Laufenburg

Das Zirpen der Grillen und die Unsterblichkeitspillen

Ferruccio Cainero erinnerte sich an seine Kindheit und hatte Absurditäten des Alltags parat. ari

Ferruccio Cainero erinnerte sich an seine Kindheit und hatte Absurditäten des Alltags parat. ari

Ferruccio Cainero präsentierte in der «Schüüre» seine «Morgengeschichten am Abend». Er unterhielt dabei sein Publikum mit Erinnerungen an die eigene Kindheit, mit Absurditäten aus dem Alltag und mit Ausblicken auf die Zukunft.

Auf Einladung der Kulturkommission «die Brücke» gastierte der Kabarettist, Autor, Regisseur, Schauspieler, Liedermacher und Erzähler Ferruccio Cainero mit seinen «Morgengeschichten am Abend» in der Laufenburger Schüüre. Ferruccio Cainero, wurde in Udine (Italien) geboren, begann in den achtziger Jahren seine erfolgreiche Theaterlaufbahn als Multitalent – 14 Jahre zusammen mit Gardi Hutter, mit der er damals verheiratet war. Er erhielt diverse Kleinkunstpreise und ist europaweit auf Tournee.

Morgengeschichten am Abend zu hören, das habe einen ganz eigenen Charme, meinte er, irgendwie bekämen sie zu diesem Zeitpunkt dann eine neue, etwas andere Dimension. Es sei, als gehe man ausserhalb der Saison an einem verwaisten, stürmischen Strand spazieren, finde schriftliche Erinnerungen eines Fremden, fange an zu lesen, taucht selbst ein in die Vergangenheit der Jahreszeiten und des eigenen Lebens.

Temperamentvoll und poetisch

Mit warmherziger, ein wenig hinterfragender Freundlichkeit gewann Cainero vom ersten Moment sein zahlreiches Publikum, im sympathisch gebrochenen Akzent war stets seine italienische Leichtigkeit präsent, sein Spiel auf der Gitarre sowie seine in italienischer Muttersprache gesungenen Lieder musste man gar nicht verstehen, auch so waren sie liebenswert berührend.

Temperamentvoll, poetisch, tiefgründig und melancholisch sprudelten seine Worte, mit Humor und Satire erzählte er Begebenheiten aus dem täglichen Leben, beschrieb sie unglaublich anschaulich. Er tauchte ein seine Kindheit, als er neugierig und abenteuerlustig keinen Schabernack ausliess, in naiver Kindlichkeit Wahrheiten aussprach, die die ungeliebte Tante sehr empörten.

Er wagte einen Blick in die Zukunft, in der es die Unsterblichkeitspille gibt, die jedoch, wie er mit priesterlichem Singsang verkündete, wegen wirtschaftlicher Unrentabilität schnell wieder verschwindet. Er träumte sich zurück in seine italienische Grossfamilie, in der alle gemeinsam den Morgen geniessen, erwachte schnell wieder in der Realität, allein mit seiner Frau und der elektronischen Post von Kindern und Geschwistern aus allen Ecken der Welt.

Er war wieder ein kleiner Junge, der am Morgen in das Bett seines Vaters schlüpft und mit ihm zusammen dem lauten Gezwitscher der Vögel und dem herrlich falschen Gesang der Mutter lauscht, erinnerte sich an die wunderbare Tradition der Verliebten, sich gegenseitig Grillen zu schenken. Denn das Zirpen der Grillen sei der Tango der Natur. Er sinnierte über Gerechtigkeit, Elend, Hunger, Manipulation und Globalisierung, war gesellschaftskritisch, hatte die Absurditäten des Alltags parat und die tragische Komik seines Heimatlandes, besonders in der derzeitigen Situation.

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