Herznach
Das Kribbeln im Bauch ist auch nach 15 Jahren noch da: Als das Fricktal die Bob-Hochburg war

Auf den alten Fotos liegt Staub, auf den Pokalen und Medaillen Patina. Die aktiven Bob-Zeiten von Guido Acklin sind seit rund 15 Jahren vorbei. Doch jetzt, zur WM am Wochenende, erinnert er sich wieder.

Hans Christof Wagner
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Reto Goetschi und Guido Acklin holen sich 1997 im Zweierbob den fünften Zweierbob-Schweizermeister-Titel in Folge. Archiv/Key

Reto Goetschi und Guido Acklin holen sich 1997 im Zweierbob den fünften Zweierbob-Schweizermeister-Titel in Folge. Archiv/Key

KEYSTONE

Nicht St. Moritz, sondern das bayerische Königssee hat, nachdem Sotschi die Austragungsrechte entzogen bekam, den Zuschlag für die Bob-WM 2017 bekommen. «Königssee, die Bahn kenne ich gut», sagt Guido Acklin mit Wehmut in der Stimme. Dort, in der ältesten Kunsteisbahn der Welt am Fusse des Watzmanns, ist er mit Pilot Reto Götschi bei der EM 1997 im Zweierbob nicht nur Dritter geworden, im Vierer hat er sogar Gold geholt. Aber nicht nur sportlich erinnert sich der Herznacher gerne an Königssee zurück – auch privat, lernte er dort doch Doris Marugg kennen, selbst aktive Bobfahrerin und heute seine Ehefrau.

Heute sitzt der Zwei-Meter-Hüne in seiner Doppelhaushälfte in der Hübstelstrasse und sagt: «Dass ich jetzt das ganze Wochenende vor dem Fernseher sitze und mir die Bob-Rennen anschaue, nein, das kommt nicht mehr vor.» Er wird sich mit Zusammenfassungen in der Sport-Panorama-Sendung am Sonntagabend begnügen. Das macht er schon allein aus Selbstschutz, denn andernfalls würde die Familie sicher den Aufstand proben: Samstags gehört Papi uns.

Das Kribbeln im Bauch

Aber wenn er die TV-Bilder sieht, ist es doch eine Art Flashback. Dann kribbelt es wieder im Bauch. Dann pulsiert das Adrenalin erneut in den Venen. Dann kehrt der Stolz zurück, seinerzeit der Schweiz zu einem wahren Medaillenregen verholfen zu haben, gerade 1997, vor 20 Jahren, als es Gold bei der WM im 2er und eigentlich auch im 4er war. «Doch über den Titel im 4er haben wir uns nur zwei Stunden freuen können. Er wurde uns wegen angeblich nicht konformer Achsen wieder aberkannt», erinnert er sich. Die Achsen waren zwar im Nachhinein regelkonform, aber der Titel war dennoch weg. Obwohl: Die dazugehörige Goldmedaille hat er nicht wieder abgeben müssen.

Für jeden Besucher sichtbare Reliquien- und Trophäenschränke sucht man im Hause Acklin vergebens. Lediglich die Silbermedaille von den Olympischen Winterspielen 1994 in Lillehammer, wo sie als «Nobodys» (Guido Acklin) ganz vorne mitmischten, ist ins metallene Treppengeländer eingeschweisst. Sonst aber hängt das gesamte Edelmetall aus seiner aktiven Zeit an einem Regal im Keller. Dort hat Acklin auch die Pokale der Starterpreise aufbewahrt, auf die er besonders stolz ist. Ist doch die Startphase der eigentliche Job des Anschiebers, was der Herznacher immer war – je kürzer, desto besser. Anschliessend muss der Hintermann, vor allem im 2er, sich ja eigentlich nur noch möglichst klein machen und abwarten, bis der Bob im Ziel ist.

Guido Acklin mit einigen seiner Pokale und Medaillen.

Guido Acklin mit einigen seiner Pokale und Medaillen.

Hans Christof Wagner

«Dass ich mit meinen zwei Metern eigentlich zu gross für den Bobsport war, fanden seinerzeit viele», erzählt der frühere Zehnkämpfer, dessen 100-Meter-Bestzeit damals 10,98 Sekunden betrug. Aber der vier Jahre ältere und ähnlich grosse Bruder Donat war ja darin auch schon aktiv. Gemeinsam brachten es die Acklin-Brüder in den 1990er-Jahren zu grossem Ruhm. In Lillehammer holte Donat 1994 im 2er mit Gusti Weder sogar Gold.

Bobhochburg Herznach

Aber das ist alles schon lange her. «Heute sagt der Name Acklin vielen schon nichts mehr», erzählt Guido Acklin. Auch in Herznach steht kein Plakat am Ortseingang: Heimatdorf zweier der erfolgreichsten Bobsportler der Schweiz. Aber eines freut Guido Acklin dann doch: Dass mit Roger und Marco Leimgruber aus Herznach sowie Gian Wälchli aus Ueken der Bobsport im Fricktal weiter hoch im Kurs steht.

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