Pro Natura Aargau sieht ein wertvolles Geotop in den Löchern, will sichere Zugangsmöglichkeiten für Schaulustige realisieren, doch der Zentralverband in Basel blockiert derzeit die Initiativen. An einer Podiumsveranstaltung zeigte sich die Helliker Frau Gemeindeammann Kathrin Hasler abwartend.

Ein mystischer Ort, wie ihn die Helliker Löcher auf dem Berg oberhalb des Dorfes im Wegenstettertal darstellen, eignet sich vorzüglich für Darstellung und Analyse von Gefahrenpotential. Befinden wir uns in einer «Hochsicherheitsgesellschaft» und mangelt es an persönlichem Mut, sich mit Gefahrenpotenzialen auseinanderzusetzen? Mit dieser Fragestellung beschäftigte sich am Samstagabend eine von Pro Natura Aargau und vom SRF arrangierte Podiumsdiskussion unter Leitung von Stefan Ulrich im Freien unterhalb der schon seit Dezember 2009 berühmten Erdeinbrüche.

Plötzlich öffnet sich die Erde

Der Standort lieferte Inspiration und auch ein Phänomen vor Ort, weil sich dort plötzlich die Erde öffnete. Die Gesprächsteilnehmer kamen rasch auf den Punkt von «Sicherheitswahn» in unserer Gesellschaft. Kantonstierärztin Erika Wunderlin erinnerte an eine von Medien ausgelöste Hysterie angesichts einer drohenden Vogelgrippe: «Killerenten im Anflug», hatte es mal geheissen. Oft werde Angst geschürt, denn: «Sicherheit ist für manche Industriezweige ein lohnendes Geschäft, wir werden manipuliert.»

Marcel Murri, Leiter der Sektion Walderhaltung im Aargauer Departement Bau, Verkehr und Umwelt, warnte vor einem «übersteigerten Sicherheitsbewusstsein», appellierte an «gesunden Menschenverstand» im Umgehen mit der Natur und deutete eher ironisch auf die «Wahrscheinlichkeitsrechnung» hinsichtlich zu erwartender Ereignisse; dass einem beispielsweise ein Baumast beim Spaziergang auf den Kopf knallt.

Umgang mit Sicherheiten

Johannes Jenny, Geschäftsführer von Pro Natura Aargau, hielt in diesem Zusammenhang fest, dass der «Umgang mit Unsicherheiten» das Problem darstelle. «Da haben viele grauenhaft Schiss», versuchte er auch am Beispiel der Helliker Löcher darzustellen und schloss Behörden in seine Grobanalyse mit ein. Und er liess die Katze aus dem Sack: Die Zentrale in Basel wolle nicht, dass solch ein Geotop begehbar gemacht wird. «Da wird es noch Verhandlungen geben müssen», hofft er auf einen Meinungswandel. «Hier findet Geologie live statt», wirbt er für das Projekt, die Löcher auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Die Scheu vor Kostenrisiko und Haftungsfällen passe in die Hochsicherheitsgesellschaft, bedauerte er.

Klartext sprach Urs Graf, Chef der Aargauischen Gebäudeversicherung, indem er vor «Überregulierungen» warnte: «Hundert Prozent Sicherheit ist ein ökonomischer Blödsinn.» Und er nannte eher ketzerisch ein Beispiel: Die verordnete Revision von Feuerlöschern sei sinnlos und beschere nur der Branche einen Umsatz von jährlich 200 Millionen Franken. Grundsätzlich müsse man Gefahren kennen, um damit dann auch richtig damit umzugehen, lautete sein Credo.

Gemeindeammann Kathrin Hasler warnte davor, das geologische Ereignis «übersteigert» anzuschauen und verwies auf Äusserungen älterer Mitbürger, dass rund um Hellikon schon früher solche Löcher entstanden seien. Schmunzelnd hielt sie fest: «Wir sind eine Landgemeinde in schöner Umgebung und können die Löcher vielleicht auch touristisch nutzen.»