Frick
Der erste Satz muss sitzen – auch wenn es ihm nicht immer gelingt

Urs Augstburger las aus seiner Bergtrilogie und gab Einblicke in sein Schaffen.

Peter Schütz
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Urs Augstburger las in der Galerie artune aus seiner Bergtrilogie «Schattwand – Graatzug – Wässerwasser». Peter Schütz

Urs Augstburger las in der Galerie artune aus seiner Bergtrilogie «Schattwand – Graatzug – Wässerwasser». Peter Schütz

Den Schlusspunkt unter die Kunstausstellung von Daniel Schwarz und Claudio Cassano in der bewohnten Galerie artune in Frick setzte am Mittwoch der Bestsellerautor Urs Augstburger. Er las aus seiner Bergtrilogie «Schattwand – Graatzug – Wässerwasser».

Der erste Satz muss sitzen. Dieses Kriterium setzt Urs Augstburger nicht nur bei sich selber an. «Wenn ich in einem anderen Buch stöbere, ist immer der erste Satz entscheidend, ob ich es kaufe», verriet er bei seiner gut besuchten Lesung im artune. Er habe acht, neun Romane geschrieben, «aber ich habe es nur zwei Mal geschafft, einen vernünftigen ersten Satz zu schreiben».

Eines davon sei «Schattwand», das andere «Graatzug» – zwei Bücher aus seiner Bergtrilogie, mit der er im deutschsprachigen Raum eine grosse Leserschaft gewonnen hat. In seiner Livelesung stellte er sie alle in Auszügen vor – begleitet von bewegten Bildern, Klängen und «The famous final scene» von Bob Seger am Schluss. Augstburger umging damit den üblichen Lesungsstil mit Tisch und Wasserglas. Was die Gefahr barg, dass die Zuhörer zu Zuschauern wurden und das Gelesene zum Beiwerk des Gesehenen geriet.

Doch Urs Augstburger hatte den Dreh raus: entweder lesen oder Bilder fliessen lassen, nur nicht beides zusammen. So entstand ein unterhaltsamer Abend inmitten der Kunstwerke von Daniel Schwarz und Claudio Cassano, mit dem der Autor gelegentlich auftritt.

Augstburger lebt in Ennetbaden

Urs Augstburger, geboren 1965 in Brugg, lebt und schreibt in Ennetbaden und Disentis. Dass er das journalistische Handwerk erlernt hat, tut seinen Romanen gut. Einerseits leben sie von der Fiktion, andererseits liegt ihnen die saubere Recherche zugrunde.

1997 erschien sein erster Roman «Für immer ist morgen», 1999 folgte «Chrom» und 2001 der Durchbruch mit dem Bergroman «Schattwand». «Damit habe ich wohl einen Nerv getroffen», blickte er zurück. Mit «Graatzug» (2007) schrieb er sich endgültig in die Herzen der Leserinnen und Leser – die er mit «Wässerwasser» dreissig Jahre in die Zukunft führte.

Während «Schattwand» eine Liebesgeschichte erzählt und «Graatzug» ins Wallis zu den alten Sagen um die armen Seelen führt, zeigt «Wässerwasser» auf, wie es in den Alpen nach der Klimaerwärmung aussehen kann.

Der Bau der Staumauer

Augstburger liess Bilder von vergangener Bergzeit über eine Leinwand flimmern – vom Heuen und Waschen mit Asche, die Lauge ergeben hat. Dazu ertönten Alphornklänge, alles idyllisch, wenn auch hartes Brot, «und dann ist das passiert: der Bau der Staumauer Grande Dixence», so Augstburger.

Dass im Dezember 2000 die erst ein Jahr zuvor in Betrieb genommene Druckleitung barst, dadurch drei Menschen starben, Berghütten zerstört, Wälder und Weiden verwüstet wurden, erwähnte Augstburger in der Lesung. Auch in einem seiner Bergromane geschehen vor der Eröffnung einer Staumauer seltsame Sachen. Aber: «Kein einziger Kritiker hat sich über das Politische in meiner Parabel befasst», erklärte Augstburger, um mit einem Grinsen den Schluss zu ziehen, dass seine Bücher «nicht politisch sind».