Statt Zuhören ist Zuschauen angesagt, wenn Illustrator und Comiczeichner Diego Balli zum Filzstift greift, um an der Flipchart sein Können zu demonstrieren. Vor den Augen der verblüfften Schülerinnen und Schüler in der Aula des Oberstufenzentrums Fischingertal (OSZF) entsteht innerhalb weniger Sekunden eine Comicfigur. Im Auto sitzend und breit grinsend. «Hallo, ich bin Diego Balli», schreibt der Zeichner in die Sprechblase, «und von Beruf Illustrator.»

Alles fängt beim Scribble an

Was er als freischaffender Illustrator genau macht, zeigte Diego Balli während seiner zwei Lesungen am OSZF. Ob die Manga-Figur auf der Müesli-Packung, die Wanderer auf der az-Wanderkarte, der blaue Elch im Schulbuch oder die Gesichter von Jakob und Michelle, den Hauptfiguren im Comic «Dachsspur» – jedes Werk von Balli beginnt gleich. «Am Anfang zeichne ich einen ersten Scribble, mit Filzstift und ziemlich schnell», sagt Balli. Dann folgen detailliertere Versionen mit Bleistift.

Wichtigstes Instrument – neben Filzstift, Bleistift und Spitzer – ist dabei das Leuchtpult. «Darauf kann ich die Zeichnungen durchpausen und währenddessen gleich anpassen und überarbeiten», erklärt Balli den Schülerinnen und Schülern. Und anpassen und überarbeiten, das tue er oft. «Bei zwölf Zeichnungen kommt elfmal ‹Güsel› heraus und einmal etwas Gutes», sagt Balli. Erst wenn die Bilder dem Illustrator und Comiczeichner gefallen, kommt wieder der Filzstift zum Einsatz. Und schliesslich scannt Balli die Bilder und koloriert sie auf dem Computer.

Ein Jahr für einen Comic

Durchschnittlich ein Jahr arbeitet Balli an seinen Comics. Das war schon immer so: «Meinen ersten Comic zeichnete ich gemeinsam mit einem Kollegen im Alter von etwa zwölf Jahren», sagt Balli. An seinem ersten Werk habe er heute wohl noch mehr Freude als damals. «Auch wenn die Handlung – eine Entführung mit Beteiligung von Aliens – eher peinlich ist.»

Aus dem Buben, der leidenschaftlich zeichnete, ist inzwischen ein Profi geworden. Nach wie vor aber «lerne ich viel, indem ich Anderen genau zuschaue», sagt Balli. Davon können die Schülerinnen und Schüler am OSZF profitieren. Balli zeichnet gemeinsam mit ihnen das Gesicht einer Manga-Figur.

Angefangen beim eierförmigen Kopf – «unten spitzig, wenn ihr ein Mädchen zeichnet und rund, wenn es ein Junge sein soll» – über die Platzierung der Augen, bis hin zur richtigen Frisur und passenden Dicke des Halses. Die Schülerinnen und Schüler haben Spass daran, dem Profi genau auf die Finger schauen zu können. Nach dem Workshop zeigt sich auch Balli zufrieden: «Es war streng. Aber es gab Einige, die sich wirklich für meine Arbeit interessiert haben.»