Fricktal

Der Friedhof steht allen offen

Auf dem Friedhof in Frick gibt es kein spezielles Grabfeld für Muslime. Ein solches ist laut Gemeindeschreiber Heinz Schmid derzeit auch nicht geplant. Thomas Wehrli

Auf dem Friedhof in Frick gibt es kein spezielles Grabfeld für Muslime. Ein solches ist laut Gemeindeschreiber Heinz Schmid derzeit auch nicht geplant. Thomas Wehrli

Grabfelder für Muslime sind im Fricktal noch kein Thema. Das wird sich in den nächsten Jahren ändern.

Die Zahl der Muslime, die in der Schweiz leben, steigt laufend. 1990 gaben laut Bundesamt für Statistik knapp 88 000 Personen an, dem Islam anzugehören. 2014 waren es bereits rund 350 000.

Das Wachstum der muslimischen Gemeinschaft stellt auch die Gemeinden vor neue Fragestellungen, die es in den nächsten Jahren zu beantworten gilt. Eine davon lautet: Braucht es spezielle Grabfelder für Muslime auf den Friedhöfen? Denn die Beisetzung nach islamischem Ritus ist anders als jene nach christlicher Tradition. So ist es für gläubige Muslime wichtig, dass ihr Grab nach Mekka ausgerichtet ist.

Der Kanton Bern hat auf die Entwicklung reagiert und empfiehlt den Gemeinden, abgetrennte Grabfelder für Muslime zu prüfen oder regionale Lösungen zu erarbeiten. Das Fricktal hat das Thema, das zeigt eine Umfrage der az bei grösseren Gemeinden, noch nicht auf dem Radar. «Bei uns in Stein war ein abgetrenntes Grabfeld für Muslime noch nie ein Thema», sagt Gemeindeammann Hansueli Bühler. Auch im Planungsverband Fricktal Regio, den Bühler präsidiert, sei darüber bislang nie gesprochen worden.

Muslimisches Grabfeld in Basel

Für Bühler ist klar: «Wenn die Frage auf uns zukommt, werden wir versuchen, eine Lösung zu finden.» Am Platz zumindest würde es in Stein nicht scheitern. «Wir haben den Friedhof zu einem Zeitpunkt erweitert, als sich noch viele erdbestatten liessen. Deshalb ist er recht grosszügig.»

Auch in Gipf-Oberfrick gab es bislang keine Anfrage, ob eine Bestattung nach islamischem Ritus möglich ist. Gemeindeschreiber Urs Treier führt dies einerseits auf den kleinen Anteil Muslime in der Gemeinde zurück – aktuell haben 93 Personen mohammedanisch als Konfession angegeben. Andererseits lassen sich viele strenggläubige Muslime der ersten Generation in ihrem Heimatland bestatten oder wählen für die Beisetzung ein muslimisches Grabfeld. So wie es die Angehörigen der Afghanin taten, die Anfang November in Gipf-Oberfrick von ihrem Ehemann erstochen wurde. Die Familie prüfte auch eine Rückführung der 30-Jährigen nach Afghanistan, entschied sich dann aber für eine Beisetzung auf dem muslimischen Grabfeld im «Friedhof am Hörnli» in Basel.

Treier ist jedoch überzeugt, dass «zumindest grössere» Gemeinden künftig solche, nach Mekka ausgerichteten Grabfelder prüfen und zum Teil auch umsetzen müssen. Diese Einschätzung teilen andere Gemeinden. Die Frage wird immer dann aktuell werden, wenn das Friedhofreglement revidiert wird. So wie derzeit in Kaiseraugst. Die Arbeitsgruppe sei erst frisch eingesetzt, sagt Gemeindeschreiber Roger Rehmann. Konkretes liege deshalb noch nicht vor. Man werde die Thematik aber sicher diskutieren.

Bereits heute kann sich jeder – ob Christ, Buddhist, Muslim oder konfessionslos – auf dem Friedhof beisetzen lassen. Denn: «Der Friedhof gehört den politischen Gemeinden und nicht den Kirchen», erklärt Dieter Vossen, Gemeindeschreiber von Möhlin. Und die Kommunen sind konfessionell neutral. «Die Religion spielt keine Rolle», sagt auch Treier. «Es müssen einfach die Bestimmungen des Reglements eingehalten werden.» Dazu gehört eine Sarg- und für die erste Zeit eine Holzkreuzpflicht. Über Letztere lässt sich reden, so der Tenor. Gegenüber sarglosen Begräbnissen, wie sie der islamische Ritus kennt, sind die Vorbehalte deutlich grösser.

Die Angehörigen der ermordeten Afghanin schauten sich auch den Friedhof in Gipf-Oberfrick an. Sie entschieden sich für Basel – vor allem, weil die Gräber in Gipf-Oberfrick nicht nach Mekka ausgerichtet sind. Anders eine Familie in Frick: Sie liess ihren Verstorbenen in einem Reihengrab, zwischen Christen, beisetzen.

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