Frick/Gipf-Oberfrick

Dem Papst die Hand geschüttelt: Fricktaler Ministranten machen eine Erfahrung fürs Leben

Die Ministranten aus Frick und Gipf-Oberfrick besuchten in Rom eine Papstmesse. Sechs von ihnen durften ministrieren.

Dem Papst die Hand schütteln, konnten noch nicht allzu viele Fricktaler. Zu den wenigen, die den Papst trafen, gehören seit einer Woche auch sechs Ministranten aus Frick und Gipf-Oberfrick sowie der Fricker Pfarreiseelsorger Ulrich Feger. Mehr noch: Die sieben durften am Sonntag vor einer Woche bei der Papstmesse mitmachen. «Die Ministranten waren vor der Messe schon nervös», blickt Feger zurück.

Doch der Reihe nach. Alle paar Jahre reist die Ministrantenschar aus Frick und Gipf-Oberfrick nach Rom, zuletzt 2015. In diesem Jahr machten sich wieder 28 Ministrantinnen und Ministranten aus den beiden Gemeinden, die zusammen eine Kirchgemeinde bilden, sowie vier Begleitpersonen nach Italien auf.

Ulrich Feger wollte ihnen ein besonderes Erlebnis bieten. Ein Kollege hatte ihm erzählt, dass er mit seinen Minis hautnah dabei sein durfte. Das wäre was, sagte sich Feger, suchte im Internet nach einer Kontaktadresse, wurde nach längerem Suchen fündig, nahm Kontakt mit dem zuständigen Monsignore auf. Das war Mitte August und es folgte «ein längeres Hin und Her per Mail», erzählt Feger.

Knapp zwei Wochen vor der Reise war dann klar: Es klappt. Allerdings mit zwei Einschränkungen: Erstens durften nur 6 der 28 ministrieren und zweitens mussten es Jungs sein; anders als in der Schweiz sind Mädchen im Ministrantendienst im Vatikan (noch) nicht an der Tagesordnung.

Den Ministranten, die dachten, sie nähmen als einfache Zuschauer an der Papstmesse teil, verriet Feger seine Überraschung erst am Abend vorher. Die Freude bei den sechs Ältesten, die ministrieren durften, war gross – die Enttäuschung, insbesondere bei den Mädchen, die leer ausgingen, ebenso.

Das Treffen auf dem Petersplatz – bloss: Wo?

Die eigentliche Probe am Samstag verpassten die Fricker, denn zu diesem Zeitpunkt sassen sie erst im Zug nach Rom. Sie sollten sich deshalb am Sonntag um 9 Uhr für eine kurze Einweisung auf dem Petersplatz einfinden, hatte der Monsignore Ulrich Feger per Mail geschrieben. Er lacht. «Eine nicht sehr genaue Ortsangabe für den Petersplatz.»

Dies bestätigte sich am Sonntag. Die Gruppe aus dem Fricktal war bereits um 7.30 Uhr auf dem Platz. Nachdem der Rest der Gruppe die Plätze im Zuschauerraum bezogen hatte, machte sich Feger mit den sechs Jungs auf die Suche nach dem Treffpunkt. Sein einziger Beleg, dass sie mitministrieren durften, war die Mail des Monsignore. «Wir wurden einmal rund um den Platz geschickt», so Feger.

Schliesslich erbarmte sich ein Schweizergardist nach einem prüfenden Blick auf das Mail und liess sie durch. Sie warteten beim Altar. Und warteten. Und warteten. Nichts. «Ich war mir bis dahin wirklich nicht sicher, ob es klappt», blickt Feger zurück.

Doch es klappte, die sieben wurden instruiert – die Minis sollten die Kerzen bei der Wandlung halten – und dann ging es in eine provisorische Sakristei im Petersdom, wo sie eingekleidet wurden und weitere Anweisungen erhielten. Eine war, nicht zu fotografieren. Wieder muss Feger schmunzeln. «Als ich dann während der Messe sah, dass auch viele Würdenträger Selfies schossen, machte ich dann doch ein paar Fotos.»

Plötzlich kam Papst Franziskus in die Sakristei, schüttelte jedem die Hand, zuerst den geweihten Würdenträgern, dann den Ministranten, kam auf die Fricker zu, lächelte, unentwegt. Feger, der sehr gut Spanisch spricht, redete den Papst in seiner Muttersprache an, überbrachte ihm die Grüsse der Ministranten.

Für zwei der Ministranten, Stefan Hochreuter und Leon Schmid, gab es dann noch einen Sonderauftrag: Sie durften dem Papst Messgewand und Stola reichen. Die Nervosität unter den Minis stieg, je näher die Messe kam, denn schliesslich wollten sie nichts falsch machen und die Fricktaler Delegation nicht blamieren.

Es ging alles gut. Die Messe, die rund zwei Stunden dauerte, «war eindrücklich», sagt Feger – und bei den sommerlichen Temperaturen auch schweisstreibend. «Wir hatten es im Vergleich mit den anderen noch gut», blickt Feger zurück.

Denn als sie die Gewänder in der Sakristei wieder auszogen, sahen sie: Die anderen Ministranten, rund ein Dutzend Italiener, waren samt und sonders in schwarzen Anzügen und mit Krawatten zum Dienst erschienen.

Nach der Messe schauten sich die sieben noch kurz den fast leeren Petersdom an, kehrten dann zu ihrer Gruppe zurück. Das grosse Gesprächsthema war die Messe in den Tagen danach allerdings nicht, «wohl auch aus Rücksicht darauf, dass nicht alle mitministrieren durften», glaubt Feger.

«Wie in einem Film, doch der Film war Wirklichkeit»

Das ändert nichts daran, dass das Treffen mit dem Papst bei den Minis einen ebenso tiefen wie bleibenden Eindruck hinterlassen hat. «Für mich war die Audienz sehr eindrücklich», sagt Leon Schmid. «Ich kam mir vor, wie in einem Film, doch der Film war Wirklichkeit.» Es sei ein atemberaubendes, unvergessliches Erlebnis «und ich bin so dankbar, dass ich dieses Ereignis erleben durfte».

Ähnlich sieht es Stefan Hochreuter. «Es war sehr eindrücklich, den Papst persönlich zu treffen.» Der Gottesdienst sei ähnlich wie zu Hause, nur viel grösser und eindrucksvoller. «Wir waren an Orten, an denen sonst niemand hinkommt.»

Die Messe regte aber auch zum Nachdenken an. Ein Ministrant ging nach der Messe zu Ulrich Feger, meinte nachdenklich: Wesentlich für das Christentum sei die Demut – «und hier dieses ganze Brimborium».

Am Tag nach der Messe kauften die Ministranten einen Stapel Postkarten, die sie nach Hause schicken wollten. Vor der Reise konnten alle Pfarreiangehörigen angeben, ob sie aus Rom von den Ministranten eine Postkarte erhalten möchten. Ein Ministrant kam zu Ulrich Feger, sagte: «Ich schreibe darauf: Diese Hand hat den Papst gegrüsst.»

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Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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