Mumpf

Der Dorfschullehrer hat das Theaterstück 1914 geschrieben

Bringen die Vergangenheit kurzzeitig zurück in die Gegenwart: Andreas Waldmeier, Emilio Marono, Peter Kaufmann, Paul Güntert und Gerhard Trottmann.

Bringen die Vergangenheit kurzzeitig zurück in die Gegenwart: Andreas Waldmeier, Emilio Marono, Peter Kaufmann, Paul Güntert und Gerhard Trottmann.

Das Team vom Mumpfer Dorfmuseum «Alter Dreschschopf» lädt zum Unterhaltungsabend wie vor 100 Jahren ein. Gezeigt wird auch das Theaterstück «Dr Höseler» von Siegfried Wunderlin. Insgesamt sieben Stücke hat der Autor auf die Schweizer Bühnen gebracht.

«Die Wurzeln vom Dorf bewahren. An diese Wurzeln erinnern.» Das, so Gerhard Trottmann, ist die Aufgabe des Teams vom Dorfmuseum «Alter Dreschschopf» in Mumpf. Der Begriff Museum täuscht. Gerhard Trottmann und seine Mitschaffer lassen das Vergangene in spezieller Form lebendig werden.

Vor 100 Jahren hat der Mumpfer Dorfschullehrer Siegfried Wunderlin das Theaterstück «Dr Höseler» herausgegeben. In Erinnerung an den Schauspielautor wird das Museumsteam nun genau mit diesem Lustspiel «in zwei Bildern» am 24. und 25. Januar 2015 zu Unterhaltungsabenden wie vor 100 Jahren einladen. Das beginnt bereits mit dem Eintrittspreis. «Anhand von alten Zeitungsinseraten haben wir herausgefunden, dass vor 100 Jahren der Eintritt zum Wallbacher Turnerabend 80 Rappen gekostet hat», erklärt Gerhard Trottmann. Das ist für heutige Zeiten doch etwas sehr wenig, deshalb haben sich die Verantwortlichen für den nach wie vor niedrigen Eintritt von 5 Franken geeinigt.

Wie früher üblich wird an den Theaterabenden als kulinarische Bereicherung ein einfaches Schübligessen offeriert. Hierzu sagt Museums-Mitglied Ernesto Marono: «Der Schüblig bestand aus Rindsfleisch mit grossen Speckstücken.» Mit Metzger Müller aus Stein hat er einen Fachmann gefunden, der die zirka 20 Zentimeter lange, leicht gebogene und geräucherte Wurst ähnlich wie jener vor 100 Jahren herstellen kann. Um auch genügend Würste anbieten zu können, sind die Organisatoren darauf angewiesen, dass die Essen vorangemeldet werden. «Die Idee besteht, den Dresch-Flegel nach dem Unterhaltungsabend zu vermarkten», so Gerhard Trottmann.

Lieder aus der damaligen Zeit

Nicht nur das Auge, die Lachmuskel und der Gaumen werden an den beiden Januarabenden verwöhnt. Autor Siegfried Wunderlin gehörte zu den Mitbegründern des Männerchors. Und so werden zurzeit vom Mumpfer Männerchor Lieder aus der damaligen Zeit einstudiert.

Geboren (1858) und aufgewachsen ist Siegfried Wunderlin in Mumpf. Von 1874 bis 1878 besuchte er in Wettingen das Lehrerseminar. Er unterrichtete an verschiedenen Schulen. Kam 1889 als Gesamtschullehrer in seine Heimatgemeinde. 1902 wechselte an eine andere Schule, um dann 1921 wieder nach Mumpf zurück zu kehren. Als 70-Jähriger beendete Wunderlin seine Schultätigkeit.

Sehr viel Zeit und Arbeit investierte der Mumpfer in die Kultur. Er spielte Geige, half mit, den Männerchor Mumpf zu gründen. Dirigierte diesen dann auch. Daneben schrieb er Theaterstücke mit geschichtlichen und gesellschaftskritischen Inhalten. Die insgesamt sieben Stücke erhielten schweizweit begeisterte Kritiken. Wunderlin war auch Redaktor. «Und zwar bei der Sonntags-Zeitung von Mumpf, Laufenburg und Möhlin», lacht Gerhard Wunderlin. Die Zeitung wurde extra für die Kurgäste der drei Gemeinden herausgebracht.

Die Theatergäste dürfen gespannt auf einen Abend sein, der sie 100 Jahre zurück in die Vergangenheit führen wird.

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