Es sieht nicht gut aus für eine Reaktivierung der Bahnstrecke von Basel dem Rhein entlang nach Winterthur. Sowohl beim Bund als auch beim Kanton Aargau geniesst diese Idee, die alle paar Jahre aus der Schublade hervorgekramt wird, keine grosse Priorität. Das zeigte eine Antwort des Bundesrates auf eine Anfrage im Nationalrat. Und das zeigt die Antwort auf eine Interpellation der beiden CVP-Grossräte Andreas Meier und René Huber, die gestern veröffentlicht wurde.

Zwar sagt der Regierungsrat nicht, dass die Reaktivierung ein Ding der Unmöglichkeit ist, verweist aber auf die schwache Nachfrage von damals, die mit ein Grund war, dass der «Eilzug», wie er hiess, 1990 eingestellt wurde. Die Bummler bummelten noch bis 1994 von Winterthur über Bad Zurzach, Laufenburg, Stein und Rheinfelden nach Basel – dann war auch für sie Schluss. Auch die Kostenberechnung für die 105 Kilometer lange Strecke spricht nicht gerade für eine Reaktivierung. Zum einen müssten, das zeigte schon die Antwort des Bundesrates, mehrere hundert Millionen Franken in die Infrastruktur investiert werden, wenn das bestehende S-Bahn-Angebot auf den grösstenteils einspurigen Streckenabschnitten erhalten bleiben soll. Einspurig ist unter anderem die Strecke zwischen Laufenburg und Stein. Dieses Angebot gefährden will auch im Fricktal niemand – zumal die Fricktaler Grossräte ja erst kürzlich einen Sieg errungen haben; gegen den Willen der Regierung wurde ein Vorstoss überwiesen, der den Kanton verpflichtet, auf dem S1-Ast von Laufenburg nach Stein den Halbstundentakt einzuführen. Ein Sieg bei der Rheintallinie könnte so schnell zum Pyrrhussieg mutieren.

Hohe Kosten würde aber auch der Betrieb verursachen. Beim Stundentakt, so rechnet der Regierungsrat nun vor, würden 18 Zugspaare pro Tag verkehren und zusammen 1,38 Millionen Zugkilometer aufs Trassee legen. Dafür wäre mit «Betriebskosten in zweistelliger Millionenhöhe» zu rechnen. Beim Halbstundentakt lägen die Kosten deutlich höher.

Halte gefährden Zeitgewinn

Der Regierungsrat attestiert der Idee immerhin «eine gewisse Bedeutung» für die Region, vorausgesetzt, die Züge halten dann auch an den Aargauer Bahnhöfen; im Fricktal also zumindest in Laufenburg, Stein und Rheinfelden. Damit kommt es aber bereits zum nächsten Zielkonflikt: Die Rheintallinie soll, so wollen es zumindest die Winterthurer Promotoren der aktuellen Idee, für schnellere Verbindungen zwischen Winterthur und Basel sorgen. Ob dies überhaupt umsetzbar ist, ist umstritten. Je öfter jedoch der «Eilzug» hält, umso mehr eilt der Zeitgewinn davon.

Zumal: Mit dem «Eilzug» würden wohl auch etliche, die heute in Laufenburg in die langsamere S1 einsteigen, um nach Basel zu gelangen, die schnellere Verbindung wählen – was dann wieder den eben errungenen Halbstundentakt infrage stellen könnte.

Die Probleme sehen auch die Fricktaler Politiker. Mario Hüsler, Gemeindeammann von Gansingen, hält eine Reaktivierung der Rheintallinie zwar «für eine schöne Idee» und sieht in ihr «eine Aufwertung für die Region». Dennoch glaubt er nicht so recht an das Projekt. «Die Linie wurde aus betriebswirtschaftlichen Gründen stillgelegt und ich halte es für wenig realistisch, dass man sie nun wieder in Betrieb nimmt.»

Kämpferische Töne

Werner Müller, Mitglied der grossrätlichen Verkehrskommission, bedauert dagegen, dass man dem Projekt keine Priorität einräumt. «Es könnte eine wertvolle Entlastung für die arg strapazierte Bözberglinie sein», ist er überzeugt. Zudem wäre es für die Region «ein grosser Gewinn». Gerade die Achse Laufenburg–Zurzach habe es wirtschaftlich nicht leicht. «Da könnte die Wiedereröffnung der Bahnlinie einiges bewirken», ist er überzeugt. Müller würde es denn auch begrüssen, wenn das Projekt vertieft geprüft würde.

Kämpferisch tönt dagegen Herbert Weiss, Stadtammann von Laufenburg. «Es ist eine Zukunftsvision, die ich für gut und wichtig halte», sagt er. Heute schon staue sich der Verkehr durch Laufenburg und die Situation werde sich angesichts des Bevölkerungswachstums noch verschärfen. Zwar ist sich auch Weiss bewusst, dass die Linie wohl nicht rentabel zu betreiben wäre, doch man könne nicht dauernd von CO2-Reduktion sprechen und dann doch nur dort investieren, wo es rentiere. Jeder, der auf den öffentlichen Verkehr umsteige, helfe, die Umwelt zu schonen.

Begrüssen würde Weiss die Reaktivierung der Linie aber auch im Hinblick auf das Bevölkerungswachstum und die Mittelschule, die das Fricktal in den nächsten Jahren erhalten soll. «Es wäre sinnvoll, wenn die Schüler aus der Region Laufenburg per Zug anreisen könnten.» Zudem, so Weiss, wäre die Bahnlinie auch ein Marketinginstrument. «Die Leute ziehen dorthin, wo sie eine gute Infrastruktur vorfinden.»

Vor allem aber ärgert Weiss, dass Bund und Kanton einem Projekt wie der Rheintallinie wenig Goodwill entgegenbringen – dafür aber die Elektrifizierung der Bahnlinie auf der anderen Seite des Rheins mit hohen Beträgen mitfinanzieren. «Ich frage mich da schon, ob unserer Regierung das Nachbarland mehr wert ist als die eigenen Leute», enerviert sich Weiss. «Ich finde das stossend.» Sein Appell an die Region: «Wir müssen uns bemerkbar machen, damit unsere Bedürfnisse nicht unter den Tisch fallen.»