Laufenburg
Das Privileg, sich Stadt nennen zu dürfen

Historiker Linus Hüsser blickt am Festakt zu 700 Jahre Stadtrecht in die Zeit der Habsburger zurück.

Susanne Hörth
Drucken
Teilen
Der Fricktaler Historiker Linus Hüsser wird an der Feier in Laufenburg über die Entstehung von Laufenburg berichten und dabei auch das Stadtrecht näher beleuchten.

Der Fricktaler Historiker Linus Hüsser wird an der Feier in Laufenburg über die Entstehung von Laufenburg berichten und dabei auch das Stadtrecht näher beleuchten.

Susanne Hörth

Die beiden Grenzstädte Laufenburg feiern gemeinsam am 21. Mai in der Stadthalle Laufenburg «700 Jahre Stadtrecht». Der Fricktaler Historiker Linus Hüsser wird an diesem Abend auch auf die Entstehung der Stadt, insbesondere mit Einbezug der neusten Erkenntnisse durch die erst kürzlich entdeckten römischen Siedlungsfunde, eingehen. Mit rund 3350 Einwohnern entspricht der Ort nicht gerade den allgemeinen Vorstellungen einer Stadtgrösse. Historiker Linus Hüsser ist aber überzeugt, dass neben der spannenden Geschichte die Gemeinde, die sich Stadt nennen darf, eine ganz besondere Ausstrahlung hat.

Hätte Laufenburg die historische Bedeutung ohne das Stadtrecht?

Linus Hüsser: Wohl kaum, denn Laufenburg war eine der vier habsburgischen Waldstädte und zeitweise ein wichtiger Stützpunkt der Habsburger, was die Geschichte des Ortes entsprechend prägt.

Beeinflusst auch im Sinne einer besseren Anerkennung des Ortes?

Sicher. Es hat die Stellung von Laufenburg, vor allem des schweizerischen, gehoben. So war die Stadt bis in die Zeit um 1800 Mittelpunkt der Herrschaft oder Grafschaft Laufenburg. Später hat das Stadtrecht auch begünstigt, dass Laufenburg zum Bezirkshauptort ernannt wurde.

Was aber heisst Stadtrecht genau?

Es gibt Stadtrecht und Stadtrecht. Das eine meint das etwa von einem Adligen oder einem Bischof verliehene Recht, sich Stadt nennen zu dürfen, die sogenannte Stadterhebung. Das andere meint die Rechtsordnung der städtischen Gemeinschaft. Diese Rechtsordnung kann aber auch Rechte erhalten, die mit der Stadterhebung gewährt wurden.

Welches davon feiert Laufenburg denn nun?

Was Laufenburg feiert, ist nicht die Stadterhebung, sondern die erste Niederschrift des innerstädtischen Rechts. 1315, zum Zeitpunkt dieser ersten Erwähnung des Stadtrechts, waren die Habsburger Stadtherren von Laufenburg. Ob der Ort je schriftlich und «offiziell» von den Habsburgern zur Stadt erhoben wurde, ist ungewiss. Die Stadtwerdung war vielmehr ein Prozess, der sich in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts über Jahre oder gar Jahrzehnte hinzog. Laufenburg wurde aber schon im 13. Jahrhundert als Stadt bezeichnet, auch taucht der Begriff Stadtrat damals auf.

Was war denn so besonders wichtig für eine Stadt?

Wichtig für eine Stadt war das Marktrecht. In Laufenburg gab es schon in vorstädtischer Zeit einen Markt. Von Bedeutung war auch die Ringmauer. Sie diente nicht nur dem Schutz des Ortes, sondern war auch ein Symbol beziehungsweise Ausdruck des Stadtrechts. Wichtig für eine Stadt war zudem das Gewerbe, dessen Vertreter im Laufe der Zeit auch immer mehr die Stadtpolitik bestimmten. Kam noch hinzu, dass die Stadt einen eigenen Rechtsbezirk bildete.

Das Gewerbe spielte also eine wichtige Rolle bei der Stadtentwicklung?

Für die Habsburger standen machtpolitische Überlegungen im Vordergrund, Laufenburg als Stadt zu fördern und damit den Einfluss der Grafen am Hochrhein auszubauen. Dass Laufenburg unter den Habsburgern zur Stadt wurde, lag an seiner Topografie, die hier einen durch Befestigungsanlagen mit zwei Burgen gesicherten Rheinübergang ermöglichte, sowie am bereits vorhandenen Markt. Bei den Stromschnellen blühte das Gewerbe der Fischer und Schiffer, ebenso die Eisenverarbeitung – all dies begünstigte die Stadtwerdung.

Ein Zusammenspiel vieler positiver Faktoren?

Die Entwicklung des Ortes führte schliesslich zum Privileg, sich als Stadt bezeichnen zu dürfen. Im Laufe der Zeit erwarben die Laufenburger auch immer mehr Rechte und Freiheiten von ihren Stadtherren, den Grafen von Habsburg-Laufenburg, und stärkten so ihre Selbstbestimmung.

Welche Rechte sind gemeint?

Die Grafen von Habsburg-Laufenburg, die immer wieder in Geldnot waren, verpfändeten der Stadt beispielsweise Fischerei- und Zollrechte. Dadurch wurden die Laufenburger immer selbstständiger.

1315 lässt Graf Johann I. von Habsburg-Laufenburg die bestehenden Rechte und Gewohnheiten aufschreiben. Zeigen Sie diese Schrift am Festakt in Laufenburg?

Ja. Das 1315 festgehaltene Stadtrecht ist allerdings nicht im Original erhalten, sondern lediglich als Abschrift. Darin steht etwa, was mit einem Mörder geschehen soll, wie man mit neuen Stadtbürgern verfahren soll, es ist vom Marktrecht die Rede sowie vom Brückenzoll und so weiter.

Ab wann verlor Laufenburg als Stadt an Bedeutung?

Ein Abstieg war es, als Laufenburg an militärischer Bedeutung verlor. Nach dem 30-jährigen Krieg im 17. Jahrhundert wurde es diesbezüglich fast ganz bedeutungslos. Ein zusätzlicher Schlag war der Niedergang der Eisenindustrie. Länger von Bedeutung blieb hingegen das mit der Fischerei, der Flösserei und der Schifferei in Verbindung stehende Gewerbe. Um 1800 war Laufenburg ein verarmter Ort.

Ist es nicht etwas übertrieben, 700 Jahre Stadtrecht gross zu feiern?

Diese erste Niederschrift zu feiern, ist nicht abwegig. Das Stadtrecht von 1315 war Ausdruck der Selbstbestimmung der damaligen Laufenburger. Auch die Schweiz feiert am 1. August den Bundesbrief von 1291, die älteste überlieferte gemeinsame Rechtsordnung der drei Urschweizer Kantone.

Aktuelle Nachrichten