Der Grat zwischen Feiern und Verschieben

Am Kehrausball und an der Jazz-Matinee war das Corona-Virus kein Thema – zwei Raiffeisenbanken haben ihre Versammlungen verschoben.

Thomas Wehrli
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Tolle Stimmung: Am Kehrausball in Obermumpf nahmen am Samstag 500 Gäste und 150 Guggenmusiker teil.

Tolle Stimmung: Am Kehrausball in Obermumpf nahmen am Samstag 500 Gäste und 150 Guggenmusiker teil.

Bild: zvg

Das Feierlaune liessen sich 650 Fricktaler trotz Corona-Virus nicht verderben: Beim traditionellen Kehrausball in Obermumpf ging am Samstag die Nach-Fasnachts-Post so richtig ab. Die Party sei ein voller Erfolg gewesen, bilanziert Patrizia Binkert, Präsidentin der veranstaltenden Guggenmusik Räblüüs.

Sie und ihr OK hatten allerdings zuvor, am Freitag, drei bange Stunden zu überstehen. Denn nach dem generellen Veranstaltungsverbot des Bundes ab 1000 Personen zog der Kanton nach und machte Anlässe mit über 150 Personen bewilligungspflichtig. Die Guggen­musik stellte sofort online einen Antrag. Als die Bewilligung von Kanton und Gemeinde nach knapp drei Stunden eintraf, «fiel schon eine grosse Last ab», sagt Binkert. Denn eine so kurzfristige Absage des Balles hätte für die Guggenmusik auch finanzielle Konsequenzen gehabt.

Die Stimmung am Abend war «erstklassig», sagt Binkert. Von Unsicherheit habe man nichts gespürt und das Corona-Virus sei bei den Partygästen kaum ein Thema gewesen. Dass trotz Virus so viele kamen – im Vorjahr waren es nur 50 mehr – war für Binkert das Highlight des Abends. Sie ist mit dem Abend zufrieden. Auch finanziell sei der Ball ein Erfolg gewesen.

Kaum Auswirkungen auf die Gästezahl hatte das Corona-­Virus auf eine zweite grössere Veranstaltung am Wochenende: die Jazz-Matinee am Sonntag in Stein. Das Bangen, ob der Anlass durchgeführt werden kann, hielt allerdings bei Hansueli Bühler, Präsident des Kulturvereins, lange an. Am Freitag hörte er auf sein online eingereichtes Gesuch nichts vom Kanton und auch am Samstagmorgen, als er kurz nach fünf Uhr die Mails checkte, war noch keine Verfügung eingetroffen. Bühler mailte kurzerhand der Kantonsärztin Yvonne Hummel – und diese rief persönlich zurück und erteilte die Bewilligung.

Die Musiklaune liessen sich die Jazz-Freunde vom Virus nicht verderben; nur drei oder vier meldeten sich wieder ab. Die Matinee sei ein «Superanlass» gewesen, blickt Bühler zurück. Das Corona-Virus sei dabei kaum ein Thema gewesen. Einzig am Eingang machte, wie vom Kanton verlangt, ein Plakat darauf aufmerksam, unter welchen Umständen man auf eine Teilnahme verzichten sollte.

Bühler selber, der die Gäste in Empfang nahm, wäscht sich seit dem Ausbruch der Epidemie  – wie vom Bund gefordert – die Hände häufiger. «Auf das Begrüssungsküsschen bei Leuten, die mir besonders nahestehen, habe ich aber nicht verzichtet.»

Die Verunsicherung der Leute spürte Philipp Weiss, der zusammen mit Martina Welti Fricks Monti betreibt, nur gerade am Donnerstag. Da sei das Freizeitleben fast stillgestanden. Seither hätten sich die Besucherzahlen im Restaurant wie im Kino wieder normalisiert.

Auf spezielle Informationsmassnahmen zum Virus verzichtet Weiss; das Thema sei genügend präsent. Allerdings hat er die Zahl der Besucher bis auf weiteres auf 149 Personen beschränkt. Bei der Sitzvergabe im Kinosaal achtet er zudem darauf, die Besucher, so weit möglich, nicht nebeneinander zu setzen – natürlich ausser jenen, die zusammen ins Kino kommen.

