Zwar befindet Lützelschwab den ehemaligen Jäger im Anklagepunkt der Widerhandlung gegen das kantonale Jagdgesetz für schuldig, vom Vorwurf der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz wird er jedoch freigesprochen. «Das Schweizer Tierschutzgesetz schützt nicht das Leben eines Tieres an sich, sondern will Schmerzen, Leiden, Schäden und Ängste des Tieres verhindern», begründet Gerichtsschreiber Richard Hunziker.

In diesem Punkt folgt Lützelschwab dem Plädoyer des Verteidigers, der argumentierte: «Die Katze war sofort tot und hat deswegen keine Schmerzen, Leiden, Schäden oder Ängste erlitten.» Den Verstoss gegen das kantonale Jagdgesetz begründet Hunziker damit, dass der Angeklagte fahrlässig gehandelt hat: «Er hat in einem Wohngebiet nicht sorgfältig genug abgeklärt, ob es sich tatsächlich um einen kranken Fuchs handelt, und ohne Einwilligung auf einem Privatgrundstück gejagt.»

Katzen-Schütze vor Gericht

14.12.2016: Katzen-Schütze vor Gericht

Ein Jäger akzeptiert die ursprüngliche Strafe wegen seines irrtümlichen Katzen-Abschusses nicht.

Zivilforderungen abgewiesen

Weil sich die Katzenbesitzerin, die am Prozess als Zivilklägerin auftrat, nur auf den Vorwurf der Widerhandlung gegen das Tierschutzgesetz beziehen kann, verwies das Gericht für die Durchsetzung von Zivilforderungen auf den Zivilweg. Hier forderte der Anwalt der Katzenbesitzerin einen Ersatz in Höhe von 7000 Franken für den Verlust von Wuschel sowie einen Kostenersatz in Höhe von 1760 Franken. Ob die Katzenbesitzerin ihre Forderung auf dem Zivilweg einklagen wird, weiss sie derzeit noch nicht. Zum Urteil sagt sie: «Ich bin froh, dass das Gericht entschieden hat, dass der Jäger nicht einfach so auf meinem privaten Grundstück hätte schiessen dürfen.» Dennoch kann keine Strafe Wuschel, die sie und ihre Familie über 13 Jahre begleitete, wieder zurückbringen. Deswegen sagt die Zivilklägerin: «Das Urteil ist für mich keine Genugtuung.»

«Diesem Jäger muss man die Flinte wegnehmen»: Schliengers verstehen die Welt nicht mehr. (Oktober 2015)

«Diesem Jäger muss man die Flinte wegnehmen»: Schliengers verstehen die Welt nicht mehr. (Oktober 2015)

(Dezember 2015)

«Jagdgesetz gilt nicht für Katzen»

Der verurteilte ehemalige Jäger, der kurz nach dem Vorfall sein Jagdpatent abgab, wollte auf die Frage, ob er dieses wieder beantragen möchte, keine Angaben machen. Erwin Osterwalder, kantonaler Fachspezialist Jagd, sagt dazu: «Falls er sein Jagdpatent wieder beantragen sollte, werden wir dies mit dem kantonalen Rechtsdienst unter Berücksichtigung des Gerichtsurteils prüfen.»

Für eine Stellungnahme verweist der Angeklagte auf seinen Anwalt. Dieser stuft das Urteil grundsätzlich als befriedigend ein: «Der gewichtigste Vorwurf des Verstosses gegen das Tierschutzgesetz und damit der fahrlässigen Tierquälerei ist weggefallen. Dies war auch der Grund, weshalb gegen den Strafbefehl Einsprache erhoben wurde.» Dennoch ist er mit dem Schuldspruch hinsichtlich des Verstosses gegen das Jagdgesetz nicht einverstanden, weil es sich irrtümlich um eine Katze und nicht um einen kranken Fuchs handelte.

Ob der ehemalige Jäger allerdings Berufung gegen das Urteil einlegt, ist derzeit noch unklar.