeth Burgener spricht von einem «überraschenden Entscheid» und sieht in diesem eine «Niederlage für die Frau». Sie argumentiert, dass die Unternehmen 37 Jahre lang Zeit gehabt hätten, die Lohnschere auf freiwilliger Basis zu schliessen. Für Burgener liegt deshalb auf der Hand, dass es Zeit für ein Korrektiv ist, durch das die Löhne endlich angeglichen werden.

SVP-Grossrätin Désirée Stutz vertritt zwar auch das Prinzip der Lohngleichheit, kann die Entscheidung des Ständerates jedoch nachvollziehen. So gebe es auch andere Faktoren als das Geschlecht, die zu einem Unterschied im Lohn führen, jedoch nicht von einer Lohanalyse erfasst würden. «Wenn ein Unternehmen die Löhne dann mitteilen muss, kann dies zu Unverständnis bis hin zum Zwist unter den Mitarbeitern führen», sagt Stutz.

Gleiche Leistung, gleicher Lohn

CVP-Grossrat Alfons Paul Kaufmann sieht in der Vorlage zwar einen Mehraufwand für die Unternehmen, klar ist für ihn jedoch auch, dass «gleiche Leistung unabhängig vom Geschlecht vergütet werden soll». Nach diesem Ansatz verfährt der Inhaber eines Maler- und Gipsergeschäfts in Wallbach in seinem eigenen Unternehmen. «Am 1. April gibt es eine Lohnerhöhung. Diese ist für alle Angestellten gleich – unabhängig, ob Mann oder Frau.»

Dies sieht Raymond Keller, Präsident des Gewerbeverbandes Rheinfelden und Geschäftsführer der Ruther AG in Rheinfelden, ähnlich: «Es zählt, was ein Mensch leistet. Hierfür sollte er auch bezahlt werden. So habe es in dem Elektro- und Telekommunikationsbetrieb auch schon weibliche Elektroinstallateure gegeben, die in der gleichen Position mehr als ihre männlichen Kollegen verdient hätten. Franziska Bircher, Präsidentin des Vereins Gewerbe Region Frick-Laufenburg und Geschäftsführerin der Schreinerei Brogle in Wittnau, sagt: «Löhne richten sich bei uns am Gesamtarbeitsvertrag aus. Ein Unterschied zwischen Männern und Frauen hinsichtlich des Lohns aufgrund des Geschlechtes gibt es nicht und wäre auch falsch.»