Bergwerk

Der Berg ruft! So weit sind die Arbeiten im Stollen Herznach

Schautafeln im Stollen zeigen, wie die Arbeiter zwischen 1937 und 1967 im Bergwerk Herznach Eisenerz abgebaut haben.

Schautafeln im Stollen zeigen, wie die Arbeiter zwischen 1937 und 1967 im Bergwerk Herznach Eisenerz abgebaut haben.

Der Bergwerksstollen in Herznach wird der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Am Bergwerkfest am Wochenende zeigt der Verein, wie weit die Arbeiten fortgeschritten sind.

Ein Schwall feucht-kühler Luft strömt einem entgegen, als Geri Hirt, OK-Präsident des Bergwerkfestes vom kommenden Wochenende, das schwere Tor zum Stollen öffnet. Es ist die Türe in eine andere Welt, in den Untergrund, wenn man so will, an den Ort, an dem zwischen 1937 und 1967 Hunderte von Arbeitern, viele aus dem Fricktal, Eisenerz abgebaut haben. Ein mühseliger, harter Job.

Nicht weniger mühselig ist die Arbeit, die sich der Verein Eisen und Bergwerke vorgenommen hat: Er will einen Teil des einst 32 Kilometer langen Stollensystems freilegen und für Besucher zugänglich machen.

Dafür kann der Verein auf viele Freiwillige zählen, die samstags, in ihrer Freizeit, den Stollen Meter um Meter freilegen. «Kein Schoggijob», weiss Hirt, der dankbar ist, dass so viele an die Vision des Vereins glauben und an ihr mitarbeiten, dass so viele für die gute Sache die Ärmel hochkrempeln und «chrampfe», wie er sagt.

Ein bisschen unheimlich und sehr faszinierend: Der Gang in den Stollen.

Ein bisschen unheimlich und sehr faszinierend: So sah es 2016 im Stollen aus.

Wie Hirt sind sie überzeugt: «Das Bergwerk ist ein einzigartiger Industriezeuge in der Nordwestschweiz und muss unbedingt erhalten werden.»

Zur Vision gehört auch, dass die Stollenbahn dereinst wieder tief in den Bergwerkstollen hineinfährt. Zudem will der Verein im Hauptstollen, rund 200 bis 250 Meter tief im Berg, einen Arbeits- und Experimentierplatz für Schulen einrichten.

Eine erste Stollen-Etappe konnte der Verein 2016 abschliessen; mit einem grossen Bergwerksfest, dem insgesamt vierten, wurde damals tüchtig gefeiert, dass die ersten 70 Meter Stollen wieder für Besucher zugänglich sind.

Seither haben die Vereinsmitglieder weitergearbeitet, haben weitere rund 50 Meter Stollen freigeräumt und den Stollen abgesichert. Dies geschieht mit Ankern und Spritzbeton. Zudem wurde die ganze Stromerschliessung erneuert. Das sei vordringlich gewesen, so Hirt.

200 Meter Stollen freiräumen bis 2020

Insgesamt umfasst die zweite von vier Etappen, die der Verein bis 2020 umgesetzt haben will, die Freiräumung von gut 200 Metern Stollen. Gleichzeitig soll die Bergwerkbahn bis an den Stolleneingang herangeführt werden. Geplant sind in dieser Etappe auch eine Neugestaltung des Eingangsbereichs sowie der Einbau von WC-Anlagen und Garderoben.

Die Kosten für die zweite Etappe beziffert Hirt mit rund 620 000 Franken. Daran steuert der Kanton 250 000 Franken aus dem Swisslos-Fonds bei. Dies zeigt, dass er dem Projekt einen hohen Stellenwert beimisst. Den Rest will der Verein mit Eigenleistungen, Sponsorenbeiträgen und dem Bergewerkfest vom Wochenende zusammenbringen. «Wir wollen den Besuchern zeigen, welchen Fortschritt wir seit dem letzten Bergwerkfest erzielt haben», sagt Hirt. Man spürt aus seinen Worten heraus: Er und seine Mitstreiter sind mit Herzblut dabei, sind stolz auf das Erreichte. Das dürfen sie auch sein.

Bieten will der Verein den Festbesuchern am Samstag und Sonntag ein Fest, das alle Sinne anspricht, ein Fest für Jung und Alt. «Wir haben für alle etwas dabei», verspricht Hirt. Eine Attraktion ist die Bergwerkbahn, die über rund 750 Meter zum Hauptfestplatz führt. Ein weiteres Highlight ist eine Seilakrobatik-Show der Turnerinnen und Turner des TV Herznach rund um das Silo am Samstagabend. Zudem werden an den zwei Festtagen auf den beiden Bühnen 14 Musik- und Gesangsgruppen auftreten.

Passend zum Bergwerk, in dem Eisenerz abgebaut wurde, zeigen auf dem Gelände auch fünf Eisenkünstler ihre Werke. Ein Regionalmarkt und ein Klopfplatz für Kinder runden das Angebot ab. Und natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt – eine Bar befindet sich sogar tief im Stollen.

Mit dabei: FCB-Legende Karli Odermatt

Offiziell eröffnet wird das Fest am Samstag um 11 Uhr mit Ansprachen von Grossratspräsidentin Renata Siegrist, Thomas Pauli, Abteilungsleiter Kultur beim Kanton, und Gemeindeammann Thomas Treyer. Dann geht es rund zu und her: FC-Basel-Legende Karli Odermatt wird beim Stollen den «goldenen Schuss» abfeuern, wie es im Programmheft heisst.

Hirt freut sich auf das Fest. Er hofft auf gutes Wetter – danach sieht es derzeit aus – und auf viele Besucher. «Wir möchten unsere Bekanntheit auch in anderen Regionen erhöhen», sagt er. Deshalb habe man das Fest auch breit beworben. Es soll «ein stilvolles Fest» werden, «an das die Besucher noch lange zurückdenken».

Für die Vereinsmitglieder geht es danach «zurück in den Stollen». Sie werden weiter, Samstag für Samstag, die Gänge freischaufeln – immer die Vision vor Augen, die stillgelegten Stollen bis 2024 in ein lebendiges Besucherbergwerk zu verwandeln.

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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