Seit dem Weggang von Wirt Samet Rustemi im Herbst 2017 bleibt im Restaurant Hirschen an der Landstrasse in Gipf-Oberfrick die Küche kalt. Dies wird sie auch aller Voraussicht nach nicht mehr ändern.

Hatte die Besitzerfamilie um Anton Rebmann zunächst vor, für einen möglichst nahtlosen Übergang des gastronomischen Betriebs zu sorgen, teilt nun Liegenschaftsverwalter Michael Rebmann auf Anfrage mit, dass man das Gebäude verkaufen werde.

«Es gab zwar Wirte, die Interesse zeigten, schlussendlich konnte jedoch keiner von ihnen ein überzeugendes Konzept vorlegen», sagt Michael Rebmann. Ein solches wäre jedoch die Bedingung für eine «Tabula-rasa-Renovierung» gewesen, wie Michael Rebmann sagt. So sei in den letzten Jahren im Restaurant viel «herumgebastelt» worden.

In den nächsten Wochen werde man die Liegenschaft zum Verkauf inserieren. Laut Michael Rebmann steht der konkrete Verkaufspreis noch nicht definitiv fest, gegenüber der AZ nennt er jedoch eine Summe von rund 1,8 Millionen Franken.

Gemeinderat bedauert Verkauf

Die Liegenschaftsbesitzer haben den Gemeinderat über ihre Verkaufsabsichten informiert. Für Gemeindeammann Regine Leutwyler hätte die Ideallösung für den «Hirschen» in der Weiterführung des gastronomischen Betriebs bestanden. Dass es nun vermutlich anders kommt, bedauert sie – besonders wegen des prägenden Charakters und der schönen Gartenwirtschaft.

Leutwyler sagt, dass der Gemeinderat bereits die Verkaufsunterlagen der Eigentümer studiert hat. «Wir haben einen Kauf geprüft und sind zum Schluss gekommen, zumindest jetzt auf eine Kaufabsicht zu verzichten.» So bräuchte es, um die Liegenschaft als Restaurant weiterzuführen und die Zimmer in Schuss zu bringen, hohe Investitionen und ein Konzept. «Mit dem Kauf alleine ist es nicht getan», sagt Leutwyler.

Darüber hinaus sei es etwas fragwürdig, wenn die Gemeinde den «Hirschen» kaufe, als Restaurant weiterführe und damit die anderen Gaststätten im Dorf konkurrenziere.

Für die Gemeinde stellt der «Hirschen», der Ende der 1920er-Jahre als Kurhaus mit dem dazugehörenden Schwimmbad konzipiert und erbaut wurde, ein historisch bedeutendes Gebäude dar. «Die Liegenschaft unterliegt zwar keinem speziellen Schutz der Denkmalpflege, einen Abriss durch den neuen Besitzer würde der Gemeinderat gestützt auf die Bestimmungen in der Bau- und Nutzungsordnung jedoch nicht bewilligen», stellt Leutwyler klar.

Die beste Lösung für Leutwyler besteht darin, wenn der neue Eigentümer den «Hirschen» kauft, die Zimmer saniert und an eine gemischte Klientel vermietet. «Es ist gut, wenn in der Gemeinde weiterhin günstiger Wohnraum angeboten werden kann.» Zudem sei es für die Gemeinde wünschenswert, wenn der neue Besitzer wieder ein Gastrobetrieb, ein Café oder ein kleines Geschäfte im Erdgeschoss einrichten würde, so Leutwyler.