Es war ein veritabler Schock für die Region: Im April kündete das Gesundheitszentrum Fricktal (GZF) nach personellen Abgängen im Spital Laufenburg an, es werde den Standort Laufenburg überprüfen. Zur Diskussion stand auch das komplette Aus als Akutspital; in diesem Fall wäre Laufenburg in ein reines Pflegeheim mit Ambulatorium umgewandelt worden.

Der Aufschrei bei Politikern, Ärzten und in der Bevölkerung war gross. Im Juli dann kam die (halbe) Entwarnung: Beim Spital Laufenburg gibt es zwar einen Aderlass. Umgesetzt wird aber nicht das Radikalszenario, sondern ein «Light»-Szenario. Danach bleibt Laufenburg ein Akutspital – einzig die operative Chirurgie wird abgezogen und nur noch in Rheinfelden angeboten. Was in Laufenburg bleibt, ist die nicht-operative Chirurgie, die Orthopädie, die stationäre innere Medizin, die 24-Stunden-Überwachungsstation, der 24-Stunden-Notfallbetrieb, das Pflegeheim sowie das ambulante Angebot. Die Anpassung wurde per 1. September umgesetzt.

Viele Frage blieben offen

Auf dem Weg zum Entscheid nahm das GZF auch die Fricktaler Grossräte mit an Bord. An zwei Treffen diskutierte die Spitalleitung mit den Politikern die beiden Szenarien. Dabei seien viele Fragen aufgetaucht, «die teils nicht oder widersprüchlich beantwortet wurden und zu Irritationen führen», schreibt Elisabeth Burgener in einer Interpellation, die sie Ende Juni – wenige Tage vor dem Szenarienentscheid des GZF – eingereicht hat und die von sechs der sieben Grossräte aus dem Bezirk Laufenburg unterschrieben wurde. Einzig Grünen-Grossrätin Gertrud Häseli hat die Eingabe nicht unterzeichnet.

Nun liegt die regierungsrätliche Antwort auf die zwölf Fragen vor. Eine klare Aussage zur Zukunft des Spitals Laufenburg macht die Regierung darin allerdings nicht. Das kann sie auch nicht, denn letztendlich ist die Frage, wie der Standort Laufenburg weiterentwickelt werden soll, eine unternehmerische. Das GZF stehe nicht im Eigentum des Kantons, hält die Regierung fest. Sein Einfluss ist daher auf die regulativgesetzliche Ebene beschränkt: Der Kanton erteilt die Betriebsbewilligungen, beteiligt sich mit 55 Prozent an den Spitalkosten und übt die Aufsicht aus.

Die Aufgabe des Kantons ist es dabei, eine qualitativ gute, wohnortsnahe und letztlich auch bezahlbare medizinische Versorgung zu gewährleisten. «Dabei wird der Kanton auch den Spital-Standort Laufenburg einbeziehen», schreibt die Regierung. «Letztlich muss aber das Gesundheitszentrum Fricktal entscheiden, welchen Weg es mit dem Spital-Standort Laufenburg einschlagen will.»

Regierungsrat bleibt vage

Auch bei der Frage, welches Profil sich der Kanton für den Standort Laufenburg vorstellen könne, bleibt der Regierungsrat vage. Der Kanton schaffe die Rahmenbedingungen, damit die Spitäler effizient arbeiten, sinnvolle Kooperationen eingehen und Innovationen ermöglichen können, heisst es in der Antwort. Mit der neuen Spitalliste 2020 will der Kanton die Anforderungen entsprechend anpassen. «Die Ausarbeitung von konkreten zukünftigen Strategien und das Führen von Kooperationsgesprächen ist indes Aufgabe der jeweiligen Spitalträgerschaften.»

Für viele Fragezeichen sorgte bei den Grossräten ebendiese Spitalliste – oder genauer: Die Aussage, dass der Kanton ab 2020 nicht mehr wie heute einen Leistungsauftrag für das ganze GZF erteilt und dieses dann den Leistungsauftrag intern auf die beiden Spitäler zuteilt, sondern dass es künftig pro Standort je einen Leistungsauftrag gibt. Dies hätte für das GZF den grossen Nachteil, dass die Spitalleitung nicht mehr autonom entscheiden kann, was sie wo anbietet, respektive, was sie neben Rheinfelden auch in Laufenburg anbietet.

Die Erteilung von standortspezifischen Leistungsaufträgen sei heute gesamtschweizerisch üblich, begründet der Regierungsrat die Praxisänderung. Und: Faktisch würde sich für das GZF ja wenig ändern. Bislang hat einfach das GZF die Zuteilung auf die Standorte vorgenommen, künftig wird es der Kanton sein. Als Beispiel nennt die Regierung die Geburtshilfe.

Das GZF als Ganzes habe einen entsprechenden Leistungsauftrag, biete die Geburtshilfe aber nur in Rheinfelden an. «De facto ändert sich mit der neuen Praxis, welche per 2020 im Kanton angewendet werden soll, daher nur, dass die Zuteilung auf der Spitalliste ersichtlich ist.»

Kanton machte keinen Druck

Klar in Abrede stellt die Regierung dagegen die in der Diskussion oft kolportierte Ansicht, der Kanton schaffe mit der neuen Spitalliste erst die Probleme für das Spital Laufenburg. Oder noch direkter: Der Kanton sei mit seinen standortspezifischen Leistungsaufträgen schuld am Herzrasen des Spitals Laufenburg. Die Probleme des Spital-Standorts Laufenburg stünden in keinem Zusammenhang mit der geplanten zukünftigen Ausgestaltung der Spitalliste, hält die Regierung fest. «Die Anpassung des Leistungsspektrums in Laufenburg im Sommer 2018 erfolgte auf Eigeninitiative des GZF und ohne Druck des Kantons.»

Nicht auf die Äste lässt sich die Regierung auch bei der für das obere Fricktal wohl entscheidendsten Frage: Ob es realistisch ist, dass beide Standorte – also Laufenburg und Rheinfelden – künftig einen Leistungsauftrag erhalten. «Eine Aussage darüber, ob beide Spital-Standorte des GZF auf der Spitalliste 2020 über einen Leistungsauftrag verfügen werden, hängt von verschiedenen Faktoren ab und ist derzeit nicht möglich», schreibt der Regierungsrat und fügt an: «Auf jeden Fall steht es den beiden Spital-Standorten frei, sich für einen Listenplatz zu bewerben.»