Gipf-Oberfrick

Der Gemeinderat stimmt zu: Es kommt Tempo in die Tempo-30-Frage

Vor 18 Jahren war der Gemeinderat noch gegen Tempo 30, bei der letzten Abstimmung dann dafür. (Symboldbild)

Vor 18 Jahren war der Gemeinderat noch gegen Tempo 30, bei der letzten Abstimmung dann dafür. (Symboldbild)

Tempo 30 kommt in Gipf-Oberfrick zum dritten Mal vors Volk: Im November beantragt der Gemeinderat die flächendeckende Einführung. Ein Selbstläufer wird die Abstimmung nicht sein.

Gipf-Oberfrick soll zur Tempo-­30-Gemeinde werden. Der Gemeinderat beantragt dem Souverän im November, in den Quartieren flächendeckend Tempo 30 einzuführen. Ausgenommen ist die Landstrasse.

Damit wird in Gipf-Oberfrick ein weiteres Kapitel in der langen Tempogeschichte geschrieben. Erstmals kam Tempo 30 vor 18 Jahren aufs Tapet. Damals – wie auch elf Jahre später – unterlagen die Befürworter jedoch in der Referendumsabstimmung.

Geändert hat sich in der Zwischenzeit die Haltung des Gemeinderates: Vor 18 Jahren war er noch gegen Tempo 30, bei der letzten Abstimmung dann dafür.

Mit einer Petition nahm das Komitee «Pro Tempo 30 für mehr Wohnqualität» im letzten Jahr einen neuen Anlauf. 571 Personen unterschrieben die Bittschrift und der Gemeinderat, der Tempo 30 in den Quartieren inzwischen im Kommunalen Gesamtplan Verkehr als Ziel verankert hat, nahm den Ball natürlich auf. Im Budget 2020 stellte er einen Kredit von 25'000 Franken für das vorgeschriebene Fachgutachten ein. Dieses sollte ermöglichen, dass «wir über Tempo 30 endlich mit Fakten und nicht nur mit Emotionen diskutieren können», sagte Vizeammann Georg Schmid damals an der Gmeind.

Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen 25 und 44 km/h

Wie gespalten das Dorf in der Tempo-Frage nach wie vor ist, zeigte sich just an jener Gemeindeversammlung, als ein Einwohner den Posten aus dem Budget streichen wollte. Er unterlag zwar, doch gab die Diskussion einen Vorgeschmack darauf, was die Stimmberechtigten im November erwartet, wenn der Gemeinderat den Umsetzungskredit über 170'000 Franken vorlegt: eine hitzige Debatte.

Das Fachgutachten liegt inzwischen vor. Es zeigt, erstens, dass die durchschnittliche Geschwindigkeit in den Quartieren zwischen 25 und 44 km/h liegt. Es seien aber auch Hochgeschwindigkeiten mit bis über 70 km/h gemessen worden, sagt Schmid. Die gemessenen Geschwindigkeiten liegen laut dem Gemeinderat in einem Bereich, bei dem die Einführung von Tempo 30 «aus fachlicher Sicht flächendeckend in allen Quartieren empfohlen wird».

Das Gutachten zeigt, zweitens, die Sicherheitsdefizite im Dorf auf, wobei sich die Sichtzonen als besonders verbreitete Problematik herauskristallisiert haben. Tempo 30 würde die Situation merklich verbessern.

Mehr Sicherheit, weniger Lärm, höhere Wohnqualität

Der Gemeinderat sieht seine Position in der Tempo-Frage bestätigt. Er unterstützt zusammen mit der Verkehrskommission die Einführung von Tempo 30. «Damit wird mit vertretbaren Kosten und mit einfachen Massnahmen flächendeckend im ganzen Dorf mehr Sicherheit für alle, weniger Lärm und eine höhere Wohnqualität geschaffen», bilanziert die Exekutive.

Der Gemeinderat ist sich dabei bewusst, dass die Rechte der motorisierten Verkehrsteilnehmer «geringfügig eingeschränkt» werden. Demgegenüber werde aber die Sicherheit des Langsamverkehrs, insbesondere auch für Kinder und ältere Leute, erhöht.

Unbestritten ist für den Gemeinderat dabei: Wenn Tempo 30, dann auf allen Quartierstrassen und nicht, wie etwa in Frick, quartierweise. «Aus Sicht Gemeinderat und Verkehrskommission sind die Wege aus den Quartieren bis an die Landstrasse sehr kurz, was sich besonders eignet für die flächendeckende Einführung von Tempo 30», sagt Schmid. So könne eine einheitliche und insgesamt schlussendlich kostengünstigere Umsetzung realisiert werden, «ohne einzelne Quartiere zu bevorzugen oder zu benachteiligen».

Umgesetzt werden soll Tempo 30, wo immer möglich, ohne bauliche Massnahmen. Laut Gemeinderat reicht ein Eingangstor in den meisten Fällen auch aus. Nur auf einzelnen Abschnitten seien weitere Massnahmen– etwa Markierungen am Boden – nötig. «So viel wie nötig, so wenig wie möglich», umschreibt Schmid die Devise.

Insgesamt kostet die Umsetzung 170'000 Franken. Darin inkludiert ist die nach einem Jahr vorgeschriebene Nachkontrolle sowie eine Begegnungszone auf dem Hüttenweg. Auf diesem Weg, der durch das Schulareal führt, soll Tempo 20 gelten – und die Fussgänger sollen vortrittsberechtigt sein.

Pro-Komitee hofft auf ein Umdenken im Dorf

Sehr erfreut über den Entscheid des Gemeinderates, Tempo 30 umzusetzen, ist Melanie Jenni vom Komitee pro Tempo 30. Sie hofft, dass seit der letzten Abstimmung auch bei der Bevölkerung ein Umdenken stattgefunden hat. Ihr und ihren Kommilitonen geht es vor allem um die Sicherheit in den Quartieren. Gipf-Oberfrick sei in den letzten Jahren stark gewachsen, was eine Verkehrszunahme mit sich gebracht habe, so Jenni. Es seien auch viele Familien mit Kindern zugezogen – etwas, was die Gemeinde ja durchaus anstrebe.

«Ich kann nicht verstehen, wie man mit 50 km/h durch die Quartiere fahren kann», sagt Jenni. Es könne immer ein Kind oder auch ein Tier auf die Strasse springen. Zum Glück sei bislang noch nichts Gravierendes passiert. Dass dem so bleibt, dafür sei Tempo 30 der richtige Weg. Sie ist überzeugt: «Tempo 30 steigert die Wohnqualität und macht das Dorf für Familien als Wohnort noch attraktiver.»

Ein Selbstläufer wird die Abstimmung im November nicht sein, das ist sich Jenni bewusst. «Es wird sicher intensiv diskutiert.» Es gebe Leute im Dorf, die sich Tempo 30 partout nicht vorstellen können. Sie hofft, dass genügend Einwohner an die Gmeind kommen, die anderer Ansicht sind. Aber auch dann ist Tempo 30 noch nicht fix: Das Quorum wird an der Versammlung kaum erreicht werden, ein Referendum bleibt also möglich. Es wäre das dritte in der Tempo-30-Frage.

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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