Die «Chaîne-Tafel», die in der qualitätsorientierten Gastronomie äusserst begehrte Auszeichnung, wurde Jörg Lenzin am Samstagabend von der grössten weltweit tätigen Vereinigung von Kennern der gehobenen Tafelkultur, der Confrererie de la Chaîne des Rôtisseurs, im Rahmen eines exklusiven «Diner de Bienvenue» durch Sylvia Hartmann, Widen, Bailli Régional d’Argovie übergeben.

Vorgängig hatte Jörg Lenzin ein strenges, von verschiedenen Testessen begleitetes Auswahlverfahren durchzustehen, während dem der Betrieb auf Herz und Nieren getestet wurde. Dies wird nach genau festgelegten Reglementen der Zentrale in Paris vollzogen, von dort kam denn auch das o. k. für den Ochsen in Wölflinswil.

«in bessere oder weniger gute»

Sylvia Hartmann unterstrich in ihrer Begrüssung, die Chaîne des Rôtisseurs teile die Betriebe nicht «in bessere oder weniger gute» ein, sondern verspreche dem Gourmet schlicht und einfach, dass in diesen die Qualität, die Leistung, der Service und der Preis stimme: «Die Chaîne-Tafel ist eine wertvolle Auszeichnung, die dokumentiert, dass sie nur besten Häusern vorbehalten ist und dass die Gourmets, wie nun eben neu auch im «Ochsen» Wölflinswil, an der richtigen Adresse sind.»

Jörg Lenzin und seine Gattin Judith zeigten sich sehr geehrt über die Auszeichnung. Mit einem ideenreich wie qualitativ hochstehenden Menu lieferten sie auch gleich die eindrückliche Bestätigung, dass dem «Ochsen» die Auszeichnung zu Recht zugesprochen wurde. Mit dem Duo der Fricktaler Forelle, dem Dreierlei der Fricktaler Wachtel, dem von Kartoffeln umrahmten Kalbsfilet wie auch der Bärlauchsuppe mit gebratener Riesenkrevette und den Rhabarber-Dessertvariationen folgten sich die kulinarischen Ochsen-Highlights Schlag auf Schlag. Die illustre Tafelrunde zeigte sich denn auch hell begeistert.

Essen ist auch Kultur

Anno 1249 gründete König Louis IX, auch Saint Louis genannt, die Gilde der Rôtisseurs, die allerdings nur den Gänsebratern vorbehalten war. 1610 folgte die königliche Anerkennung, 1789 wurde sie im Zuge der Französischen Revolution verboten und erst 1950 als «Chaîne des Rôtisseurs» wieder ins Leben gerufen. Die ersten Dokumente, die den «Ochsen» Wölflinswil beinhalten, stammen aus dem Jahre 1288, der Landgasthof ist also älter als die Eidgenossenschaft. Fridolin und Anita Lenzin-Tschudi erwarben das unter Ortsbildschutz stehende und damals baufällige Gasthaus 1970, deren reiches Lebenswerk wird seit 2005 von ihrem innovativen Sohn Jörg und seiner vorwiegend an der Front wirkenden Gattin Judith weiter geführt.

Für das ideenreiche Ehepaar, das sich wohl der gehobenen Gastronomie verschrieben hat, ist aber auch klar: «Wir stellen in der Gaststube traditionelle Gerichte mit einheimischen Produkten aus dem Dreiklang-Gebiet in den Vordergrund, aber wir lieben das so genannt Einfache natürlich genau so wie das Komplizierte und verwöhnen unsere Gäste beispielsweise im Mascotte denn auch mit überraschenden, von Leidenschaft und Genuss geprägten Köstlichkeiten. Essen ist ja nicht nur existenziell, Essen ist auch Kultur, und von daher ist uns die Förderung und Pflege der echt gehobenen Küchen- und Tafelkultur ein echtes Anliegen.»