Fasnacht

Der Ammann auf dem Bagger: Das sind die besten Fricktaler Schnitzelbänke

Die Rheinfelder Roothuus-Schnäpfe schiessen unter anderem scharf gegen die Nachbargemeinde Möhlin.

Die Rheinfelder Roothuus-Schnäpfe schiessen unter anderem scharf gegen die Nachbargemeinde Möhlin.

Sie gehören zur Fasnacht wie Konfetti, Guggenmusiken und Umzüge: die Schnitzelbänkler. In den Fasnachtshochburgen des Fricktals sind über ein Dutzend Bänke unterwegs. Sie nehmen das Weltgeschehen aufs Korn, haben aber auch einen scharfen Blick für die lokalen Aktualitäten. So singt etwa Fridolin aus Ryburg zu der gemeinsamen Bewerbung als Mittelschulstandort aus Rheinfelden und Möhlin:

«Rhyfäle-Meli düent sich zääme, um e Gümnasium z’kriege

Do säg ich nur, in dr Not frisst dr Teufel Fliege

De Plan vom Mazzi und vom Böni find ich iioo,

z’Rhyfälde stiegt eso, s Billdigs-Niwo.»

Gemeinsame Gymnasiumspläne hin oder her: Zwischen Möhlin und Rheinfelden herrscht seit je her eine gewisse Rivalität – die besonders an der Fasnacht gerne und provokant ausgelebt wird. Gegenseitige Sticheleien gehören dazu, auch in den Schnitzelbänken. So sind die Rheinfelder denn auch nicht um eine Antwort verlegen. In Erinnerung an das Tiefgaragen-Projekt im Möhliner Dorfzentrum und die Absage an der Urne dazu, reimen die Rheinfelder Roothuus-Schnäpfe:

«Au z’Möhli händ si öpis plant und eus hets fascht verhaue.

Die händ tatsächlich dört es riese Parkhuus welle baue.

Wieso, worum, was isch dr Grund? Mir sind no fescht am sueche,

denn wer um alles i dr Wält, will sones Kaff go bsueche?»

Das Tiefgaragen-Projekt kommt in gleich mehreren Bänken vor. Auch die Schüfeli und Wüscherli singen davon. Sie haben dazu sogar ein mehrstrophiges Liedchen geschrieben. Im Mittelpunkt stehen Gemeindeammann Fredy Böni und ein Bagger. Ein Ausschnitt aus dem Lied:

«Er heig e Traum und de sig e so

er well bevor er goht dass sie Denkmol stoht

de Traum heig sich zerchlage vehemmt

drumm nehm er das ganze jetz sälber i d’Händ

und er gäng mitem Bagger uf d’Allmänd

es isch de Fredy mitem Bagger und er baggert noch

er baggert am Tiefgarageloch

es isch de Fredy mitem Bagger und er baggert noch

am Tiefgarageloch

die Grüene hei kei Witblick das weiss me doch

seit de Fredy mitem Bagger und er baggert noch

er baggert am Tiefgarageloch

es isch der Fredy mitem Bagger und er baggert noch

am Tiefgarageloch.»

Die Zwitscheriduus unterstellen Böni währenddessen spasseshalber, er werde den Tiefgaragenbau à la Trump erzwingen:

«De Böni Fredy schliesst jetzt d’Gmei

Und schickt alli Beamte hei

Denn twittert er ganz churz und knapp: de Shutdown blibt solang

Bis ich mini Tiefgarage denn doch no baue chan.»

Die Moraltante dagegen beschäftigt sich nicht mit der Tiefgarage, sondern mit Erdlöchern anderer Art:

«A der Industrie-Umfahrig – gnau Bäumlimatt 3c

fehlt e Sanitäralag – für d Fahrer vo de LKW

zum Glück, die Stross het Löcher – das muess so sy, die mue me loh,

das chunnt eus gläge, denn das sy die neuschte Robi-Schofför-Klo.»

