Gipf-Oberfrick

Der grosse Boom blieb aus – doch der Zander von Familie Häseli hat sich etabliert

Judith Häseli und Simon Bachofer bewirtschaften die Zanderzuchtanlage.

Judith Häseli und Simon Bachofer bewirtschaften die Zanderzuchtanlage.

Trotz Schwierigkeiten werden in Gipf-Oberfrick nach wie vor Fische gezüchtet. Abnehmer der Fische ist unter anderem Manor.

Fische züchten auf dem Bauernhof: Diese Idee schien vor einigen Jahren zu einem beliebten Geschäftsmodell bei Landwirten zu werden. Diese Woche nun sagte Ralf Bucher, Geschäftsführer des Bauernverbands Aargau, gegenüber Radio SRF, Fisch vom Bauernhof bliebe wohl ein Nischenprodukt.

Derzeit seien etwa zehn Bauern aus dem Kanton in der Fischzucht tätig. Ein eigentlicher Boom blieb aber aus. «Ob ein neuer Betriebszweig erfolgreich sein kann oder nicht, spricht sich schnell herum», sagt Bucher und führt mehrere Gründe an, weshalb nicht mehr Landwirte auf die Zanderzucht setzen.

Einerseits brauche es eine Bewilligung für die Zucht von Fischen in der Landwirtschaftszone, da diese als Wild- und nicht als Nutztiere gelten. Bucher selber hat 2016 im Grossen Rat eine Motion zur unbürokratischen Bewilligung von Fischzuchtanlagen in leer stehenden landwirtschaftlichen Gebäuden eingereicht.

Diese wurde letztlich als Postulat entgegengenommen. «Mit dem Postulat wurde die Vorgabe ‹finanzielle Notwendigkeit› abgeschwächt, was einzelnen Betrieben geholfen hat, die Fischzucht zonenkonform zu realisieren», so Bucher.

Weiter sei der Aufwand für die Fischzucht grösser als gedacht, Jungfische bekomme man oft nicht problemlos und der Markt für den teureren Schweizer Fisch sei beschränkt.

Direktvermarktung als Trumpf

Familie Häseli aus Gipf-Oberfrick gehört zu den Bauernbetrieben, die den Schritt gewagt und sich 2017 mit einer Zanderzucht von Fischen einen neuen Geschäftszweig aufgebaut haben. Die Fische leben in einer Indoor-Kreislaufanlage mit 16 Becken und 90 Kubikmeter Wasser.
Die Zanderzucht habe sich etabliert, sagt Charlotte Häseli.

Sie kümmert sich in erster Linie um Verpackung und Vertrieb der Fische. Ihre Tochter Judith und Simon Bachofer kümmern sich um die Zucht der Zander. Häselis verkaufen pro Woche 40 bis 90 Kilogramm Zander. «Wir setzen dabei auf die Direktvermarktung», so Charlotte Häseli. Jeden Donnerstag können vorbestellte Fische direkt vor Ort in Gipf-Oberfrick bezogen werden. Zudem beliefert Familie Häseli mehrere Manor-Filialen und Restaurants.

Und doch gibt Charlotte Häseli Ralf Bucher in verschiedenen Punkten recht. «Die Zanderzucht ist sicherlich nicht so einfach, wie uns am Anfang gesagt wurde», sagt sie. «Sie bringt einen grossen Arbeitsaufwand mit sich.»

Zudem sei es in ihrem Fall so, dass die Anlage nicht mit so vielen Fischen besetzt werden könne, wie es seitens des Verkäufers hiess. Und: «Klar braucht man einen gewissen Absatz und Zander ist ein Edelfisch.»

Es sei jedoch nicht so, dass sich gar keine Landwirte mehr für ein Standbein als Fischzüchter interessierten, so Charlotte Häseli. Kürzlich hätten etwa Biobauern ihre Zucht besichtigt, um zu prüfen, ob dies ein Zusatzverdienst sein könnte.

Um die Gipf-Oberfricker Zander auch in der Bevölkerung bekannter zu machen, organisiert Familie Häseli zudem immer wieder Anlässe – so etwa dieses Wochenende. Heute Samstag ab 16 Uhr und morgen Sonntag zwischen 11 und 15 Uhr findet an der Landstrasse ein Fischknusperli-Essen statt.

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Autor

Marc Fischer

Marc Fischer

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