Fricktal
Das Spital Laufenburg ist nicht akut gefährdet – doch der Regierungsrat beruhigt die Politiker nur teilweise

Die Antwort des Aargauer Regierungsrates zum Gesundheitszentrum beruhigt die Politiker – aber nur teilweise.

Thomas Wehrli
Merken
Drucken
Teilen
Der Kanton will Betriebsbewilligung und Leistungsauftrag künftig jedem Standort einzeln vergeben. Das kann für den Standort Laufenburg zum Problem werden.

Der Kanton will Betriebsbewilligung und Leistungsauftrag künftig jedem Standort einzeln vergeben. Das kann für den Standort Laufenburg zum Problem werden.

Zur Verfügung gestellt

Mit der regierungsrätlichen Antwort zur Interpellation von 16 Fricktaler Grossräten zum Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) ist es so, wie mit manch einem Medikament: Es hilft, hat aber lästige Nebenwirkungen. Es rumpelt im Bauch.

Was ist passiert? Der Kanton will einen Paradigmenwechsel bei der Erteilung der Betriebsbewilligungen. Bislang bekam das GZF eine Betriebsbewilligung für seine beiden Standorte Laufenburg und Rheinfelden; künftig soll der Leistungsauftrag je einzeln vergeben werden. Das hat Konsequenzen, denn damit muss jeder Standort das gesamte Spektrum der vergebenen Leistungsaufträge erfüllen. Das ist heute nicht der Fall. Das GZF nutzt Synergien, bündelt Leistungen und bietet nicht alles an beiden Standorten an. Der Kanton stellt somit die Verbundlösung, die seit der Fusion der beiden Spitäler 1999 gut funktioniert, zumindest implizit infrage – und damit den Standort Laufenburg.

Deshalb war der Arzt für einmal Patient, sprich: Die GZF-Leitung griff in den politischen Medikamentenschrank und arbeitete zusammen mit den Grossräten eine Interpellation aus. Die sieben Fragen beantwortete der Regierungsrat Mitte Juli (die AZ berichtete).

Gestern nun war die Antwort des Regierungsrates Thema im Grossen Rat. Elisabeth Burgener, SP-Grossrätin und Sprecherin der Interpellanten, zeigte sich mit der Stellungnahme «teilweise einverstandne». Oder eben: Das Medikament hilft, beseitigt den Schmerz aber nicht ganz.

Positiv wertete sie, dass sich der Kanton hinter Verbundlösungen stelle, was er in seiner Antwort ausdrücklich tat. Dies beruhigte auch Anneliese Seiler, CEO des Gesundheitszentrums. «Wenn wir die heutigen Synergien, insbesondere den Notfallverbund, weiterhin nutzen können und sich der Leistungsauftrag für Laufenburg nicht wesentlich ändert, kann der Standort Laufenburg weitergeführt werden», sagte sie im Juli im Gespräch mit der AZ. Seiler sagte aber auch: «Ist dem nicht so, ist der Standort Laufenburg gefährdet.»

Dies ist er, zumindest derzeit, nicht. «Wir wissen von der offiziellen Bestätigung, dass ein Entzug der Betriebsbewilligung für den Standort zur Zeit nicht zur Diskussion steht», sagte Burgener gestern und folgerte daraus: «Somit gehen wir davon aus, dass das bewährte, aktuelle Modell weiterhin bestehen wird.»

Fricktal als Versorgungsregion

Unsicherheit löst bei Burgener und den Fricktaler Grossräten hingegen die Aussage in der regierungsrätlichen Antwort aus, dass sämtliche vergebenen Leistungen an allen Standorten angeboten werden müssen. «Unter der bisherigen Regelung war es möglich, kurzfristig, situationsbedingt und in enger Absprache mit der Ärzteschaft, Anpassungen am Standort Laufenburg im Leistungsangebot vorzunehmen», so Burgener. Dass dies nun nicht mehr möglich sein soll, dass also alle Leistungen jederzeit an allen Standorten angeboten werden müssen, löste im Fricktal ein kollektives Kopfschütteln aus – gerade auch deshalb, weil das GZF das Fricktal als Einheit, als Versorgungsregion versteht. Vor dem Grundgedanken der Versorgungsregion bezeichnete Seiler die Argumentation, alle Leistungen seien an allen Standorten anzubieten, frank und frei als: «absurd».

Burgener brachte gestern neben der bis anhin akzeptierten Praxis eines differenzierten Angebotes noch einen rechtlichen Aspekt ins Spiel, indem sie ein Urteil des Bundesverwaltungsgerichts zum Zürcher See-Spital aufgriff. Im Umkehrschluss zu diesem Entscheid, so Burgener, «muss ein Mehrstandortspital nicht das ganze Angebotsspektrum an allen Standorten anbieten».

Ist der Patient «Laufenburg» geheilt? Nein, er ist bestenfalls auf dem Weg der Besserung. Spitalleitung und Politiker tun sicher gut daran, sich die nächsten Therapieschritte bereits jetzt zurechtzulegen. Oder wie es SVP-Grossrat Christoph Riner formulierte: «Es ist wichtig, die Politik früh an Bord zu holen und sie geschlossen hinter sich zu wissen.» Denn: «Das parteiübergreifende Zusammenstehen ist das A und O, um etwas zu erreichen.»