Stein

Das Schlüsselwerk von Novartis Pharma steht im Aargau

Produktion von Medikamenten bei Novartis in Stein (AG).

Produktion von Medikamenten bei Novartis in Stein (AG).

Das Werk in Stein spielt für Novartis weltweit eine entscheidende Rolle. Hier werden nicht nur die meisten Medikamente hergestellt, sondern auch die neuen Mittel lanciert.

Novartis ist mit einem Umsatz von rund 54 Milliarden Franken der drittgrösste Pharmakonzern der Welt. Nicht nur der Hauptsitz liegt in Basel, sondern auch für Forschung und Produktion ist die Schweiz zentral.

Auch wenn der Konzern inzwischen weltweit mit zahlreichen Labors und Werken aufgestellt ist – die grösste und wichtigste Pharmaproduktion liegt in der Schweiz, und zwar im aargauischen Stein. Hier ist zugleich das weltweite Lager für sämtliche Wirkstoffe des Konzerns:

Egal, in welchem der weltweit fünf chemischen Werke von Novartis produziert, kommen alle Substanzen nach Stein und werden von dort zur Endproduktion global versandt.

Eine Schlüsselrolle spielt Stein für Novartis aber auch, weil der Konzern hier die Produktion seiner neuen Medikamente startet: Die Pilotproduktion der Hoffnungsträger vollzieht Novartis fast ausschliesslich in Stein – wegen der Nähe zur Entwicklung auf dem Basler Campus.

Medikamente für über 150 Länder

Insgesamt produziert Novartis in der Schweiz Medikamente im Wert von jährlich knapp 30 Milliarden Franken. Das meiste davon in Stein, wo auf dem Werkgelände mit den zahlreichen Gebäuden und Strassen rund 1870 Mitarbeitende arbeiten.

Fast alle Mittel gehen in den Export, geliefert wird in über 150 Länder. Dazu gehören die Krebsmittel Glivec und Afinitor, das Multiple-Sklerose-Medikament Gilenya oder die Diabetes-Arznei Galvus.

In Stein werden sowohl Medikamente in Tabletten- und Kapselform (Solids) wie auch flüssige Mittel (Steriles) für Spritzen und Infusionen produziert. Zudem ist das Werk das einzige von Novartis, das Medikamente in Inhalatoren sowie Wirkstoffpflaster herstellt.

Schutzanzüge und Reinräume

«Wir bringen Patienten wie auch Ärzte regelmässig nach Stein, denn wir wollen zeigen, wie wichtig Qualität ist», sagt Novartis-Schweiz-Chef Pascal Brenneisen. Was sie in Stein sehen, sind Reinräume, die nur in Schutzanzügen betreten werden dürfen.

Dort werden die Wirkstoffe in Tabletten-Streifen, Fertigspritzen oder Ampullen abgefüllt und in den ratternden Maschinen doppelt und dreifach nach Qualität und Menge überprüft, mit den passenden Beipackzetteln versehen und in je nach Land unterschiedlich beschriftete Schachteln gesteckt. Das alles passiert vollautomatisch.

Doch die Reinraum-Anlagen werden nach und nach ersetzt: «Bei allen neuen Linien, in welche wir investieren, setzen wir Isolatortechnik anstatt der herkömmlichen Reinraumtechnologie ein, um Qualitäts- und Hygienestandards weiter zu erhöhen», erklärt Matthias Pohl, der die Einheit Steriles in Stein leitet.

Bei der Isolator-Methode kommen Menschen gar nicht mehr direkt in Kontakt mit der Produktion. Die Maschinen laufen komplett hinter Glas, der Zugriff ist nur noch durch ins Trennglas eingelassene Handschuhe möglich.

Auch die neuen Biotech-Medikamente werden in Stein produziert. «Die besondere Herausforderung von biotechnologischen Wirkstoffen ist, dass man sie nicht am Ende des Herstellungsprozesses sterilisieren kann, da sie durch die Hitzeeinwirkung zerstört werden würden. Daher muss der Produktionsprozess von Anfang bis Ende steril sein», so Pohl.

Weil in Stein Medikamente für die Welt hergestellt werden, muss die Anlage den Standards der weltweiten Arzneimittelbehörden genügen. Ob USA, Brasilien oder Uruguay, alle haben sie das Werk ihren nationalen Standards entsprechend inspiziert.

«Die Mitarbeitendenzahl ist in den letzten Jahren gestiegen. Nicht weil wir mehr Volumen haben, sondern weil die Anforderungen wachsen und wir die Qualität kontinuierlich weiter verbessert haben», sagt der Leiter der Einheit Solids, Stefan Amberg.

Der Konzern investiert laufend in Stein, jährlich 60 bis 100 Millionen Franken. «Etwa für neue Lüftungseinrichtungen oder Maschinen», wie Amberg sagt.

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