Rheinfelden
Der Fricktaler Orgelbauer schafft Poesie aus Holz und Metall

Peter Meier ist der einzige Orgelbauer im Fricktal – er pflegt seine eigene Hand- und Klangschrift. Das Instrument befindet sich im Aufschwung, denn die Orgel wird neben dem Einsatz in Kirchen vermehrt auch von anderen Musikern entdeckt und geschätzt.

Fabrice Müller
Drucken
Peter Meier renoviert derzeit mit seinem Team eine Orgel aus Belfort. Fabrice Müller

Peter Meier renoviert derzeit mit seinem Team eine Orgel aus Belfort. Fabrice Müller

Fabrice Müller

Eine Orgel aus dem französischen Belfort steht in der Werkstatt des Orgelbauers Peter Meier in Rheinfelden. Das Instrument aus dem Jahre 1978 steht normalerweise in einer Kirche und wird nun einer gründlichen Revision unterzogen. Neue Register werden eingebaut, in die Jahre gekommene Teile erneuert und neu ausgerichtet. Dieses Jahr stehen zudem Umbau- und Revisionsarbeiten an zwei bis drei Orgeln in Möhlin und Lausanne auf dem Programm.

Der Blick in die Werkstatt von Peter Meier und seinem Team erinnert an eine Schreinerei. Es riecht angenehm nach Holz, an manchen Orten auch nach Leim. Verschiedene Holzbearbeitungsmaschinen stehen im Einsatz. Weiter hinten befindet sich das Holzlager.

Von England bis Japan

Seit 2004 betreibt Peter Meier in Rheinfelden seine Orgelbauerwerkstatt mit einem ausgelernten Orgelbauer, einer Hilfskraft und einem Lehrling. Zuvor absolvierte der Fricktaler die Ausbildung zum Orgelbauer bei Orgelbau Goll in Luzern. Hinzu kamen Wanderjahre bei Martin Goetze & Dominic Gwynn in England, Marc Garnier in Frankreich und Orgelbau Felsberg im Kanton Graubünden. Ausserdem arbeitete Peter Meier während zweier Jahre in Japan beim Aufbau einer Werkstatt für Orgelpflege mit. «Als Orgelbauer stehen wir im Dienste der Musik und der Musiker», betont Peter Meier.
Sein Beruf lasse sich durchaus mit dem eines Klavierbauers vergleichen. Doch: «Wir Orgelbauer stellen das Instrument von A bis Z selber her.» Neben der Holzbearbeitung ist auch Metallhandwerk gefragt, schliesslich werden die Pfeifen nicht nur aus Holz, sondern auch aus einer Zinn-Bleilegierung hergestellt. «Immer wieder sind wir selber von der Komplexität und gleichzeitigen Poesie unseres Berufes fasziniert, vereinen wir doch Präzision mit Kreativität und Handwerk mit Musik.»

Lebendig, frech und direkt

Ein wichtiger Teil des Orgelbaus ist die Planung des Instruments. An der Entstehung arbeiten Musiker, Auftraggeber und Orgelbauer Hand in Hand. «Beim Bau einer Orgel habe ich bereits im Vorfeld ein bestimmtes Klangspektrum im Kopf», erklärt Peter Meier. Bei der Konzeption einer neuen Orgel etwa lässt er sich durch die musikalische Verwendung des Instruments leiten. So werden an Continuo-, Haus- und Kirchenorgeln unterschiedliche Ansprüche gestellt. Jede Orgel wird neu gezeichnet und als Einzelstück angefertigt; jeder Orgelbauer pflegt seine eigene Handschrift.
So auch Peter Meier: «Ich strebe bei unseren Orgeln einen lebendigen, frechen und direkten Klang mit viel Charakter an. Nicht zu matt, dafür perfekt ausgerichtet – wie bei einem Bild, das je nach Distanz anders wirkt.» Dieser Stil habe sich im Verlauf der letzten Jahre entwickelt und sei von den verschiedenen Erfahrungen im In- und Ausland geprägt worden. «Am Schluss eines Auftrages dürfen wir dann den magischen Moment erleben, wenn nach monatelanger Arbeit bei der Intonation ein Instrument zu leben beginnt und einen eigenen Charakter zeigt», schwärmt der Orgelbauer.

Der Orgelbau sei ein langfristiges Geschäft, sagt Peter Meier. Von der Idee für eine neue Orgel oder auch für eine Renovation eines bestehenden Instruments bis zur Ausführung dauert es immer mehrere Monate wenn nicht ein oder mehrere Jahre. Denn meist sind mehrere Sitzungen und Abstimmungen in Kommission und Versammlungen nötig, bis die finanziellen Mittel zur Verfügung stehen. Viele Kunden von Peter Meier sind denn auch Kirchen oder Kirchgemeinden.

Daneben gibt es aber immer wieder Privatpersonen, die in ihren eigenen vier Wänden eine Hausorgel besitzen, die renoviert oder unterhalten werden muss. Derzeit erlebe der Orgelbau eine Baisse, erzählt Peter Meier. Grund dafür sei, dass wenig neue Kirchen und somit auch neue Orgeln gebaut würden. Häufiger wird Peter Meier deshalb mit Renovationen und Unterhaltsarbeiten für bestehender Orgeln beauftragt.

Ein Instrument im Aufschwung

Musikalisch hingegen befindet sich die Orgel im Aufschwung. Neben dem Einsatz in Kirchen werde die Orgel vermehrt auch von anderen Musikern entdeckt und geschätzt. Hochschulen beispielsweise setzen vermehrt wieder auf Orgeln, sei es im Unterricht wie auch für den Einsatz im Orchester. «Die Orgel ist ein besonders kraftvolles, eindrückliches Instrument, das aber ebenso fein und leise sein kann», sagt Peter Meier.

Während vor 50 Jahren vor allem Barockorgeln und vor 20 Jahren romantische Instrumente in Kirchen gefragt waren, stellt der Orgelbauer heute eine grössere Pluralität bei den Baustilen fest. Das heisst: Ein Nebeneinander von verschiedenen Stilen ist gefragt. Ein wichtiger Einfluss auf den Klang der Orgel hat auch die Architektur des Gebäudes.

«Der Einsatz von Beton und Glas in vielen modernen Kirchen stellt uns Orgelbauer vor grössere Herausforderungen», berichtet Peter Meier. Denn im Gegensatz zu Holz und Naturstein wirken Beton und Glas oft nicht allzu förderlich auf den Klang ein, sprich, sie erzeugen einen zu starken Hall-Effekt. Auch unregelmässige Gebäudeformen und Kuppelbauten können sich für den Klang einer Orgel ungünstig auswirken.

Orgeln im Fricktal

Neben verschiedenen Einsätzen im In- und Ausland arbeitet Peter Meier regelmässig auch an Orgeln im Fricktal. Allein in Rheinfelden stehen sechs bis sieben Orgeln in Sakralbauten; hinzu kommen mindestens zwei Orgeln im Privatbesitz. «Die Orgellandschaft im Fricktal ist vielfältig. Es gibt allerdings nur wenige historische Instrumente», sagt Peter Meier. Gerne würde er in Zukunft mal eine Orgel der Orgelbaumeister Silbermann oder Schnitger restaurieren. «Diese Orgeln haben eine lange Tradition und sind von hervorragender Qualität. Als Orgelbauer kann ich viel von diesen Instrumenten lernen. Das wäre eine grosse Ehre für mich.»

Aktuelle Nachrichten