In Rheinfelden sorgt hingegen die nach wie vor darbende Altstadt und die scheinbare Überflut an CoiffeurGeschäften für spitze Bemerkungen. Beim Lüüchtturm tönt das so:

«De Schlüssel isch ändgültig zue

Vo dem Spunte hämmer Rue

Fürd Stadt ischs toll duet de Fritz höre

So gits meh Platz für me Guafföre.»

Das Dilemma mit der Altstadt ist sogar einem Auswärtigen nicht verborgen geblieben. Der Zeininger Bönigeischt singt nämlich:

«zRhyfälde herrscht wieder emol dr Grössewahn

die rüefe jetzt e City-Mänätscher ufe Plan

Was sell denn de dört mache – das isch doch s Hinterletschte

wos kei City git – dört chasch au nüt mänätsche

Ich ha mi trotzdem beworbe – ohni z übertriebe

uf em Helge gsender mis Bewärbigsschriebe

Wie z erwarte han ich denn e Absag kassiert

leider sig ich für de Job komplett überqualifiziert.»

Standortmarketing ist auch in Laufenburg ein Dauerthema – wenn es auch nicht immer ganz wunschgemäss klappt. Davon berichtet jedenfalls der Salzstreuer aus dem Ortsteil Sulz:

«S’Schtandortmarketing das esch verbie

Wie mached mir dänn jetz Werbig wie

D’Lösig isch de Fussballclub d Juniore B

Die chasch nämmlich uff allne Fernsehsänder gseh

Doch leider hend sie s falsch verstande

Wo si of de Gegner los send gange

Mir wend neui Lüüt do ha wo Laufeburg gniesse

Und nid, das en huufe Boxclüb zom Bode us schiesse.»

Besseres Marketing für Laufenburg hat da wohl René Leuenberger mit seinem Auftritt in der SRF-Sendung «Mini Schwiiz, dini Schwiiz» von Anfang Jahr betrieben. Dieser Meinung sind gleich mehrere Schnitzelbänkler. So singen etwa die Laufenburger Spatzen davon und auch die Salm-Tratschä finden lobende Worte:

«Mini Schwiiz und dini Schwiiz

Die neui Trend-Serie

De Leueberger René war mit Laufeburg debii.

Er hät e super Wärbig gmacht und viel vom Städtli zeigt

D’Punktzahl die war nit die höchscht,

doch mit Dank mer sich verneigt.»

Ansonsten nehmen die Laufenburger Schnitzelbänkler eher die schwierigen Themen auf, die das vergangene Jahr dem Städtli gebracht hat. Die Querelen um den Standort des Gesundheitszentrums Fricktal etwa, die Diskussionen um die Passerelle, die Baustelle auf der Winterthurerstrasse und die langen Rückstaus oder die – nach Meinung mehrere Bänkler wie Wunderkram oder Salm-Tratschä – eher spärliche Weihnachtsbeleuchtung und -dekoration. Geärgert haben sie sich auch über den Hundekot auf den Strassen. So etwa der Böögg:

«Gosch emoll im Schtädtle go schpaziere

Muesch di in acht ne, wo de duesch marschiere

Wenn hei chonsch, ziesch am beschte d’Schue scho vor de Tööre ab

Denn du weisch nie wo besch inetappt

Denn bald jede – Hinz und Kunz

Het en Hund oder au zwee

Hundekack und Hundebrunz

Chasch a jedem Egge gsee.»

Probleme tierischer Natur haben auch die Schnitzelbänkler in Kaiseraugst festgestellt. So singen die Waldhäxe zur Wiedereröffnung des Landgasthofs Adler:

«Dr Storch chunnt zrugg us Afrika will s Dorf vill bietet,

doch s Adlernäscht do findsch das Johr ä kein wo s mietet,

äs sig halt müehsam ghörsch do us äm Storchelager,

denn mit drei Mittagsmenü sig d Verpflägig mager.

***

Wennd ä rächti Uswahl willsch kriege, muesch jedesmol in d Rewag fliege.»

Noch nicht genug? Hier gibt es noch mehr Schnitzelbänke aus dem Fricktal:

Autor

Nadine Böni

Nadine Böni

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