Vorstoss

Das Warten auf den Zug geht weiter: Regierungsrat lehnt Postulat zur Reaktivierung der Rheintallinie ab

Auf der Rheintallinie – im Bild bei Leibstadt – verkehren schon lange keine Personenzüge mehr.

Auf der Rheintallinie – im Bild bei Leibstadt – verkehren schon lange keine Personenzüge mehr.

Im jüngsten politischen Vorstoss fordern vier CVP-Grossräte aus dem Fricktal und dem Zurzibiet die Wiedereinführung der Rheintallinie beim Bund zu beantragen. Ohne Erfolg. Die Grossräte wollen weiterkämpfen. Je nach Verlauf der Debatte könne man sich auch einen weiteren Vorstoss im Grossen Rat vorstellen.

Politiker aus dem Fricktal und dem ­Zurzibiet weibeln seit Monaten auf kantonaler und nationaler Ebene für die Idee, die in den 1990er-Jahren stillgelegte Rheintal-Bahnlinie wieder in Betrieb zu nehmen. Im Fricktal würde der Interregio, der zwischen Basel und Winterthur verkehren soll, in Laufenburg und Stein halten.

Jüngster politischer Vorstoss ist ein Postulat von vier CVP-Grossräten aus dem Fricktal und dem Zurzibiet. Darin fordern sie, die Wiedereinführung der Linie beim Bund zu beantragen «und dabei einen für den Aargau vertretbaren Kostensplit zu verhandeln». Die Grossräte verweisen dabei auf eine ­Bachelorarbeit, nach der die Reaktivierung «mit relativ kleinen Infrastrukturkosten» realisierbar wäre.

Fragezeichen hinter geschätzte Investitionskosten

Es bleibt, geht es nach dem Regierungsrat, beim Konjunktiv. Er empfiehlt das Postulat zur Ablehnung. Stein des Anstosses sind primär die Betriebskosten. Diese beziffert die Regierung, mit Regress auf die Bachelorarbeit, mit rund 37 Millionen Franken. Da die Kostendeckung laut Regierung kaum höher als 20 bis 30 Prozent liegen dürfte, verbleiben ungedeckte Betriebskosten von jährlich 26 bis 30 Millionen Franken. Einen Grossteil davon müssten die Kantone (oder Dritte) tragen – Geld, das dann anderenorts fehlt.

Zudem macht die Regierung auch ein Fragezeichen hinter die geschätzten Investitionskosten. Gerade im unteren Fricktal sind die Fahrbahntrassen heute schon am Anschlag. Der Kanton würde laut Regierung bereits heute aufgrund der hohen Nachfrage im unteren Fricktal zusätzliche S-Bahnzüge als Entlastung bestellen und finanzieren, «doch sind die notwendigen Fahrplantrassen nicht verfügbar».

«Ohne seriöse Vorarbeit wird dieses Projekt nicht gelingen»

Die Regierung will jedoch die bestehenden «wirtschaftlichen, siedlungsplanerischen und verkehrlichen Probleme» zusammen mit den Regionen analysieren und in einen Gesamtkontext stellen. Dies sei zielführender, als ein Puzzleteil – die Rheintallinie – ohne Abstimmung auf die Gesamtbetrachtung herauszubrechen.

Die Regierung mahnt, auch mit Blick auf das abgelehnte Postulat von SVP-Ständerat und Zurzibieter Hansjörg Knecht: «Ohne seriöse Vorarbeit wird dieses Projekt nicht gelingen und eher noch bereits laufende Abklärungen, wie den Ausbau des Angebots zum 30-Minuten-Takt zwischen Stein und Laufenburg, gefährden.»

«Heute schon prekäre Verkehrssituation» auf der Strasse

Die Antwort der Regierung kommt im Fricktal mässig gut an. Die Idee, eine Gesamtschau zu machen, begrüssen die beiden CVP-Grossräte Alfons P. Kaufmann und Werner Müller zwar, gegen die Ablehnung des Postulats wollen sie aber kämpfen. «Die Anliegen aus dem Fricktal dürfen nicht auf die lange Bank geschoben werden», sagt Müller, und Kaufmann hält die Ablehnung für zu kurzsichtig. Die Reaktivierung brauche Zeit «und wir wollen bereit sein, wenn es die Situation erfordert.»

Kaufmann erinnert an die Erschliessung des Sisslerfeldes, die Mittelschule Fricktal, die eventuell in Stein angesiedelt wird, und an die «heute schon prekäre Verkehrssituation» auf der Strasse, die unbedingt – gerade auch mit Blick auf die weitere Entwicklung – entschärft werden müsse.

Motion könnte verbindlichen Charakter haben

Das Fricktal müsse in Aarau Druck machen, um verkehrstechnisch nicht unter die Räder zu kommen, mahnt Kaufmann. «Wenn wir den Druck nicht hoch halten, passiert nichts. Dann gehen unsere Anliegen in Aarau vergessen.»

Kaufmann wie Müller wollen denn auch, zusammen mit ihren Zurzibieter Kollegen, weiter für die Reaktivierung der Rheintallinie kämpfen. Kaufmann kann sich, je nach Verlauf der Debatte, auch einen weiteren Vorstoss im Grossen Rat vorstellen. «Das kann auch eine Motion sein, die, wird sie überwiesen, einen verbindlichen Charakter hat.»

Autor

Thomas Wehrli

Thomas Wehrli

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