Er heisst nicht nur König, er thront auch wie ein König locker auf seinem Sitz und hebelt an zwei Joysticks. Er lässt nicht Super Mario über den Bildschirm laufen, sondern steuert einen mächtigen Kran im Rheinhafen auf der deutschen Seite Rheinfeldens: Kranführer Ralf König hat seinen Arbeitsplatz etwa fünfzehn Meter über dem Boden, in der Kanzel des Hafenkrans.

Von dort überblickt er das ganze Schiff, das er löscht (seemännischer Ausdruck für entladen), und das Silo auf dem Platz vor der Hafenmauer, wo er Schaufel um Schaufel hineinleert.

Der Hafenkran schaufelt Lava aus der MS Orchidee.

Der Hafenkran schaufelt Lava aus der MS Orchidee.

Der Kranarm schwenkt zurück über das Lastschiff MS «Orchidee», dessen Luken geöffnet sind. Der 110 Meter lange Kahn hat letzte Nacht am Quai angelegt. König lässt die Schaufel in den Laderaum sinken, wo sie hineintaucht und erneut auf die Fracht zugreift – es handelt sich um Lava. Feinkörniges Gestein, von einem Rheinfelder Industriebetrieb geordert. Etwa 1100 Tonnen hatte das Schiff geladen. «Heute Morgen um neun hatte ich schon 200 Tonnen rausgeholt», sagt Ralf König und lacht verschmitzt hinter seinem Pelzkragen hervor.

Der leichte Nebel über dem Rhein hat sich verzogen. Es ist bald Mittag, die Sonne taucht die Hafenszenerie in helles Licht. In seiner Kanzel hat der Kranführer die grosse Frontscheibe nach aussen geklappt. Er will ganz genau sehen, was unten vor sich geht. Während sich die Schaufel am Ende des langen Drahtseils im Schiffsrumpf abermals in den Lavaberg frisst, geht ein Zittern durch den Kran.

«Hier, im Hafen Rheinfelden, trat ich nach der Schulzeit meine erste Stelle an. Ich wurde mit 16 Kranführer und sass schon damals genau auf diesem Kran», erinnert sich König. «Er ist mein Baby.» Anschliessend habe er in der Schweiz gearbeitet «und dort gutes Geld mit Hafenarbeit verdient». Er riegelt wieder an den Joysticks. Die Schaufel füllt sich mit Lava. Es ist noch lange nicht die letzte. Aus dem Schiffsbauch müssen noch ein paar Tonnen geholt werden.

Hafen im Jahr 1933 eröffnet

Nach dem Bodensee ist Rheinfelden der erste Hafen am Rhein. Dort beginnt die Güterschifffahrt. Während sich bei der Schifflände auf Schweizer Seite
lediglich eine Anlegestelle für die Basler Personenschifffahrt befindet, wickelt sich der Schiffsgüterverkehr am deutschen Ufer ab. Eröffnet wurde der Hafen 1933. Heute sind dort sechs Baumaschinenführer beschäftigt und drei Angestellte im Büro tätig. Das Hafengrundstück gehört der Stadt Rheinfelden, doch privatwirtschaftlich geführt wird der Hafen durch die Rhenus Port Logistics. Von deren Geschäftsführer, Achim Neidhardt, war zu erfahren, dass die zwei vorhandenen Portalkrananlagen eine Tragkraft von jeweils 12,5 Tonnen aufweisen. «150 bis 160 Schiffe werden pro Jahr abgefertigt und damit insgesamt etwa 150 000 Tonnen Material umgeschlagen. Insgesamt steht im Hafen Rheinfelden eine Freilagerfläche von etwa 4500 Quadratmetern zur Verfügung.»

Sand für Schweizer Golfplätze

Es werden vor allem Baustoffe für die regionale Industrie per Schiff angeliefert. Aber auch Materialien für Schweizer Kunden sind dabei, zum Beispiel Quarzsand für Golfplätze in der Schweiz.