Gipf-Oberfrick

«Das Referendum überraschte mich»

Verena Buol Lüscher hofft auf ein Ja zu den Blockzeiten. Foto: mwb

Verena Buol Lüscher hofft auf ein Ja zu den Blockzeiten. Foto: mwb

Verena Buol Lüscher engagiert sich als Präsidentin der Schulpflege für Blockzeiten. Das schnelle Zustandekommen des Referendums überraschte sie doch sehr.

«Ich habe lange darüber nachgedacht, ob ich etwas falsch gemacht habe, aber ich weiss es nicht.» Verena Buol Lüscher ist durchaus selbstkritisch mit ihrem Handeln als Präsidentin der Schulpflege Gipf-Oberfrick. Als das Referendumskomitee begann, Unterschriften zu sammeln, war Buol Lüscher erstaunt und fragte sich, ob Schulpflege und Gemeinderat zu wenig gut informierten. «Das schnelle Zustandekommen des Referendums überraschte mich», gesteht sie. Ende November sprach sich noch eine grosse Mehrheit der Gemeindeversammlung für die Einführung von Tagesstrukturen in der Unterstufe aus.

Aus zwei würden vier Stunden

Das neue kostenpflichtige Konzept sieht vor, dass jeden Mittag bis um 13.15 Uhr eine freiwillige Betreuung gewährleistet ist. Weiterbestehen würde die Betreuung morgens von 7 bis 8.10 Uhr und am Dienstag und Donnerstag der Mittagstisch und die Betreuung bis um 17 Uhr. Das Gerüst der freiwilligen Betreuung sind die Blockzeiten. Aus dem bisherigen Zweistundenblock würde neu ein Vierstundenblock von 8.10 bis 11.45 Uhr.

Die neuen Tagesstrukturen würden für die Erstklässler vier zusätzliche Lektionen bedeuten. Ein Hauptargument der Gegner, wofür sogar Verena Buol Lüscher Verständnis aufbringt: «Auf den ersten Blick scheint das eine grosse Veränderung, doch in diesen vier Lektionen würden keine kopflastigen Fächer unterrichtet, sondern Gestalten, Zeichnen und Werken.»

Bis zur Urnenabstimmung dauert es noch vier Wochen. Die Schulpflege mit Verena Buol Lüscher an der Spitze arbeitet eng mit dem Gemeinderat zusammen. Obwohl sich eine breite Gegnerschaft formiert hat, wollen die Befürworter keine grosse Abstimmungskampagne führen. «Wir wollen noch einmal mit einem Flugblatt und guten Abstimmungsinformationen informieren, doch am Ende muss die Bevölkerung entscheiden», sagt Buol Lüscher. Trotzdem unterschätzt sie das Referendumskomitee keineswegs. Sie spüre eine riesige Energie bei den Gegnern.

Die Präsidentin der Schulpflege ist überzeugt, dass Tagesstrukturen in Gipf-Oberfrick grossen Rückhalt geniessen. In einer Umfrage des Elternteams sprachen sich über 70 Prozent für eine Ausweitung von Blockzeiten aus. Auch die Entwicklung des Horts ist seit seiner Einführung im Jahr 2004 positiv. Die Zahl der Eltern, die das Angebot in Anspruch nehmen, ist kontinuierlich gewachsen. Verena Buol ist eine leidenschaftliche Befürworterin von Tagesstrukturen und Blockzeiten. Für sie sind solche Angebote auch Standortmarketing: «Wir haben wöchentlich Anfragen von potenziellen Zuzügern aus dem Baselbiet, die sich über unsere Tagesstrukturen erkundigen.»

Angebot würde massiv verkleinert

Ein Ja zur Vorlage am 20. März wäre für Buol Lüscher die konsequente Fortsetzung des bisherigen Weges. Falls die Bevölkerung die Tagesstrukturen ablehnen würde, müsste die Gemeinde über die Bücher. Verena Buol Lüscher macht klar, dass die aktuelle Lösung nicht weitergeführt werden könnte. Das momentane Hortangebot läuft im Rahmen einer Pilotphase bis Ende Jahr. «Die Pilotphase kann nicht einfach verlängert werden. Bei einem Nein muss die ganze Struktur neu überdenkt werden», prophezeit Buol Lüscher. Das könnte heissen, dass man zum alten Modell zurückkehrt: Die Kinder würden nur noch morgens betreut und der Mittagstisch nur noch am Dienstag angeboten. Verena Buol will keine Prognose für die Abstimmung abgeben: «Ich lasse mich überraschen.» Im Gegensatz zum Referendum hofft sie diesmal jedoch auf eine erfreulichere Überraschung.

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