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Der Schweizumrunder hat wieder Aargauer Boden unter den Füssen

2'000 Kilometer in zwei Monaten: Fricktaler Jogger umrundete die Schweiz

2'000 Kilometer in zwei Monaten: Der Fricktaler Jogger Roland Gröflin umrundete die Schweiz

Vor zwei Monaten brach Roland Gröflin von Rheinfelden aus zu seinem 2000-Kilometer-Lauf rund um die Schweiz auf. Am Mittwoch kehrt er zurück. Mit vielen Eindrücken im Gepäck. Und zwei Millionen Schritten.

Es ist sein grosser Tag. Am Mittwoch trifft Roland Gröflin gegen 18 Uhr in Rheinfelden ein. Damit geht ein Projekt zu Ende, das er vor zwei Monaten ebenda, in Rheinfelden, in Angriff genommen hatte und das ihn zu Fuss der Grenze entlang rund um die Schweiz führte.

2000 Kilometer liegen damit hinter ihm, 2000 Kilometer, in denen er Schritt um Schritt gemacht hat, in denen er eindrücklich gezeigt hat, wie viel kleine Schritte bewirken können.

Schweizumrunder: Roland Gröflin läuft in Rheinfelden ins Ziel

Roland Gröflin läuft in Rheinfelden ins Ziel.

 

Es sei ein Heimkommen, sagt Gröflin am Montagabend, an dem Tag, an dem er erstmals seit zwei Monaten wieder Aargauer Boden unter den Füssen hat. Die zweitletzte Nacht auf der Tour verbrachten er und sein Team in Bad Zurzach – im Acht-Meter-Camper auf dem Campingplatz.

Anders als bei manchen Ankünften in den Bergen, wo der Camper für die kleinen Gebirgsstrassen schlicht zu lang war und die Schweizumrunder deshalb, nolens volens, auf ein Hotel ausweichen mussten, gab es bei den beiden Aargauer Schlussetappen – der letzte Etappenort vor dem Finale war am Dienstag Laufenburg – kein Grössenproblem.

1,5 Kilogamm Müesli zum Frühstück

Probleme hatte der 56-jährige ohnehin wenige auf seiner Tour. Gut, ganz am Anfang der Tour rutschte er aus und stürzte. Ein Warnschuss, den Gröflin ernst nahm. Danach lief es rund. Daran gezweifelt, dass das Unterfangen gelingen könne, gelingen werde, habe er nie, erzählt er. «Respekt hatte ich aber schon und war offen dafür, was passiert, was abgeht, wo die Grenzen liegen, wie sich der Körper verändert.» Etwas Gewicht hat er zwar verloren – trotz 1,5 Kilogramm Müesli zum Frühstück, was auf der Redaktion zuerst für ungläubiges Staunen sorgte, und trotz eines reichhaltigen Abendessens, das ihm seine Frau Patrizia oder sein Betreuer Mosh Manga auf den Tisch zauberten.

Aber an die Grenzen gestossen sei er nie. Gröflin hat sein Ding, seinen Lebenstraum, durchgezogen, bei einem Puls von durchschnittlich 115. Er lacht. «Vom Körper her könnte ich gut noch einen Monat weiterlaufen.»

Schweizumrundung nur dank «eines tollen Teams» möglich

Was er über seinen Körper gelernt habe, will der Journalist wissen. Gröflin überlegt kurz, während im Hintergrund irgendetwas im Camper klimpert, sagt dann: «Dass der Mensch derart robust gebaut ist.» Mitnehmen von seinem zweimonatigen Abenteuer wird der Bauverwalter von Stein «immens viele Eindrücke». Von der Natur, den 61 Etappen, dem Camping-Feeling, den tierischen Begegnungen, den spannenden Gesprächen unterwegs und an den Etappenorten. Mitnehmen wird er auch das Wissen, dass ein solches Unterfangen nur dank eines «tollen Teams, des besten, das ich mir vorstellen konnte» möglich war und eben: Dass nichts unmöglich ist, wenn man will.

Er nennt es «die Macht der kleinen Schritte». Wenn man dranbleibe, wenn man Schritt vor Schritt setze, «dann gibt es letztendlich auch eine grosse Zahl». Bei ihm waren es in den letzten zwei Monaten rund zwei Millionen Schritte, die zusammen eine Tour rund um die ganze Schweiz ergaben.

Ein lachendes und ein weinendes Auge

Die letzten Schritte auf der Tour macht er heute, «mit Rückenwind», wie er schmunzelnd anmerkt. Es geht von Laufenburg nach Rheinfelden mit Zwischenhalt an seinem Arbeitsort Stein. «Es sind bei mir und dem Team viele Emotionen da», sagt er, wissend, dass ihn ebendiese Emotionen am Mittwoch übermannen dürften, wenn er die letzten Meter macht und beim Salmenpark von Familie, Freunden und tout Rheinfelden empfangen wird.

Er wird diese letzten Meter mit einem lachenden und einem weinenden Auge gehen. Lachend, weil er seine Familie endlich wieder in den Arm schliessen kann und vieles wieder möglich ist, was in den letzten Wochen unmöglich war. Weinend, weil damit ein grosses Projekt, auf das er sich Jahre vorbereitet hat, zu Ende geht. Nehmen kann ihm diese Erfahrung niemand. «Der Rucksack», wie er es nennt, «ist prall gefüllt.»

Im alten und doch neuen Leben angekommen

Ordentlich gefüllt hat sich im Laufe der zwei Monate auch der Geldbeutel. Gröflin verband seinen Lauf mit einer Spendenaktion für die Laureus Stiftung, die Kinder und Jugendliche durch Sport im Leben weiterbringen will. Bis am Dienstagabend kamen 22'950 Franken zusammen.

Angst davor, nach der extremen Leistung in ein Loch zu fallen, hat Gröflin nicht. «Ich habe noch viel vor und freue mich nun zuerst einmal darauf, heimzukommen.» Anzukommen. Im alten Leben, das doch gleichzeitig ganz neu ist.

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Autor

Thomas Wehrli

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