Was von weitem wie eine Waldhütte aussieht, ist in Tat und Wahrheit der Rohbau eines Kohlemeilers. Seit Montag ist die Entlebucher Köhlerfachfrau Doris Wicki beim Waldhaus Aesple in Kaisten mit dessen Konstruktion beschäftigt. Zur Seite stehen ihr täglich acht Helfer, damit der Meiler am Samstag zur Feier der bevorstehenden Pensionierung von Gemeindeförster Ernst Furler planungsgemäss angezündet werden kann.

Der Meiler aus 40 Ster Kirschbaumholz wird von Doris Wicki bis zum 21. Oktober betrieben und voraussichtlich 2100 Kilogramm Holzkohle produzieren. Garantiert ist der Erfolg allerdings nicht, denn dieser hängt nicht zuletzt von der Zuverlässigkeit des Weckers der Köhlerfachfrau ab. Drei Wochen lang wird sie nie mehr als zwei Stunden am Stück schlafen, da sie den Meiler ständig mit brennender Kohle nachfüttern muss. «Mir macht dies nichts aus», sagt Wicki. Das gehöre halt einfach zu diesem faszinierenden und beinahe ausgestorbenen Handwerk dazu.

Gelernt hat die Brambodnerin die alte Köhlertradition von ihrem Vater und ihren Brüdern. Diese haben ihr gezeigt, wie die Holzscheiter aufzuschichten sind und wie der Meiler mit Kohlestaub luftdicht ausgekleidet werden muss. Ist der Meiler einmal entzündet, wird Wicki die Sauerstoffzufuhr durch kleine Löcher mit viel Fingerspitzengefühl regulieren: «Gebe ich zu viel Luft dazu, wird alles zu Asche. Hat es zu wenig Sauerstoff, verbrennt das Holz nicht.»

Und was passiert genau im Innern des Meilers? «Die 500 Grad Celsius führten zu einer Trockendestillation des Holzes», erklärt Wicki. Oder anders formuliert: Der Wasseranteil löst sich vom Holz, ebenso der Holzteer und der Holzessig.»

Eine Wildsau aus dem Jagdrevier

Wo Kohle ist, ist auch Kohldampf. Der Meiler wird am Köhlerfest deshalb nicht die einzige Attraktion sein. Nach der Waldbereisung am Samstag ab 8.30 Uhr, einer vom Gemeindeförster persönlich angeführten Waldexkursion, wird die Köhlerbeiz täglich von 10 bis 22 Uhr geöffnet sein. Dort steht ab dem 13. Oktober ein ganz besonderes Menu auf der Speisekarte: «Wildsaupfeffer aus dem Kaister Jagdrevier», freut sich Ernst Furler. Ob es den lokalen Jägern allerdings gelingt, für das Fest wie geplant noch eine zweite Wildsau zu erlegen, stehe noch in den Sternen.