Es waren vor allem junge Burschen und Väter mit ihren Kindern, die sich am späteren Vormittag des Pfingssonntags an drei verschiedenen Orten besammelten. So zogen die Mittelsulzer vom Schützenhaus hinauf in Richtung Cheisacher. Aus je rund fünf bis zehn, gut einen Meter langen Buchenästen wurden «Büscheli» gebunden. Nach einem stärkenden Trunk und einer gebratenen Wurst ging es dann ans Einpacken desjenigen Burschen, der für dieses Jahr zum Tragen des Buchenlaubs auserkoren war. Dieser erhielt ein «Gstältli» des Militärs umgehängt, das festgezurrt wurde. Dann wurden mit starken Schnüren die vorbereiteten Buchenbüschel zunächst um den Bauch und die Beine, dann um Brust und Arme gebunden. Auf dem Rücken wurde dem Burschen zudem ein dicker Stecken befestigt, der den Kopf um rund einen halben Meter überragte. Daran wurde dann abschliessend die wiederum aus Buchenlaub geformte Kopfbedeckung angebracht. Ganz zuoberst gab es dann noch einen Blumenstrauss, der von den Mädchen mit Hilfe von drei Müttern ebenfalls hier im Walde vorbereitet worden war. Zuletzt wurde dann dem jetzt fertigen Pfingstsprützlig noch ein Schweizerfähnchen aufgesetzt.

Auf Brunnentour im Dorf

Dass das Ganze für den Burschen unter dem Eichenlaub, insbesondere auch bei diesen hochsommerlichen Temperaturen, kein Honiglecken ist, zeigte der Bursche der Mittelsulzer, dem nach dem Einkleiden schwindlig wurde und der kurzfristig durch einen Kollegen ersetzt werden musste. Der Pfingsprützlig kann nämlich wegen seines Kleides nichts sehen und nur sehr schwerfällig gehen. Deshalb muss er von zwei Kollegen geführt werden.

Es wäre ihm denn auch nicht zuzumuten, zu Fuss ins Dorf zurückzukehren, weshalb er auf einen Wagen verladen und dort zum ersten Brunnen geführt wird, um hier seiner Aufgabe zu walten, nämlich das Brunnenwasser mit einem mächtigen Stecken aufzuwühlen.

Je mehr es spritzte und je grösser die Wasserfontainen waren, umso grösser der Applaus des Publikums. Dieses Szenario wiederholte sich, bis sämtliche Sulzer Dorfbrunnen den Besuch des Pfingstsprützligs erhalten hatten.

Auf dem Turnhalleplatz war unterdessen eine Festwirtschaft eingerichtet worden. Nachdem sie das Werk in ihren Dorfteilen verrichtet hatten, marschierten der Bützer, der Mittelsulzer und der Obersulzer Pfingsprützlig, letzterer noch mit einem «Nachwuchssprützlig», auf dem Turnhalleplatz ein. An dem hier aufgestellten Brunnen erhielten die seltsamen Figuren nochmals Gelegenheit, ihr Können vor dem grossen Publikum zu zeigen. Dann wurden sie sorgsam zu Boden gelegt und ihre Kollegen befreiten die Burschen von ihrer Last. Jeffrey Rüede, Obersulz, Alexander Stutz, Mittelsulz, und Valentin Schraner, Bütz, waren froh, von ihrem schweren Buchenkleid befreit zu sein.

Der Pfingstsprützlig, den es übrigens in dieser Form auch in Gansingen gibt, wird in Sulz seit Jahren von einer losen Gruppe junger Burschen und Mädchen vortrefflich organisiert. So meinte einer der jungen Väter beim Einkleiden: «Dies ist das schönste Sulzerfest. Hier kommen die Leute wieder einmal aus ihren Häusern, aber auch viele Heimwehsulzer finden an diesem Tag regelmässig den Weg in unser Dorf.»