Fricktal
Das vorhandene Bauland im Fricktal reicht für die Zuwanderung

Der Entwurf der Richtplananpassung bestimmt, wie sich die Siedlung im Kanton Aargau in den nächsten 25 Jahren entwickeln soll. Und er forciert die innere Siedlungsentwicklung und Verdichtung. Auf Einzonungen kann das Fricktal kaum hoffen.

Walter Christen
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Die Bautätigkeit im Fricktal ist auch in diesem Jahr ungebremst: Baustelle an der Grubenstrasse in Frick,wo derzeit 33 Eigentumswohnungen entstehen.

Die Bautätigkeit im Fricktal ist auch in diesem Jahr ungebremst: Baustelle an der Grubenstrasse in Frick,wo derzeit 33 Eigentumswohnungen entstehen.

Walter Christen

Das Fricktal ist das Wachstumsgebiet Nummer eins im Aargau. Die Wohnbevölkerung hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt, und zwar mit Zunahmen über dem Kantonsdurchschnitt: 76 300 Bewohner zählen die Bezirke Laufenburg und Rheinfelden mittlerweile insgesamt.

Die Bautätigkeit ist nach wie vor hoch und ein Ende nicht abzusehen: Wohn-, Gewerbe- und Industriebauten sowie Neubauten der öffentlichen Hand wachsen schier wie Pilze aus dem Boden. Die vorzügliche Wohnlage mit noch weitgehend intakter Natur und Landschaft lockt weiterhin Zuzüger an, sodass sich angesichts der praktisch ungebremsten Zuwanderung die Frage stellt, wo denn die vielen Leute in Zukunft im Fricktal untergebracht werden sollen.

Denn jetzt muss das Siedlungsgebiet in den Gemeinden für den Bedarf der nächsten 25 Jahre ausgeschieden beziehungsweise bestimmt werden. Gemäss dem Entwurf der entsprechenden Richtplananpassung beträgt der Baulandbedarf für Wohnschwerpunkte innerhalb des Planungsverbandes Fricktal Regio bis im Jahr 2040 rund 9 Hektaren.

Gesamtlösung für Siedlungsgebiet

Aus langfristiger Optik der Richtplanung hat der Kanton Interesse daran, das Bevölkerungswachstum und damit einhergehend die Siedlungsentwicklung im Fricktal an gut erschlossenen Lagen zu konzentrieren. Der Anpassungsbedarf geht im Wesentlichen auf den Auftrag des Grossen Rats zurück, eine neue Gesamtlösung für das Siedlungsgebiet zu erarbeiten.

Dieser Auftrag deckt sich inhaltlich weitgehend mit den Vorgaben des neuen Bundesrechts, dem Raumplanungsgesetz, das 2013 vom Volk angenommen wurde. Der zusätzliche Abstimmungsbedarf auf die neuen Anforderungen an dieses RPG hält sich allerdings in Grenzen.

Bei der Anpassung des Richtplankapitels Siedlungsgebiet gilt es somit, sowohl die im Richtplan festgesetzten Ziele der neuen Gesamtlösung umzusetzen, als auch den neuen Anforderungen an das RPG insgesamt zu genügen. Zur Umsetzung des Auftrags des Kantonsparlaments ist die gezielte Strategie innere Siedlungsentwicklung und Verdichtung. Zentral dabei ist, dass die angestrebte Dichte im Einklang mit der Wohn-, Siedlungs- und Freiraumqualität stehen.

Im Verlauf der Arbeiten zur neuen Gesamtlösung Siedlungsgebiet wurde der Ansatz von Wohnschwerpunkten (WSP), die einen wesentlichen Beitrag zur nachhaltigen Aufnahme des Bevölkerungswachstums darstellen, geprüft, als sinnvoll beurteilt und entsprechend weiterverfolgt.

«Noch viele bestehende Bauzonen»

Die Aargauer Zeitung stellte dem Präsidenten des Planungsverbandes Fricktal Regio, dem Steiner Gemeindeammann Hansueli Bühler, die Frage nach der quantitativen Bereitstellung von Siedlungs- respektive Wohnfläche für die Zuwanderer im Fricktal. «Bei der aktuellen Anpassung des Richtplans geht es einzig um die Festlegung des erweiterten Siedlungsgebiets und erst in einer nächsten Phase allenfalls um dessen Einzonung. Das heisst, die Gemeinden im Fricktal, innerhalb unseres Planungsverbandes, müssen mit den bestehenden Bauzonen zurecht kommen, von denen es freilich noch viele gibt», so Hansueli Bühler. Das heisst, der Bevölkerungszuwachs kann mit dem vorhandenen eingezonten Baugebiet verkraftet werden.

«Keine Zersiedlung im Fricktal»

Aus Sicht des Planungsverbands müsse er sagen, so Präsident Bühler, dass das Schwergewicht der weiteren Siedlungsentwicklung nach innen zu legen sei: «Wir wollen keine Zersiedlung im Fricktal, eine Ausdehnung in die Landschaft hinaus, wie man das im Mittelland hat. Es findet in vielen Orten unseres Einzugsgebiets ein Umdenken statt – man will den Charakter der Dörfer wahren.»

Zu den Richtplananpassungen hätten sich die Gemeinden und der Planungsverband auf Behördenstufe bereits äussern können. In der öffentlichen Mitwirkung, die noch bis zum 20. September dauert und eine Stellungnahme aller Bürgerinnen und Bürger sowie aller Körperschaften des öffentlichen und des privaten Rechts erlaubt, werden sich der Planungsverband und die Gemeinden wahrscheinlich bis im Juni auch noch einbringen: «Wir studieren die Unterlagen und sehen dann, ob eine gemeinsame Eingabe mit den Gemeinden gemacht werden kann», wie Hansueli Bühler betonte.