Henning Hülsmeier hat ein Auge für das Schöne in der Welt. Aufgewachsen ist der 72-Jährige in Husum in Nordfriesland. In Mainz und London hat er Soziologie und Medizin studiert.

Nach dem Abschluss seines Studiums hat er in verschiedenen psychiatrischen und psychotherapeutischen Kliniken in Deutschland und der Schweiz gearbeitet – 18 Jahre davon in Rheinfelden als Chefarzt der Klinik Schützen. 2005 wurde er pensioniert. «Ich habe gerne und intensiv als Arzt gearbeitet. Und ich habe immer gerne fotografiert», sagt er.

Seit seinem elften Lebensjahr hält Hülsmeier sein Umfeld mit der Kamera fest, etwa auch während der Studentenbewegung der 60er-Jahre. Lange Zeit beschränkte er sich auf Schwarz-Weiss, abgesehen von wenigen farbigen Dias.

Hülsmeier erklärt: «Meine erste Ausstellung 2008 im Schützen war recht erfolgreich. Mit dem Erlös aus den verkauften Bildern konnte ich mir eine hochwertige Digitalkamera kaufen. Das passt mittlerweile besser zu mir, ich bin ja auch nicht mehr der Jüngste.»

Die körperlich oft anstrengende Entwicklung in der Dunkelkammer fällt bei der Digitaltechnik weg.

Eindrückliche Intensität

«Ich habe die Arbeit im Labor zunehmend gescheut. Die digitale Fotografie bietet mir wundervolle Möglichkeiten. Ich kann mit der Kamera ganz andere Dinge verdeutlichen.» Hülsmeier meint damit vor allem die Farben. Manche seiner Bilder sind von einer brillanten Farbigkeit, andere zeigen in sanften Tönen wundersame Winterstimmungen.

Mittlerweile ist er fast vollständig auf Farbfotografie umgeschwenkt, nur noch selten macht er schwarz-weisse Aufnahmen mit seiner analogen Kamera. Ein buchstäblich leuchtendes Beispiel ist das Bild «Russisches Osterfest», aufgenommen in einem Konstanzer Schrebergarten.

Eine ältere Frau ist darauf zu sehen, an einem grauen Frühlingstag. Der Himmel ist bedeckt, doch die Farben der Blumen, der aufgehängten Ostereier und der Gartenlauben strahlen in eindrücklicher Intensität.

Aus einfachsten Motiven macht Hülsmeier anspruchsvolle Kunst. Einige Fotografien wirken wie gemalt. Auf einem Bild von Hülsmeiers Hund Max am Ufer des Bodensees leuchten der grüne Lindenbaum, der gelbe Sandstrand und das Blau des Sees vom Überfluss des Lichts.

Ganz im Gegenteil zu einem Werk mit dem klingenden Titel «Winterhafen». Das Bild vom gefrorenen Hafen in Ermatingen erinnert an französische Impressionisten. Es strahlt eine sanfte Ruhe aus.

Hülsmeier hat rund um die Welt fotografiert. Bilder aus England, Madeira, New York, Südamerika oder Hongkong zeugen von seinen weiten Reisen. Immer wieder aber tauchen Motive aus der Heimat auf.

Henning Hülsmeier lebt mit seiner Frau Gisela in Konstanz. Der Bodensee wirkt wie ein Angelpunkt in seinem Schaffen. Er stellt fest: «Was mich besonders zum Wahrnehmen und Aufnehmen bringt, ist das Zusammentreffen von Menschen und ihrer Umgebung.

Dabei kommt es im guten Fall zu einer surrealistischen Überhöhung. Nur manchmal halte ich eine Landschaft fest, oder ein schönes Licht. Ich will vor allen Dingen zeigen, wie die Leute im Leben zurechtkommen.»

Die Ausstellung «Überwiegend farbig» im Hotel Schützen ist täglich bis zum 11. April geöffnet, der Eintritt ist frei.