Tierquälerei

«Der Kalbschänder von Obermumpf ist eine tickende Zeitbombe»

«So jemand kann Sexualität gar nicht auf partnerschaftlicher Ebene leben»

«So jemand kann Sexualität gar nicht auf partnerschaftlicher Ebene leben»

Was geht in einem Menschen vor, der ein Tier mit sexuellen Motiven quält? In der Sendung «TalkTäglich» versuchten Gieri Bolliger, Geschäftsleiter Stiftung Tier im Recht, und Psychologe Thomas Spielmann, Antworten zu geben. Die wichtigsten Momente im Zusammenschnitt.

Im «TalkTäglich» erklären zwei Experten, was in den Köpfen von Menschen vorgeht, die Tiere schänden. Und was die Gesellschaft tun kann, um solche Taten zu verhindern.

In der Nacht auf Sonntag verschaffte sich ein Unbekannter Zugang zu einem Stall in der Fricktaler Gemeinde Obermumpf und missbrauchte dort ein Kalb. Bauer Christoph Stocker fand den Gürtel des Täters – das verletzte Tier musste von einem Tierarzt behandelt werden. Laut Stocker läge es immer noch teilnahmslos los im Stall, meide Menschen und trinke kaum. Der Bauer erstattete Anzeige, die Kantonspolizei sucht Zeugen. 

Doch was treibt einen Menschen überhaupt dazu, ein hilfloses Tier auf diese Art und Weise zu schänden? In der Show "TalkTäglich" auf Tele M1 wurde genau dieses Thema behandelt. Zoophilie und Sodomie - Themen, die laut dem Psychologen Thomas Spielmann und dem Anwalt Gieri Bolliger, Geschäftsführer Stiftung für das Tier im Recht, noch immer zu sehr tabuisiert werden. 

"Menschen, die Sexualität mit Tieren ausleben, haben Angst vor Beziehungen. Die Täter haben meist eine völlig kaputte sexuelle Entwicklung mitgemacht. Sie haben Angst vor Nähe und benutzen das Tier, um die eigene Macht auszuleben und die Ohnmacht des Tieres zu erfahren", erklärt Spielmann. Das Schwierige sei zudem, dass die Täter meist gar nicht wüssten, dass ihr Verhalten nicht recht ist.

Kalb in Stall missbraucht

Kalb in Stall missbraucht

Ein Unbekannter hat das Jungtier geschändet und es im Analbereich verletzt. Ein liegengelassener Gegenstand könnte nun zum Täter führen.

Spielmann behandelte drei oder vier Männer mit Neigungen zur Zoophilie, die erst auf Weisung ihrer Partnerinnen psychologische Hilfe aufgesucht haben: "Die Frauen sagten, dass sie die Männer verlassen würden, wenn sie ihr Verhalten beibehalten."

Tierschützer Gieri Bolliger fügt an: "Manche Täter nehmen an, dass die Tiere Gefallen an den sexuellen Handlungen haben. Einige dressieren ihre Tiere sogar darauf."

Doch seit 2008 ist Zoophilie in der Schweiz gesetzlich verboten: "Die Tiere müssen in ihrer Würde geschützt werden", so Bolliger. Vor allem dürfe ein Tier nicht instrumentalisiert werden. 

Die Experten verweisen im Gespräch darauf, dass es jedes Jahr wahrscheinlich tausende Fälle ähnlich dem in Obermumpf geben würde, aber nur wenige davon kommen ans Tageslicht und werden vor Gericht behandelt. Bolliger weiss den Grund dafür: "Zoophilie muss bewusster behandelt werden, von der Gesellschaft und auch von den Behörden. Es wird noch immer tabuisiert." 

Warum eine Enttabuisierung und mehr Präventionsarbeit auch noch von höchster Dringlichkeit seien, erklärt Spielmann an einer amerikanischen Studie: "Das FBI führte Interviews mit verurteilten Sexualmördern, die Frauen und Kinder zu Tode folterten. 81 Prozent von ihnen gaben an, mit sexuellen Handlungen mit Tieren angefangen zu haben."

Der Psychologe ruft dazu auf, auffälliges Verhalten von Personen aus dem sozialen Umfeld zu melden, denn die Täter seien «tickende Zeitbomben». 

Die ganze Sendung sehen Sie hier: 

Brutale Tierquälerei im Aargau

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Auf einem Fricktaler Bauernhof hat ein Unbekannter ein Kalb geschändet. Es wurde verletzt und musste behandelt werden. Wieso macht jemand so etwas?

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