Frick
Der Kapitän geht von Bord, die Reise geht weiter

Das Schönste wäre gemeinsam mit allen Passagieren das Schiff zu verlassen, sagt René Sommer. Meint mit Passagieren all seine Schülerinnen und Schüler. Nach 31 Jahren hört René Sommer als Schulleiter der Heilpädagogischen Schule in Frick auf.

Susanne Hörth
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René Sommer wird sich künftig vermehrt dem schriftstellerischen Schaffen widmen.

René Sommer wird sich künftig vermehrt dem schriftstellerischen Schaffen widmen.

AZ

Er spricht mit ganz sanfter Stimme. Seine langen krausen Haare vereinen sich irgendwo zwischen Hals und Schultern mit dem ebenfalls langen Bart. René Sommer, seit 31 Jahren an der Heilpädagogischen Schule Frick ist vieles, eines aber ganz sicher nicht: gewöhnlich. Es ist nicht nur sein unkonventionelles, sich nicht einem gängigen Modetrend unterwerfendes Äusseres, das auffällt. Der Mann mit der sanften Stimme ist ein Kämpfer. Bleibt hartnäckig, falls nötig auch unbequem, wenn er sich für das Wohl der Mädchen und Buben oder um die HPS einsetzt. Er hat in den Jahrzehnten an der Fricker Schule massgeblich für deren Weiterentwicklung beigetragen.

Bereits 20 Bücher geschrieben

Ende Schuljahr verlässt René Sommer die HPS. «Gerne würde der Kapitän gemeinsam mit allen Passagieren – in meinem Fall den Lernenden – das Schiff verlassen. Das geht aber leider nicht», so Sommer. Fünf Jahre vor der eigentlichen Pensionierung hat er sich entschlossen, sich künftig vermehrt der schriftstellerischen Tätigkeit zu widmen. 20 Bücher - eines davon befindet sich sogar im amerikanischen Kongress - hat er bereits geschrieben. Diese Bücher behaupten sich auf dem nationalen wie auch internationalen Markt erfolgreich. Durch das Internet wird Sommers Bekanntheit als Schriftsteller zusätzlich gesteigert. «Buch-Energie», nennt er das. «Am Tag bin ich Schulleiter, nachts habe ich zwei Möglichkeiten, schlafen oder schreiben.» Lange hat er, der mitten in der Natur in einem Waldhaus lebt, sich danach gerichtet: Tagsüber die Schule, nachts nicht selten Schreiben.

Autor auch sehen und erleben

Immer mehr Leute wollen mehr über den Mann erfahren, der bereits so viele Bücher geschrieben hat. Und so steigern sich die Anfragen für Lesungen und Vorträge ständig. Das lässt sich zwischenzeitlich nicht mehr mit der umfassenden und nicht einfacher werdenden Aufgabe als Schulleiter vereinbaren. «Es war letztlich auch ein Vernunftentscheid», so Sommer. Seit bekannt ist, dass René Sommer die HPS verlässt, hat er zahlreiche bedauernde Reaktionen aus der Bevölkerung erhalten. Wer den Baselbieter in Umgang mit den Lernenden der Heilpädagogischen Schule beobachtet, erlebt einen Mann, der mit unglaublicher Sensibilität, grosser Ruhe und voller Verständnis den Kindern begegnet.

Wenig Verständnis zeigt Sommer gegenüber den kantonalen Ämtern. Hartnäckig setzt er sich dort für die Interessen der Lernenden in der HPS ein, muss aber immer wieder erfahren, dass Individualität bei den Ämtern wenig Platz hat, alles muss in ein Schema passen. Mit seinem Verlassen der Schule gehe somit «auch ein 30-jähriger Krieg mit dem Kanton zu Ende», schmunzelt Sommer.

Darauf angesprochen, was er an schönen Erinnerungen aus der HPS-Zeit mitnehmen werde, sagt er: «Es ist immer wieder ein berührender Moment, wenn junge Leute mit sozialen oder kommunikativen Beeinträchtigungen, die sonst nirgends ein Platz erhalten haben, bei uns den Rank finden. Und dann sogar anderen helfen können.»

René Sommer findet wunderschöne Worte für die immer wieder erlebten Erfolge bei den Schülern: «Etwas Vollständiges komm zu sich selber. Es ist wie ein Schmetterling, der schlüpft und fliegen kann.»

Neue Schulleiterin

Zur neuen Schulleiterin und als Nachfolgerin von René Sommer an der Heilpädagogischen Schule in Frick hat die Schulpflege Frick Susanne Anrig gewählt. Sie tritt per 1. August ihre neue Stelle an. René Sommer gibt ihr mit auf den Weg, sich auch weiterhin beim Kanton für die Individualität all der Lernenden an der HPS einzusetzen.

Die neue Schulleiterin Susanne Anrig hat eine Ausbildung als Kindergärtnerin und Schulische Heilpädagogin. Sie verfügt über vielfältige Erfahrungen mit Kindern und Jugendlichen mit verschiedensten Beeinträchtigungen, so auch Kompetenz im Umgang mit sozialer und entwicklungspsychologisch bedingter Beeinträchtigung. Aktuell arbeitet Susanne Anrig an einer Heilpädagogischen Schule, in deren Auftrag sie Schülerinnen und Schüler mit Entwicklungsbeeinträchtigungen an der Primarschule begleitet.