Markttradition

Der Martinimarkt trotzt der Pandemie: In Frick kehrt das gesellige Leben für einen Tag zurück

Buntes Treiben in Zeiten der Pandemie: Auf der Fricker Hauptstrasse kehrte für einen Tag das gesellige Leben zurück. Besucher und Fahrer hielten sich am Martinimarkt an die Schutzmassnahmen.

Leuchtend sind die Augen des Kindes mit dem bunten Ballon in der Hand, süss ist der Duft, der vom Donutstand durch die Luft wabert. Drei ältere Herren flachsen bei einer Bratwurst über vergangene Zeiten. Hier und dort wird ein Schwatz geführt. Lachen ertönt.

Das Bild der mit Leben gefüllten Fricker Hauptstrasse wirkt an diesem Montagmittag fast schon ein wenig surreal angesichts einer Pandemie, die das öffentlich-gesellschaftliche Leben bereits seit Monaten ausbremst.

Die Gemeinde Frick, mit deren Kultur die Markttradition untrennbar verwoben ist, hat mit ihren Martinimarkt der Absagewelle getrotzt. André Rudolf, der für sein Knoblauchbrot bekannt ist, windet der Marktkommission für ihren Entscheid ein Kränzchen, denn: «Es geht um nichts weniger als die Existenz der Marktfahrenden.» Von Kommissionen und Gemeinden andernorts wünscht er sich den gleichen Entscheidungsmut. «Wir haben ja alles: Masken, Plexiglas, einen Eingang und Ausgang vor unserem Stand – mehr geht nicht.»

«Die Menschen haben ­Respekt vor der Situation»

Klar für ihn ist jedoch, dass der Martinimarkt in der ganzen Absagewelle einem Tropfen auf dem heissen Stein gleicht. Kommt hinzu, dass die Besucherfrequenz an diesem Montagvormittag – etwa um 11 Uhr – nur rund halb so stark wie für gewöhnlich ist. «Klar die Leute haben Respekt vor der Situation», sagt Rudolf.

Gebeutelt von der Absage­welle ist auch «Showman» Rolf Senger aus Oberhof, der allerhand an Küchenutensilien feilbietet. Eigentlich hätte er bereits rund 130 Märkte in diesem Jahr besucht, mit dem Martinimarkt käme er jedoch erst auf 21. «Unter Corona leidet die Nahbarkeit zwischen Marktfahrern und Besuchern», sagt er. Aufgrund der Masken sei es schwierig, die Stimmung der Besucher zu deuten und mit den Leuten ins Gespräch zu kommen. «Man merkt, dass die Besucher zurückhaltender sind, mehr auf Distanz gehen», sagt er.

Die Absatzkanäle sind weggebrochen

Senger bezeichnet sich als «Demonstrant», jemand der die Zitrone zuerst durch die Luft wirbelt, bevor er sie über die Raffel führt, um zu zeigen, mit wie wenig Druck man ihre Schale raspeln kann. «Meine Verkaufsshows sind schwer möglich, weil mich die Besucher durch die Maske und das Plexiglas kaum verstehen», sagt er. Kommt hinzu, dass er dann alle zwei Minuten die Maske wechseln müsste, weil sie durch seinen Redefluss durchnässt wären.

Für Brigitte Grau, die Alp- und Hobelkäse aus eigener Produktion verkauft, ist es erst der zweite Markt diesen Herbst. Rund vier Tonnen Käse produziert sie im Jahr. «Durch den Ausfall der Märkte sind unsere Absatzkanäle weggebrochen. Jetzt sitzen wir auf den Käse fest», sagt sie. Jedes Mal, wenn sie einen Kunden bedient, desinfiziert sie sich ihre Handschuhe. «Ohne diese würden mir meine Hände austrocknen.»

Abstand und Maskenpflicht wurden eingehalten

Ein Augenschein am Vormittag und Nachmittag zeigte, dass sich die Besucher an die Maskenpflicht gehalten haben. Vor den Ständen kam es zu keinen grösseren Ansammlungen. «Sowohl die Besucher als auch die Marktfahrenden haben grosse Disziplin gezeigt», bilanziert Daniel Suter, Gemeindeammann und Präsident der Marktkommission, den Ablauf. Neben der Marktkommission zeigte auch die Regionalpolizei Oberes Fricktal Präsenz.

Rund 150 Marktfahrer haben ihre Waren feilgeboten. «Einige haben kurzfristig abgesagt», so Suter. Mit der Besucherfrequenz zeigt er sich zufrieden. «Klar, dass sie nicht an einen gewöhnlichen Novembermarkt heranreicht; es war aber auch nicht unsere Absicht, dass die Strasse vollgestopft ist.» Insgesamt habe man von den Marktfahrenden und Besuchern viele positive Rückmeldungen erhalten.

Autor

Dennis Kalt

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