Aus der Hottwiler Turnhalle ertönt die Stimme von David Imhoof. Der bereits zum dritten Mal in Folge verpflichtete Profiregisseur gibt kurze Anweisungen. Die eben geprobte Szene auf der Bühne wird wiederholt. Das Theater Hottwil steht kurz vor der Premiere seines Stückes «Eine etwas sonderbare Dame» nach John Patrick.

«Er ist gut, verlangt viel, fordert und weiss genau, was er will», sagt draussen im Vorraum Frank Stoll und meint damit den Regisseur. Das Theater Hottwil ist weit über die Region hinaus für seine hochstehenden Produktionen bekannt. Das verpflichtet und verlangt Höchstleistungen von allen Beteiligten. Nicht nur von Regie und Laiendarstellern. Das ganze Team ist gefordert, vom Bühnenbau, Bereitstellen der Infrastruktur, Werbung, Wirtschaft und mehr.

Dass dies in dem kleinen Mettauertaler Ortsteil schon über 100 Jahre bestens funktioniert, ist auch für Frank Stoll mit einer der Gründe, warum er dem Theater schon seit vielen Jahren die Treue hält. Er war auch Gründungsmitglied der Spielleute Hottwil, die vor 26 Jahren aus der Taufe gehoben wurden. Fasziniert ist der in Full wohnhafte und langjährige Klingnauer Sekundarschullehrer aber vor allem auch über die immer wieder aussergewöhnlichen und auch Mut beweisenden Inszenierungen der Fricktaler.

Nebenher verpflichtet

So erinnert er beispielsweise an die Uraufführung von «Halt auf Verlangen». Das dazugehörende Bühnenbild zeigte die Postautohaltestelle Bürersteig. Die Pressekonferenz dazu fand sinnigerweise in einem echten Postauto statt. Stoll erwähnt weiter die Freilichttheater «De Pächbueb» vor dem Gasthaus Bären oder «s’Marei», das Spektakel im Steinbruch. Diese Produktionen fanden gemeinsam mit dem Theater Gansingen statt. Seit diesen gemeinsamen Aufführungen sind die beiden Vereine einander viel näher gerückt. Frank Stoll schätzt diesen Austausch sehr.

Wie kommt der Zurzibieter nach Hottwil? «Durch meine damalige Partnerin. Sie war ab 1985 Lehrerin in Hottwil. Es war damals üblich, dass die Lehrer am Gemeinwesen, in einem Verein mitmachten. Sie entschied sich fürs Theater.» Sie sei es denn auch gewesen, die ihm einfach so nebenher mal gesagt habe, dass er bei der nächsten Produktion ebenfalls als Darsteller auf der Bühne stehen werde. «Sie ging irgendwann und ich blieb», schmunzelt Stoll und fährt sich mit beiden Händen durch das Haar.

Redet er, unterstreicht er jedes Wort mit ausholenden Gesten. Dabei wechselt seine Mimik permanent von freudig, ernst, aufgeregt bis hin zu spitzbübisch. Mit einem solch spitzbübischen Gesicht erzählt er, ohne dabei wirklich viel über den Inhalt des Stückes zu verraten, über seine Rolle als Doktor Bucher in «Eine etwas sonderbare Dame». Freut sich, dass er – wie in allen den vorhergegangenen Stücken – mit seinem spielerischen Ausdruck dieser Figur Leben, Glaubwürdigkeit, wo nötig Ernsthaftigkeit und wo gewollt auch den passenden Witz einhauchen kann. «Ganz viel davon passiert nicht beim Einstudieren des Textes, sondern ganz stark dann, wenn ich auf der Bühne stehe. Das Hineinschlüpfen kommt mit dem Spiel.»

Lehrer, Schauspieler, Rockmusiker

In Frank Stoll gibt es neben dem Theater, der Schule noch viele weitere «Rollen», die er innehat. Eine der wichtigsten ist jene des Familienmenschen, des Vaters von vier Kindern. Aber auch als Rockmusiker der Zurzibieter Band «Alcatross» oder als aktives Mitglied beim Turnverein taucht er gerne in andere Rollen ein. «Das Leben ist doch immer wieder ein Rollenspiel.»

Wieder fährt sich Frank Stoll durch die Haare, lässt sie in alle Richtungen stehen. «Ich hatte den ganzen Tag den Helm auf!» Er ist an diesem Donnerstagabend direkt vom Schneesporttag der Schule an die Theaterprobe gekommen. Es braucht wenige Überredungskünste und schon schlüpft er für das Foto hinter eine alte Schulbank und in die Rolle des frech-fröhlichen Lausbuben.

Premiere von «Eine etwas sonderbare Dame» am 11. März. Weitere Aufführdaten und Reservationen www.theater-hottwil.ch. Bereits 80 Prozent der Plätze sind reserviert.