Raiffeisen-klangheimli.ch ist abgesagt

Die Herausforderung für die Veranstalter, zu entscheiden, ob ein Anlass stattfinden kann und vor allem auch soll, wird in den nächsten Tagen kaum kleiner. Denn die Zahl der Erkrankten steigt laufend, der Bund hat am Montag die Verhaltensregeln weiter verschärft und wie es mit dem Veranstaltungsverbot nach Mitte März weiter geht, ist offen.

Besonders diffizil ist der Entscheid bei grösseren Anlässen, die auch ältere Personen besuchen, denn das Risiko, dass eine Erkrankung schwer verläuft, ist für Menschen ab 60 höher als für jüngere.

Die Fricktaler Raiffeisenbanken, die ihre von mehreren hundert Genossenschaftern besuchten Generalversammlungen jeweils im März und April abhalten, überlegen sich deshalb gut, ob sie – eine Bewilligung des Kantons vorausgesetzt – die Versammlungen durchführen wollen oder verschieben.

Bereits entschieden hat sich die Raiffeisenbank Wegenstettertal: Sie verschiebt «nach reiflichen Überlegungen» die Generalversammlung vom 21.März; das neue Datum ist noch offen. Die Gesundheit der Genossenschafter und des Personals habe oberste Priorität, schreibt die Bank in einer Mitteilung. «Wir machen den Entscheid über die Durchführung nicht von einer Anzahl Personen oder der Auffassung einer Behörde abhängig», sagt Verwaltungsratspräsident Jascha Schneider. «Wir ­haben unsere eigene Risikoabwägung durchgeführt. Gerade deshalb sind wir unter keinen Umständen bereit, unsere Genossenschafter und das Personal einem etwaigen Risiko auszusetzen.»

Abgesagt wird auch die Un­terhaltungsshow «Raiffeisen-­klangheimli.ch», die jeweils am Abend vor der GV im Festzelt in Zuzgen stattfindet. «Die Gesundheit unserer Gäste, der Künstler und der zahlreichen Helfer steht im Vordergrund», sagt, Valentin Sacher, Präsident des Organisationskomitees. «Wir müssen schweren Herzens absagen.»

Die finanziellen Auswirkungen der Absage für das Event kann Sacher noch nicht abschätzen. Die Raiffeisenbank Wegenstettertal hat sich aber bereit erklärt, die Organisatoren zu unterstützen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen.

Für eine Verschiebung der GV entschieden hat sich auch die Raiffeisenbank Regio Laufenburg. Die Generalversammlung, an der jeweils rund 600 Kunden und 100 Helfer teilnehmen, sollte am 14. März stattfinden. Man habe sich zu diesem Schritt «zum Schutz all dieser Personen, aber auch zum Schutz der Mitarbeitenden entschlossen», sagt Peter Senn, Vorsitzender der Bankleitung.

Der Verwaltungsrat habe sich den Entscheid nicht leicht gemacht, so Senn, zumal die Vorbereitungsarbeiten bereits sehr weit fortgeschritten seien und nun aufgrund dieser Absage alles wieder sistiert werden müsse – Catering, Unterhaltung, Infrastruktur und helfende Vereine.

Noch nicht definitiv entschieden haben die drei anderen Fricktaler Raiffeisenbanken – Regio Frick, Mettauertal und Möhlin –, ob sie die Generalversammlung abhalten oder verschieben. Der Verwaltungsrat werde den definitiven Durchführungsentscheid voraussichtlich Ende nächster Woche unter Berücksichtigung der dannzumal aktuellen Lage treffen, sagt Urs Obrist, Vorsitzender der Bankleitung der Raiffeisenbank Mettauertal. Hier ist die GV auf den 27.März angesetzt.

Turnershow in Oeschgen findet statt

In Möhlin, wo die GV bereits auf den 14.März angesetzt ist, treffen sich Bankleitung und Verwaltungsrat heute Dienstag, um über die Durchführung zu beraten. In Frick bleibt etwas mehr Zeit; die drei Versammlungen finden erst Mitte April statt. «Der Entscheid über die Durchführung wird Ende März gefällt und ist abhängig von den Empfehlungen des Bundesamts für Gesundheit und des Kantons», sagt Reto Waldmeier, Leiter Stab und Marketing.

Bereits klar ist, dass die Turnershow am Samstag in Oeschgen stattfinden kann; der Kanton hat die Bewilligung erteilt.