Hellikon
Den «Totenapfel» vor dem Aussterben gerettet

Die Apfelsorte wird für die Nachwelt erhalten. Dafür sorgte Naturschutzberater Amandus Brogle. 16 Jungpflanzen wurden rechtzeitig vor Frosteinbruch geerdet.

Peter Rombach
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Amandus Brogle (links) bei der Pflanzaktion im Stygli mit dem Loch grabendenRichard Birrer und dessen Sohn Cyrill. ach

Amandus Brogle (links) bei der Pflanzaktion im Stygli mit dem Loch grabendenRichard Birrer und dessen Sohn Cyrill. ach

Der Helliker Naturschutzverein lancierte vor fast zwei Jahren ein ungewöhnliches Projekt: Die fast in Vergessenheit geratene Apfelsorte «Helliker Totenapfel» sollte der Nachwelt erhalten bleiben. Dank grossem ehrenamtlichen Engagement gelang es, in Zusammenarbeit mit einer Baumschule das Erbmaterial zu sichern und die erforderliche Nachzüchtung zu realisieren.

Zwei Bäume im Biotop

Keine Frage, dass sich Naturschutzberater Amandus Brogle riesig freut. Die Aargauer Zeitung trifft ihn an diesem Herbsttag im «Stygli», jenem Areal am Dorfausgang in Richtung Zuzgen, wo schon vor Jahren eine erfolgreiche Bachrenaturierung mit angrenzendem Weiher für Aufmerksamkeit sorgte. Künftig stehen auf der Wiese dieses kleinen Biotops auch zwei Totenapfel-Bäume.

«Heute pflanzen wir auf das Dorfgebiet verteilt insgesamt 16 Bäume», verrät Amandus Brogle, ehemals auch Präsident des Naturschutzvereins. «Die zweite Tranche gibt es dann im Herbst 2016 mit 20 Bäumen», strahlt er Optimismus aus. Dass auch vor das Gemeindehaus und beim neuen Spielplatz ein Exemplar gepflanzt werden darf, freut ihn. «Wir sind alle auf die Entwicklung gespannt.»

Drahtgeflecht gegen Mäuse

Sorgfalt ist allerdings notwendig, denn einfach mit einem Loch buddeln für den jungen Baumsprössling ist es nicht getan: Das Wurzelwerk muss in ein spezielles Drahtgeflecht gepackt werden, damit keine Mäuse daran knabbern können. Ist dann Erde darauf geschüttet und verfestigt, bekommt das Baumstämmchen, zur Stabilität an einen in den Boden gerammten Pfahl angebunden, noch eine grüne Schutzhülle gegen möglichen Wildverbiss. Sensible Arbeiten also, die Richard und Cyrill Birrer im Stygli ausführen.

«Die Freiwilligenarbeit ist unschätzbar», so Brogle. Diesbezüglich kann er sich auf eine treue Helferschar im Verein verlassen, der sich mit rund 1000 Franken an der Aktion finanziell beteiligt; weitere Kosten übernehmen Sponsoren. «Zur Rettung des Helliker Totenapfels war es fünf vor zwölf», räumt Brogle ein. Sichtlich stolz berichtet er eher nebenbei, dass im vergangenen Frühling zwei Baumexemplare nach Cuxhaven an die deutsche Nordseeküste an einen Obstbaumliebhaber verschickt werden durften.

«Pro Specie Rara» in Basel, die Schweizerische Stiftung für die kulturhistorische und genetische Vielfalt von Pflanzen und Tieren, führt das Helliker Unikum bereits in einem Sortenblatt auf und liefert in einem Minidossier schon Charakteristisches mit: «Mittelstark wüchsig, für Hochstamm geeignet; Frucht klein, gelbgrün, Deckfarbe dunkelrot gestreift und geflammt; Fleisch fest grobzellig, trocken, harmonischer Geschmack; pflückreif etwa im Oktober.» Amandus Brogle warnt gleich mal schmunzelnd vor Euphorie: «Das ist ein schöner Mostapfel, aber weniger für Tafelobst geeignet.»

Sagen um einen Apfel

Dass sich um den Totenapfel auch Sagen oder Historien ranken, weiss Brogle. Der Ortshistoriker Richard Müller habe nachgeforscht, in der umfangreichen Orts-Chronik zum 800-jährigen Bestehen von Hellikon 2009 werde der Apfel erwähnt. «Vielleicht erhielt er seinen Namen im Gedenken an das schlimme Schulhausunglück.» Zur Erinnerung: An der Weihnachtsfeier im Jahr 1875 stürzte das Treppenhaus der zehn Jahre zuvor erbauten Schule ein; dabei kamen 76 Menschen ums Leben, die meisten davon Kinder.

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