Möhlin
Der Mann im Turm: Wie Paul «Bebe» Fischler seit 20 Jahren im ehemaligen Trafohäuschen lebt

Paul Fischler rettete einst das Trafohäuschen in Möhlin vor dem Abriss. Nun wohnt er selbst darin. Er ist überzeugt: Niemand braucht ein Wohnzimmer mit 60 Quadratmetern, um glücklich zu sein.» Beim Einrichten der Räume beweist er seine Kreativität.

Nadine Böni
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«Ich lebe in meinem Paradies», sagt Paul «Bebe» Fischler. Er wohnt in der alten Trafostation in Möhlin.

«Ich lebe in meinem Paradies», sagt Paul «Bebe» Fischler. Er wohnt in der alten Trafostation in Möhlin.

Nadine Böni

44 Treppenstufen führen vom Wohnzimmer ins Esszimmer mit Küche, von da ins Schlafzimmer und schliesslich ins Kreativzimmer. Paul Fischler wohnt in einem Turm – dem ehemaligen Trafohäuschen von Möhlin. 79 Quadratmeter misst die Parzelle mit dem Gebäude am Möhlinbach. «Andere würden darauf nicht einmal eine Garage bauen», sagt Fischler mit einem Lachen. Für ihn und seine Lebenspartnerin ist es genug zum Leben.

Die Geschichte mit ihm und dem Turm beginnt schon in Fischlers Kindheit. «Bebe», wie ihn im Dorf die meisten nennen, ist ganz in der Nähe des 1931 erstellten Gebäudes aufgewachsen. «Als Kinder spielten wir hier oft Verstecken», erzählt er. Später traf er sich beim Türmchen mit dem ersten Schulschatz. «Es war ein lauschiges Plätzchen», so Fischler. Das Türmchen hat für ihn einen emotionalen Wert, und als es – längst ausser Betrieb – 1994 abgerissen werden soll, da wehrt sich Fischler. Er kauft den Turm von der AEW Energie AG.

Einige Hürden zu überwinden

«Daran, dass ich hier einst wohnen würde, habe ich damals noch nicht gedacht», sagt Paul Fischler. Er hatte eigentlich vor, im Turm eine Galerie mit Garten einzurichten. Erst mit der Zeit reifte die Idee, hier zu wohnen. Bis es aber so weit war, musste Fischler einige Hürden überwinden – bürokratische, baurechtliche und finanzielle. 1997 schliesslich war der Bau fertig und Fischler zog ein, in sein «Märchenschloss», wie er das Trafohäuschen heute nennt.

Seither kriegt Paul Fischler immer wieder Anfragen von Architekten und Baufachleuten, die sich sein Werk anschauen möchten. Mehrmals berichteten Fachzeitschriften und Wohnmagazine darüber. «Wohnen auf engem Raum und verdichtetes Bauen – das Thema ist wohl aktueller denn je», sagt Fischler. Gerade in Möhlin, wo immer wieder grössere und kleinere Überbauungen entstehen.

Über knapp 90 Quadratmeter Wohnfläche verfügt Fischler im Trafohäuschen, verteilt auf vier Stockwerke. «Die Zimmer sind nicht riesig», sagt er. Aber er hat eine Botschaft an jene, die zweifeln: «Niemand braucht ein Wohnzimmer mit 60 Quadratmetern, um glücklich zu sein. Es ist alles eine Frage der Organisation.»

Wintergarten in der Baumkrone

Etwas Pragmatismus sei gefragt, klar, aber vor allem: Ideen. Die Toilette im Badezimmer etwa ist leicht schräg eingebaut, damit daneben noch genug Platz vor dem Lavabo bleibt. Das Wohnzimmer im Keller erhält über Schächte Tageslicht. Und als sich seine Lebenspartnerin eine Spülmaschine in der Küche wünschte, musste ein neuer Platz für das Besteck gefunden werden. Er entwarf also einen ausziehbaren Schrank, der unter der Theke Platz hat. Die Ideen gehen «Bebe» Fischler nicht aus. Derzeit arbeitet er an einem System, wie er mithilfe von Magneten Schubladen unter den Treppenstufen installieren könnte.

Sein Märchenschloss ist sein Lebenswerk und sein Paradies. Fischler schwärmt vom Wintergarten in den Baumkronen und von der Lage direkt am Möhlinbach. Er fliesst so nah am Türmchen vorbei, dass einige Blumentöpfe über dem Wasser hängen. «Heute wäre so etwas baurechtlich unmöglich», sagt er. 20 Jahre lebt Fischler jetzt schon im Trafohäuschen. «Und es hat noch keinen einzigen Tag gegeben, an dem ich mir gewünscht hätte, ich würde woanders wohnen.»

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