Hottwil
Das Theater im Theater ist «der nackte Wahnsinn»

Unter der Regie von Profi David Imhoof studieren die Theaterleute die turbulente Komödie von Michael Frayn ein. Der Zuschauer erlebt, wie beim Einstudieren eines Stückes die Befindlichkeiten der Schauspieler immer mehr in den Vordergrund treten.

Susanne Hörth
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Das Chaos nimmt auf der Hottwiler Theaterbühne seinen Lauf. Die Befindlichkeiten und Eitelkeiten der Schauspieler lassen das Einstudieren des Stückes zur Nebensache werden.sh

Das Chaos nimmt auf der Hottwiler Theaterbühne seinen Lauf. Die Befindlichkeiten und Eitelkeiten der Schauspieler lassen das Einstudieren des Stückes zur Nebensache werden.sh

Susanne Hörth

Türen werden aufgerissen und wieder zugeschlagen, Treppen hoch und runter gerannt. Anfänglich leise Dialoge werden zu lauten, hektischen Gesprächen. Das Geschehen auf der Hotwiler Theaterbühne – notabene über zwei Etagen – ist geprägt von einer rasanten Geschwindigkeit. Aus dem Saal ertönt die Stimme des Regisseurs, er lässt das Spiel stoppen, geht auf die Bühne, übt Kritik, bringt Optimierungsvorschläge an. «Seine Frau hat ihn heute Morgen verlassen», wird der Regisseur von einer Darstellerin um etwas mehr Sensibilität gegenüber einem ihrer Kollegen aufgefordert. Die Amateurschauspieler diskutieren, reden sich auch wieder mit ihren realen Namen an. Und doch ist das, was da auf der Bühne passiert noch immer Teil des Theaters. Es ist «Der nackte Wahnsinn».

Ambitioniertes Projekt

«Wir haben damit ein sehr spezielles Stück ausgewählt», so Christa Leber, die neue Präsidentin der Hottwiler Spielleute. Sie habe das Stück früher einmal gesehen. An das sehr ambitiöse Theaterprojekt heran getraut habe man sich aber erst mit der Zusage von David Imhoof. Der Profiregisseur studiert seit vergangenem November mit den Hottwilern die turbulente Komödie von Autor Michael Frayn ein. Ein Stück, von dem David Imhoof selbst sagt, das es sehr viel Direktheit, Präsenz, Genauigkeit und noch mehr Tempo verlangt. «Der Zuschauer kann beim Proben eventuell gar beim Scheitern des Stückes zuschauen», so Imhoof. Die Arbeit mit dem Profi fordert den Hottwilern Theaterteam viel ab. Die Zusammenarbeit wird gleichwohl von beiden Seiten her sehr gelobt. Imhoof zeigt sich tief beeindruckt von der Professionalität, der Motivation und der Lern- und Einsatzbereitschaft aller. Das Team wiederum schätzt den Fachmann. Selbst Schauspieler kann David Imhoof den Hottwiler Bühnendarsteller viele Tipps vermitteln.

Im Stück selbst studiert eine Theatergruppe «Nackte Tatsachen» ein. Die Nerven aller liegen blank. Bei der Generalprobe geht schief, was nur schiefgehen kann. Türen klemmen, Texte hängen und die Stimmung aller ist auf dem Tiefpunkt.

Der normale Theaterwahnsinn geht weiter. Im zweiten Akt wird der Zuschauer Zeuge des Geschehens hinter der Bühne. Das Bühnenbauteam des Theaters Hottwil hat hier eine Meisterleistung vollbracht. Der die ganze Bühne füllende, zweigeschossige Bau mit insgesamt acht Türen ist dreigeteilt. Lässt sich drehen und einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Eine Herausforderung ebenfalls für das Technikteam, denn mit dem Drehen des Bildes müssen auch alle Kabel umgehängt werden. Die Zuschauer erleben, wie das Chaos im Laufe der Zeit nicht etwa kleiner wird. Im Gegenteil, eine Katastrophe reiht sich an die andere. Texte werden zur Nebensächlichkeit, es wird immer mehr improvisiert. «Das eigentliche Drama findet neben und hinter der Bühne statt», heisst es im Programmheft. Das Drama vor, hinter und neben der Bühne verspricht für das Publikum ein Theaterabend voller Spannung, Überraschendes und viel Komik.

Und schon eine Zusatzvorstellung

Liegt es am guten Ruf des Theaters Hottwil mit seinen bisherigen hochstehenden Produktionen oder der Verpflichtung eines Profiregisseurs und damit verbunden eine sehr anspruchsvolle Stückwahl? Christa Leber freut es auf jeden Fall, dass sie mitteilen kann, dass der Vorverkauf so gut läuft, dass nebst den geplanten Vorstellungen zusätzlich eine weitere ins Programm genommen wurde.

Aufführungen: Nebst der Zusatzvorstellung vom 8. April wird die turbulente Komödie «Der nackte Wahnsinn» am 28./29. März, je 20 Uhr; 30. März, 13 Uhr; 2./4. und 5. April je 20 Uhr auf die doppelstöckige Theaterbühne in der Turnhalle Hottwil gebracht.

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