Es ist mehr Freude als Wehmut zu spüren, wenn Ruth Müller über ihren Dorfladen im Mettauertaler Ortsteil Mettau spricht. Fast auf den Tag genau 40 Jahre lang führten sie und ihr Mann Thomas den Laden, den sie damals in vierter Generation von seiner Familie übernommen hatten. Ende Jahr nun ist Schluss. Der Dorfladen geht wohl für immer zu.

Diese Woche hat Ruth Müller zum ersten Mal eine Nachbestellung von Produkten ausgelassen, weil sie weiss: Der Vorrat reicht wohl bis Ende Jahr. Wehmut sei auch da nicht gross aufgekommen. «Im Moment freue ich mich vor allem auf die Zeit danach», sagt sie mit einem Lächeln. Darauf, Zeit zu haben. Für spontane Ausflüge mit den fünf Enkelkindern, für Treffen mit Bekannten, für sich.

Die Einkünfte reichten nicht, um davon leben zu können

Das ist etwas, das in den letzten Jahrzehnten manchmal zu kurz kam. 40 Jahre lang stand der Laden im Mittelpunkt der Familie. Thomas führte die Poststelle, Ruth kümmerte sich um den Laden. Die Filialen lagen Tür an Tür. Sie stimmten sogar die Öffnungszeiten aufeinander ab.

So konnten die Kunden ihre Erledigungen auf der Post und im Laden miteinander verbinden. Das habe funktioniert, einige Zeit lang sei das Lädeli gut gelaufen. Aber Müller macht keinen Hehl daraus: Reich wurde die Familie damit nicht.

Selbst in den besten Zeiten hätten die Einkünfte aus dem Laden nicht gereicht, um davon zu leben. Und: In den letzten Jahren ist der Umsatz stetig gesunken. Neben dem Alter – Ruth Müller wird in einigen Wochen 62, ihr Mann feierte im Frühjahr den 70. Geburtstag – ist der schwierige Geschäftsgang einer der Gründe, weshalb Müllers den Laden aufgeben: «Es fehlen die Leute, die im Dorfladen einen grösseren Einkauf erledigen.»

Jubiläumsfeier im kleinen Kreis

Müller spricht von einem gesellschaftlichen Wandel, von immer grösserer Mobilität. «Gerade die jüngere Generation arbeitet auswärts und erledigt auch ihren Einkauf auswärts», sagt sie. «Wer davon spricht, einkaufen zu gehen, meint selten den Dorfladen.» Diese Entwicklung habe sich in den letzten Jahren akzentuiert. «Die Generation, die ihren Einkauf im Dorf erledigt, stirbt langsam aus.»

Vor wenigen Wochen feierten Müllers im Kreis von Familie und Kunden das 40-Jahre-Jubiläum im Laden. «Da haben wir die grosse Wertschätzung der Menschen für den Laden gespürt», sagt Müller. Als sie davon erzählt, scheint doch noch etwas Wehmut aufzukommen.

«Die Arbeit wird mir nicht fehlen, wohl aber der Kontakt zu den Menschen. Die Begegnungen und Gespräche im Laden», sagt sie. Das war es, was ihr stets Spass gemacht hat. Der Grund, weshalb sie den Laden während all den Jahren mit viel Herzblut führte.