Gipf-Oberfrick

Der Ehemann der ermordeten Afghanin ist nicht geständig

Der 40-jährige Afghane steht im Verdacht, seine 30-jährige Ehefrau erstochen zu haben. Geständig ist er nicht. Die drei Kinder sind noch im Kinderheim untergebracht – ein dauerhafter Platz für sie wird gesucht.

Die Tat erschütterte das ganze Dorf: Am 4. November werden Polizei und Ambulanz an die Landstrasse 76 nach Gipf-Oberfrick gerufen. Hier lebt seit gut vier Jahren eine fünfköpfige Familie aus Afghanistan. Ihr Asylgesuch wurde zwar abgelehnt, die Familie konnte aber aus humanitären Gründen in der Schweiz bleiben und erhalt den Status «vorläufig aufgenommen».

Im Garten des älteren Einfamilienhauses findet die Polizei die 30-jährige Mutter – erstochen. Sie nimmt den 40-jährigen Ehemann der Getöteten umgehend als Tatverdächtiger fest. Er sitzt nach Auskunft von Sandra Zuber, Mediensprecherin der Staatsanwaltschaft, nach wie vor in Untersuchungshaft. «Er konnte in der Zwischenzeit befragt werden», erklärt Zuber auf Anfrage der az. «Er ist nicht geständig.»

Andere Personen stehen nicht im Fokus der Ermittlungen: Der Ehemann wird laut Zuber als einziger der Tat verdächtigt. Wann die Untersuchungen abgeschlossen werden, ist offen. «Es können zum jetzigen Zeitpunkt keine Prognosen über den Abschluss der Ermittlungen gemacht werden», so Zuber.

Trauerfeier für die ermordete Mutter

Trauerfeier für die ermordete Mutter

Kinder besuchen Schule im Heim

Die drei Kinder im Alter von 7 bis 13 Jahren leben seit dem Tod ihrer Mutter in einem Kinderheim. Hier können sie bis zu einem halben Jahr bleiben. «Den Kindern geht es den Umständen entsprechend», sagt Gemeindeschreiber Urs Treier, der in regelmässigem Kontakt mit dem Heim und der eingesetzten Beiständin steht. «Sie werden gut betreut, erhalten psychologische Hilfe und besuchen seit einigen Wochen den Kindergarten respektive die Schule im Heim.»

Treier weiss aber auch: «Für die längerfristige Verarbeitung des Geschehenen ist es wichtig, dass für die Kinder ein guter Platz in einer Pflegefamilie gefunden wird.» Darum bemüht sich die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) zusammen mit der Beiständin. Treier erlebt die Zusammenarbeit als «konstruktiv und gut». «Die Kesb reagierte sofort. Vom ersten Moment an stand das Wohl der Kinder im Mittelpunkt.»

Ziel ist es, für die drei Kinder möglichst schnell einen guten Pflegeplatz zu finden. «Dies ist aber mit ihrer Vorgeschichte nicht einfach und braucht seine Zeit», weiss Treier. Diese müsse man sich nehmen, denn: «Die Anforderungen an die Pflegefamilie sind hoch.» Derzeit werden verschiedene Optionen geprüft.

Familiendrama in Gipf-Oberfrick: Ein afghanischer Asylbewerber ersticht seine Ehefrau. (Tele M1, 4.11.2015)

Familiendrama in Gipf-Oberfrick: Ein afghanischer Asylbewerber ersticht seine Ehefrau. (Tele M1, 4.11.2015)

Pflegeplatz in der Region gesucht

Eine Prognose, bis wann ein Platz gefunden ist, wagt Treier nicht. Denn: Geeignete Pflegeplätze sind rar. Ziel sei es, für die Kinder wenn möglich einen Platz in der Region zu finden – und vor allem: einen Platz, an dem sie zusammen bleiben können. Hier ist Treier «guten Mutes», dass sich eine Familie findet, die alle drei Kinder aufnimmt.
Mit einer Rückschaffung der Kinder ins Heimatland – auch die Kinder haben den Asylstatus F, sind also nur vorläufig aufgenommen – rechnet Treier indes nicht. «Sie leben seit insgesamt fünf Jahren in der Schweiz und haben zu Afghanistan kaum mehr Bezugspunkte.»

Kostenfrage noch offen

Offen ist derzeit noch, wer die Kosten für die Heimunterbringung und später für den Pflegeplatz trägt. Die drei Kinder der ermordeten Afghanin sind nach wie vor in Gipf-Oberfrick angemeldet und somit ist die Gemeinde weiterhin zuständig.

«Wir haben die Kostenfrage beim Kanton deponiert und gehen davon aus, dass er die Kosten in diesem speziellen Fall vollumfänglich übernehmen wird.» Das gilt auch für die Zeit nach dem Heimaufenthalt, denn auch diese Aufwendungen muss im Normalfall jene Gemeinde tragen, in welcher die Kinder zum Zeitpunkt des Erstentscheides ihren Wohnsitz hatten.

Meistgesehen

Artboard 1