«Der Neubau ist auf Kurs», freut sich Jean-Paul Schnegg, Geschäftsleiter der Stiftung MBF, die Menschen mit Behinderung an verschiedenen Standorten im Fricktal betreut. Für rund 18 Millionen Franken entsteht am Sitz in Stein ein Neubau. Darin werden künftig 38 Menschen mit Behinderung in sechs Wohngruppen wohnen. Zudem werden in einem der Gebäude drei Ateliers mit je acht Plätzen eingerichtet.

«Wir können den Terminplan einhalten», sagt Schnegg. Damit wird der Neubau im Mai 2019 eingeweiht und ab Juni bezogen. «Der Neubau ist für uns enorm wichtig», so Schnegg. Denn er ermöglicht der Stiftung MBF, auf die Verlagerung der Bedürfnisse zu reagieren. Hier stellt Schnegg zwei Trends fest: Zum einen gibt es mehr Menschen, die eine Teilbetreuung benötigen. «Sie wohnen selbstständig zu zweit oder dritt in einer Wohnung und beziehen Leistungen von uns.» Dafür hat die Stiftung in Rheinfelden, Möhlin und Eiken Wohnungen gemietet. «Aktuell decken diese Wohnungen den Bedarf», sagt Schnegg. Er ist sich aber sicher, dass das teilbetreute Wohnen künftig an Stellenwert gewinnen wird. «Hier sind wir flexibel. Steigt der Bedarf, mieten wir weitere Wohnungen.»

Mehr ältere Bewohner

Zum anderen gibt es mehr Menschen, die viel Betreuung brauchen. Dies hat zwei Gründe. Erstens werden Menschen mit Behinderung älter als früher. Zweitens kommen die Menschen mit Behinderung, die seit dem Start der Stiftung vor 44 Jahren dabei sind, langsam in ein Alter, in dem sie mehr Betreuung benötigen. Waren 2012 rund 10 Prozent der Bewohnenden und Mitarbeitenden der Stiftung MBF älter als 60, sind es inzwischen bereits rund 15 Prozent.

Solche zusätzlichen Betreuungsangebote – etwa eine dauernde Nachtwache – lohnen sich allerdings erst ab einer gewissen Grösse. «Mit gesamthaft 56 Wohnplätzen erreichen wir in Stein eine Grösse, in der es funktioniert», so Schnegg.

Die Räume der bisherigen Wohngruppen an der Rüchligstrasse werden nach dem Bezug des Neubaus saniert. Statt vier wird es hier noch drei Wohngruppen geben. «Dafür bauen wir eine Tagesstruktur für Menschen mit Behinderung und Demenz auf», so Schnegg.

In den Prognosen geht die Stiftung davon aus, dass die Zahl der Wohnplätze bis 2028 von aktuell 107 auf 135 steigen wird. Auch bei den Beschäftigungsplätzen rechnet Schnegg mit einer Zunahme von 91 auf 114. Die Zahl der geschützten Arbeitsplätze dagegen dürfte bei 120 bleiben. «Gerade Menschen, die teilbetreut werden, sollten die Möglichkeiten auf einen Arbeitsplatz in der Primärwirtschaft haben», sagt Schnegg. Ältere Menschen mit Behinderung sind für den höheren Bedarf an Wohnplätzen verantwortlich. Eine zweite Gruppe, die zunehmen wird, ist jene mit einer schweren Behinderung. «Sie benötigen keinen Arbeitsplatz, sondern einen in der Beschäftigung.»

Eine Veränderung hat Schnegg bei der Art der Behinderungen festgestellt. Das Down-Syndrom, das früher weit verbreitet war, sehe man heute seltener. «Dafür sieht man öfter Menschen mit einer doppelten Beeinträchtigung», so Schnegg. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn zu einer kognitiven eine körperliche oder psychische Erkrankung hinzukommt. Gegenüber die Gesamtbevölkerung stellt Schnegg prozentmässig kaum eine Veränderung fest. «Die Zahl der Menschen mit Behinderung nimmt seit Jahren gleichmässig zu wie das Bevölkerungswachstum.»

Insgesamt 250 Menschen mit Behinderung bietet die Stiftung MBF einen Wohn-, Arbeits- oder Beschäftigungsplatz. Fast 90 Prozent davon stammen aus dem Fricktal. «Wir sind eine Fricktaler Institution für das Fricktal», sagt Schnegg. Entsprechend verteilt sind die Wohngruppen. Das Logo der Stiftung MBF findet man an Häusern in Rheinfelden, Möhlin, Stein, Eiken, Frick, Kaisten, Laufenburg und Effingen.

«Das Haus in Effingen werden wir allerdings nicht behalten», sagt Schnegg. Dies sei mit der Abteilung Sonderschulung, Heime und Werkstätten des Kantons auch so vereinbart worden, als die Stiftung MBF 2014 die Führung des Hauses vom Verein Pinos übernommen hat. Die Bewohner ziehen im nächsten Jahr in den Neubau nach Stein. Danach wird das Haus noch gut ein Jahr weitergenutzt. «Während des Umbaus unserer beiden Häuser in Laufenburg wohnen die Menschen mit Behinderung in Effingen», erklärt Schnegg. In Laufenburg wird die Stiftung MBF zudem einen weiteren Bau für zwei Wohngruppen für 3,7 Millionen Franken bauen.

Ambulante Angebote?

Insgesamt investiert die Stiftung MBF rund 28 Millionen Franken in Neu- und Umbauten. «Dies ist nötig, damit wir die Stiftung in die Zukunft führen können», sagt Schnegg. Die grosse Herausforderung sei, die Angebote aufgrund der Entwicklung der Bedürfnisse immer à jour zu halten. «Wir müssen also richtig antizipieren, was in einigen Jahren wo benötigt wird.» Dazu gehört ebenfalls, sich Gedanken über neue Angebote zu machen. Dies auch, weil der Kanton auch im Behindertenbereich ambulante Angebote forciert. «Wir diskutieren intensiv darüber, was wir anbieten können.»

Intensiv Gedanken macht sich die Stiftung auch über die Zukunft der beiden heilpädagogischen Schulen mit rund 100 Schülern. Die Stiftung MBF wird im Sommer 2020 die Trägerschaft der Schulen in Frick und Rheinfelden übernehmen. Man sei derzeit daran, eine Ist-Analyse zu erstellen. Bis im Sommer 2019 soll dann klar sein, wie es weitergeht.

Mit der Übernahme der beiden Schulen deckt die Stiftung MBF nun das ganze Lebensfeld von Menschen mit Behinderung ab. Das sei sinnvoll, ist Schnegg überzeugt, betont aber auch: «Jeder Schüler ist nach der Schule frei, wohin er gehen will.» Er könne in die Stiftung MBF eintreten, müsse dies aber nicht.