Das Bild in Öl auf Leinwand aus dem Jahr 1960 zeigt eine Ortsansicht von Nollingen. Albi Wuhrmann, Präsident des Vereins Jakob Strasser, und Andrea Strasser Köhler, Tochter des Malers, überreichten das wertvolle Kunstwerk am Freitag als Dauerleihgabe an die Stadt Rheinfelden Baden. Bürgermeisterin Diana Stöcker freute sich sehr über die grosszügige Geste des Vereins und betonte, dass das Gemälde «einen würdigen Platz» und ein «neues Heim» finde. Die Impression von Nollingen ist das bisher einzige Bild des renommierten Schweizer Malers im öffentlichen Raum im badischen Rheinfelden.

Künstler malte oft draussen

«Wir bringen das Bild quasi an den Ursprung seiner Entstehung zurück», erklärte Wuhrmann. Bei dieser Dauerleihgabe handle es sich um ein Geschenk. Das Gemälde bleibe offiziell im Besitz des Vereins, der es der Stadt zu treuen Händen übergebe. Jakob Strasser (1896–1978) war bekannt dafür, dass er gern und viel im Freien gemalt hat. Er fuhr mit seinem Fahrrad und einem Anhänger los, Pinsel, Farben, Leinwand und Staffelei im Gepäck, und malte draussen in der Natur. Dabei malte er nicht nur im schweizerischen Rheinfelden, wo er fast sein ganzes Leben lang gewohnt und gearbeitet hat, und den Fricktaler Dörfern, sondern fuhr auch gern über die Brücke ins Badische. Offensichtlich, so Andrea Strasser Köhler, habe ihrem Vater der ursprüngliche Dorfteil in Nollingen als Motiv gefallen. Diesen dörflichen Charakter wollte er so unverfälscht wie möglich wiedergeben. «Es ist nicht schönfärberisch, nicht idealisiert, er hat es so gemalt, wie er es gesehen hat.» Die alte Ortsansicht zeigt einen perspektivisch interessanten Blick auf die Untere Dorfstrasse, den Bach, in dem es damals noch mehr Fische gab, die Brücklein, die alten Häuser auf beiden Seiten der Strasse, die grossteils noch so erhalten sind, die Strasse ist menschenleer. Die Ansicht ist in freundlichen, ruhigen Farben gehalten, in warmen Brauntönen und fein abgestimmten Farbnuancen, die dem Gemälde einen harmonischen Ausdruck verleihen.

Angemessener Rahmen

Das Bild sei «ein Zeitzeugnis der Geschichte», so Wuhrmann. Das Gemälde befand sich zunächst in Privatbesitz einer Frau, die erst glaubte, es handle sich um eine Ansicht von Magden. Später war es in Besitz der Familie Lauper aus Riniken im Kanton Aargau, die es dem Verein als Geschenk überliess. Der Verein liess das Bild dann aufwendig restaurieren. Dass diese Ansicht von Nollingen nun ins badische Rheinfelden gelangt ist, ist der Initiative von Gemeinderat Gustav Fischer zu verdanken. Als Fischer von Wuhrmann erfuhr, dass es solch ein Motiv von Jakob Strasser gibt, fädelte er die Kontakte zur Stadt ein und brachte das Ganze ins Rollen. Für Fischer ist es «eine hohe Ehre», dass die Stadt dieses Bild des hochgeachteten Malers und Ehrenbürgers von Rheinfelden (CH) als Dauerleihgabe bekommen habe.

Das geschichtsträchtige alte Rathaus biete einen «angemessenen Rahmen» für das Bild, freute sich Diana Stöcker. Das Bild wird im Treppenhaus platziert, neben dem Buntglasfenster, das auf die Stadt und die beiden Muttergemeinden Warmbach und Nollingen verweist. Für den Verein ist es ein grosses Anliegen, das eindrucksvolle Oeuvre des Malers, das Landschaften, Figurenbilder und Stillleben umfasst, zu bewahren, auch grenzüberschreitend bekannter und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Im Herbst plant der Verein eine grosse Strasser-Ausstellung in der Rheinfelder Kurbrunnenanlage. (rf/bad)