Die «Chaiseraugschter Fotzelschitte» spielt die sechste Saison mit einem neuen Obmann. Benjamin Bürgi weiss genau, wohin er den Fasnachtsverein führen wird. Nachdem im Herbst bekannt gegeben wurde, dass drei der Gründer die Gruppe verlassen, fasste sich der 28-jährige Kaiseraugster ein Herz und meldete sich für die freie Stelle. Den Verein kennt er schon seit dessen Anfängen im Jahr 2011.

Seine ersten Einsätze hatte er als Kulissenschieber und Bühnenmitarbeiter. Nach zwei Jahren im Einsatz engagierte er sich erstmals auf der Bühne. «Ich bin da so reingerutscht», sagt Bürgi. Und nun übernimmt er das Amt von Ernst Frey.

Es sei schwierig gewesen, jemanden für den Posten zu finden. Er selbst hat auch gezögert. «Ich wusste aber, dies ist ein eingespieltes Team, auf das ich mich verlassen kann», sagt er. Somit fiel ihm diese Entscheidung leicht.

Zukunft am Puls der Region

Benjamin Bürgis Ziel ist es, die Fotzelschnitte überregional bekannt zu machen, ohne dabei viel an Regionalität zu verlieren. Denn davon lebe die Fasnacht. «Sie ist etwas, das von den Menschen geformt wird, die sie umgeben.»

Die Perspektive trotzdem etwas zu öffnen und vermehrt Schnitzelbänkler und Fasnachtskabarettisten aus Rheinfelden und Pratteln einzuladen, hat mehrere Gründe: Zum einen könne dadurch ein breiteres Publikum angesprochen werden. Zum anderen gäbe das Dorfleben in Kaiseraugst «nur noch wenig her, um ein unterhaltsames Programm zu gestalten».

Das Problem sieht Bürgi bei der Gesellschaft, die immer weniger Ecken und Kanten habe. Genug bewegende Themen gibt es aber immer noch, man müsse heutzutage einfach besser hinschauen, um sie zu erkennen.

Dabei hilft Bürgi sicher auch seine Vernetzung in seiner Berufswelt und seinen vielen Hobbys. Gelernt hat Benjamin Bürgi Landmaschinenmechaniker. Sein Flair für Maschinen lebt er neben seinem Beruf auch in der Feuerwehr aus, wo er im Grad eines Leutnants die Rolle des stellvertretenden Maschinistenchefs innehat.

Aber nicht nur die Maschinen haben es ihm angetan. «Ich liebe es, zu organisieren und zu planen.» Neben der Feuerwehr und der Fasnacht engagiert er sich auch noch für die FDP. Vergangenes Jahr kandidierte er gar für den Grossen Rat.

Dass er selber Politik macht, ist für ihn kein Hinderungsgrund, einem Fasnachtsverein beizutreten, der Politiker auf die Schippe nimmt. «Besonders an der Fasnacht ist es wichtig, auch über sich selber lachen zu können.» Sein Vorgänger Frey war ebenfalls politisch aktiv. Diese Tatsache stärkt Bürgis Einstellung.

Alle seine Hobbys unter einen Hut zu bringen, sei nicht einfach. Sein Organisationstalent unterstützt ihn dabei sicher. Manchmal muss der Kaiseraugster aber Abstriche machen. «Während der Fasnacht, das wissen meine Freunde, habe ich nur noch einen Kopf für die Fotzelschnitte.»

Sich für die Fasnacht zu begeistern, fällt ihm leicht. Er ist ein Fan vom Zusammenhalt — dem des Vereins und dem der gemeinsam feiernden Dorfbewohner. Er erachtet es als wichtig, diese Gemeinschaftlichkeit zu wahren.

Aber nicht nur das Feiern ist es, was ihn fasziniert. Besonders schön sei das gemeinsame Organisieren, das die Menschen zusammenschweisst.