Magden

Der Milchzahltag war einst ein grosses Ereignis

Letzter Zahltag der Milchgenossenschaft Magden (v.l.): Erwin Stäuble, Adrian Stalder, Martin Bürgi, Andreas Schaub, Ueli Müller und Kurt Schweizer. hcw

Letzter Zahltag der Milchgenossenschaft Magden (v.l.): Erwin Stäuble, Adrian Stalder, Martin Bürgi, Andreas Schaub, Ueli Müller und Kurt Schweizer. hcw

Eine Ära geht zu Ende: 115 Jahre nach der Gründung löst sich die Milchgenossenschaft auf. Aktuell gibt es nur noch vier Magdener Bauern mit Milchviehaltung. Zu wenig für den Fortbestand.

Am Montag war im Gasthaus Dornhof zum letzten Mal Zahltag. Sechs der verbliebenen Genossen erhielten das Milchgeld für Dezember. Eingeladen waren noch einmal aktuelle und ehemalige Mitglieder zu einer letzten Zusammenkunft. Wehmut lag in der Luft und Bedauern über das Unvermeidliche. Aber mangels Masse gab es keine Wahl. Denn zwei der momentan noch sechs Genossen hören im März mit der Milchviehhaltung auf. Und für die vier übrigen lohnt sich der Fortbestand nicht.

Ziel: bessere Marktposition

1898 taten sich 84 Magdener Bauern zum «Milchproduzenten Verband Magden» zusammen. Gemeinsames Ziel war es, sich am Markt eine bessere Position zu erkämpfen und den Verkauf der Milch gemeinsam zu organisieren. «Vor dem Ersten Weltkrieg ging unsere Milch sogar bis nach Badisch-Rheinfelden», erzählt Präsident Martin Bürgi. 1920 erreichte die Genossenschaft mit 90 angeschlossenen Betrieben ihren höchsten Mitgliederstand.

353 Milchkühe standen in den Ställen des Dorfes. «Der Zahltag war früher ein grosses Ereignis», sagt Bürgi. Die Genossenschaft zahlte das Milchgeld bis zum Jahr 1980 in bar aus, und zwar von der Gründung bis 1956 im Gasthaus Sonne, danach in wechselnden Wirtschaften der Gemeinde Magden. Neuer Zahlungsweg war nach 1980 der Bankcheck, gefolgt von der bargeldlosen Ausbezahlung per Überweisung. Bei Gründung 1898 betrug die Höhe 14,5 Rappen. Mitte der 70er-Jahre kletterte der Preis einmal auf 1,07 Franken pro Liter. Heute sind es noch rund 58 Rappen. Bürgi, auf seinem Ebmet Hof stehen 30 Milchkühe, wünschte, es wäre mehr.

Von seinem Bau ab 1956 war das Milchhüsli von Magden die zentrale Annahmestelle im Dorf. Bis 1986 ging das so. Danach brachten die Genossen die Milch zu einer fahrbaren Sammelstelle. Und seit 2002 fährt ein Lastwagen der Miba Milchverband Nordwestschweiz die Höfe an. Inzwischen – im Jahr 1998 – ist das Milchhüsli abgerissen worden.

Mitgliederschwund

Sobald ein Bauer mit der Milchviehhaltung aufhört, muss er gemäss den Statuten der Genossenschaft diese verlassen. So kam es zum Schwund, weil viele auf Nebenerwerb oder Fleischwirtschaft umstellten oder gänzlich aufgaben. Doch auch ohne die Genossenschaft wird es noch Kühe in Magden geben. Für drei der vier verbleibenden Betriebe sind Nachfolger in Sicht, auch für den Hof von Martin Bürgi.

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