Das Kraftwerk Laufenburg ist die Grenze

Die Schwarzmeergrundeln haben sich rheinaufwärts ausgebreitet – Forscher testen jetzt mögliche Massnahmen, um sie aufzuhalten.

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An der Uni Basel läuft ein Forschungsprojekt zu den invasiven Grundeln im Rhein.

An der Uni Basel läuft ein Forschungsprojekt zu den invasiven Grundeln im Rhein.

Bild: niz (Basel, 16. Mai 2013)

Es besteht die Hoffnung, dass es sich um eine Falschmeldung gehandelt hat. Die sogenannten «Schwarzmeergrundeln» – es handelt sich um einen Sammelbegriff für mehrere invasive Grundelarten – haben sich in den vergangenen Jahren stetig rheinaufwärts ausgebreitet. 2012 zogen in Basel erstmals Fischer Grundeln aus dem Fluss, bis 2018 überwanden die Fische nach und nach die Kraftwerke bis und mit Bad Säckingen.

Und eben: Dieses Jahr erreichte die Universität Basel – hier läuft ein Forschungsprojekt zur Art – die Meldung, dass nun auch oberhalb des Kraftwerks Laufenburg eine Grundel gefangen worden sei. «Die Verantwortlichen des Kantons Aargau sind dem nachgegangen. Aber die Meldung liess sich nicht bestätigen», sagte Karen Bussmann, Ökologin und Doktorandin anlässlich eines Wissenschaftsapéros der Uni Basel. «Wir gehen davon aus, dass das Kraftwerk Laufenburg weiterhin die Ausbreitungsgrenze ist.»

Dort, wo sich die Grundel bereits angesiedelt hat, zeigt sich die Situation derweil unverändert. Jedes Jahr im selben Zeitraum fischen die Forscher im Hafen Kleinhüningen mit Reusen Grundeln, um die Bestandsentwicklung zu eruieren. Nach einem Hoch 2016 mit über 400 gefangenen Grundeln und einem Tief 2018 mit nur noch 70 hat sich die Zahl nun in den vergangenen beiden Jahren bei rund 200 Grundeln eingependelt. Die Fangstatistiken des Kantons Basel-Stadt – also die Auswertung der Fangbücher der Fischer – bestätigen diese Entwicklung. «Die Anzahl gefangener Grundeln liegen noch immer deutlich höher als die Anzahl aller anderen Fangfische zusammengenommen», so Bussmann.

Im Labor wurde eine Grundelsperre getestet

Der Aargau führt innerhalb des Kantons kein Monitoring über das Vorkommen der Grundeln durch. «Die Fischfangstatistik des Jahres 2019 zeigt jedoch eine starke Zunahme von gefangenen Grundeln», sagt Tabea Kropf, Projektleiterin Fischgängigkeit im zuständigen Departement im Kanton Aargau. Sie führt dies allerdings vor allem darauf zurück, dass die Grundeln aktiv befischt wurden.

Die Forscher der Uni Basel beschäftigen sich derweil mit Massnahmen, mit denen die Ausbreitung der Schwarzmeergrundeln zumindest eingedämmt werden könnten. Im laufenden Jahr etwa wurde eine Grundelsperre entwickelt und getestet, die an Kraftwerken eingesetzt werden könnte. «Sie soll Grundeln aufhalten und anderen Fischarten den Aufstieg ermöglichen», erklärt Kropf. Erste Resultate aus dem Labor könnten nun in Versuchen im Freien getestet werden.

Ein weiterer Ansatz ist die Öffentlichkeitsarbeit mit einer Informationskampagne etwa für Bootsbesitzer. Schon länger wird vermutet, dass die Grundeln auch durch Freizeitboote verschleppt werden – einerseits, indem sie ihre Eier an den Bootsrümpfen ablegen, andererseits aber auch, indem ihre Larven über das Kühlwasser in die Bootsmotoren gelangen können. Dass Letzteres vorkommt, hat eine Untersuchung auf dem Rhein dieses Jahr bewiesen. Auf Merkblättern wird daher darauf hingewiesen, die Boote gründlich zu reinigen, bevor auf ein anderes Gewässer umgesiedelt oder ein Kraftwerk überquert wird. «Für praktisch alle Arten, von der Garnele über Muscheln, aber auch bei Krankheiten ist es wichtig, die Geräte, die man im Wasser einsetzt, zu reinigen, kontrollieren und zu trocknen», sagt Tabea Kropf.

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