Rheinfelden
Das Rheinfelder Silogebäude ist verschwunden

Das Silogebäude im Kieswerk Hard in Rheinfelden wurde abgebrochen, das Gelände wird aufgefüllt und rekultiviert. Rund 220000 Kubikmeter Auffüllmaterial werden für die Deponie benötigt.

Henri Leuzinger
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Kieswerk Hard, Rheinfelden West: Vom Verladesilo ist nur noch das Fundament zu sehen. Die Kiesverlade-Siloanlage im Kieswerk Hard war ein spezieller, weitum sichtbarer Industriebau. Henri Leuzinger

Kieswerk Hard, Rheinfelden West: Vom Verladesilo ist nur noch das Fundament zu sehen. Die Kiesverlade-Siloanlage im Kieswerk Hard war ein spezieller, weitum sichtbarer Industriebau. Henri Leuzinger

Wer auf der Autobahn von Norden kommend auf Rheinfelden West zufuhr, dem fiel bis vor kurzem das mächtige Silogebäude des Kieswerks Hard auf. Von diesem Akzent in der Landschaft stehen nur noch die Fundamente.

Auch die Kiesgrube selbst ist schon fast zur Hälfte eingeebnet. 2014 geht die rund 60-jährige Geschichte des Kiesabbaus und der Materialaufbereitung im Rheinfelder Westen zu Ende. Es hätte auch ganz anders kommen können.

Rheinschotter ausgebeutet

Das Kieswerk Hard beutete zunächst als klassischer Kiesbetrieb die Rheinschotter-Vorkommen im Westen des Stadtbanns aus. Begonnen hat die Unternehmung bereits in den frühen 1950er-Jahren.

Die Nachfrage nach dem einheimischen Baustoff war gross. Doch war allen klar, dass das Vorkommen einmal zur Neige gehen würde. Eine Zeit lang verarbeitete das Werk mit seinen spezialisierten Kiesaufbereitungs- und Sortieranlagen zusätzlich auch Material, das hertransportiert wurde. Ein zweites Standbein schuf das Unternehmen mit der Herstellung von Heissmischbelägen für den Strassenbau.

Rekultivierung war Auflage

Kiesabbau und Materialaufbereitung gelten im Kulturland so lange als temporär zulässige Nutzungen, wie der Rohstoff vor Ort gewonnen werden kann. Ist das Vorkommen erschöpft, sind die Betreiber verpflichtet, das Gelände zu rekultivieren.

Diese Arbeiten sind gegenwärtig im Gange. Rund 220000 Kubikmeter Auffüllmaterial werden für die Deponie benötigt. Anschliessend erfolgt die technisch anspruchsvolle Rekultivierung, das heisst: der Aufbau eines fruchtbaren Bodens, der eine landwirtschaftliche Nutzung ermöglicht. Bis der Boden wieder richtig fruchtbar ist, dauert es erfahrungsgemäss einige Jahre.

Der Schutz des Grundwassers ist ein weiterer wichtiger Grund für die Pflicht der Rekultivierung. Das wieder aufgefüllte Gelände schütze das Wasser, welches im kiesigen Untergrund mehr oder weniger parallel zum Rhein fliesst und für die Wasserversorgungen der Siedlungen weiter flussabwärts von grosser Bedeutung ist. Die Wiederauffüllpflicht wird jeweils bereits in die kantonale Abbaubewilligung integriert.

Im Fall des Kieswerkes Hard wurden die festgelegten Fristen verschiedentlich bis 2014 verlängert. Schliesslich verabschiedeten Stadt, Kanton und Unternehmung im letzten Jahr das detaillierte Auffüllprojekt. Dazu gehörte auch eine Amphibienevakuierung.

Seltene Gelbbauchunken und Kreuzkröten, die als Pioniere auf dem Kieswerkgelände laichten, benötigten einen Ersatzlebensraum. Die Autobahnspange A3/A98 schuf räumlich im Rheinfelder Westen eine neue Situation. Durch Landabtausch konnte das Kieswerk Hard seinen Besitz arrondieren.

Umzonung abgelehnt

Im Norden von der Bahn, im Osten neu von der Autobahn begrenzt, entstand eine Geländekammer, welche auch als Gewerbegebiet für die Materialaufbereitung geeignet gewesen wäre. Ein entsprechendes Umzonungsgesuch wurde von der Stadt unterstützt.

Als Pièce de Résistance erwies sich indessen die Erschliessung für die schweren Lastwagen. Diese hätte über Kaiseraugster Gebiet führen müssen. Die Nachbargemeinde hegt aber für dieses Gebiet eigene Pläne, und daran ist der Traum vom Fortbestand des Kieswerks Hard letztlich gescheitert. Unter anderem soll dort ein neuer Hotelbetrieb entstehen.

So blieb für das Kieswerk nur der Weg zur Rekultivierung. Das bedeutet jedoch nicht das Aus des Kiesabbaus in Rheinfelden. Die Unternehmung engagierte sich im Konsortium, das im «Chleigrütt», im Bereich des neuen Rheinkraftwerks, das Materialvorkommen nutzt. Und das Gebiet «Untere Rütenen», südlich der neuen Landi in Rheinfelden Ost, begrenzt von NK495, Bahnlinie und Industriegleis, wartet auf seinen Abbau.